Erfahrungsbericht

Meine erste Dienstreise in der Corona-Zwischenwelt

Inge Pirner
VDR
Inge Pirner

Inge Pirner, Travel Managerin bei Datev in Nürnberg, war nach vielen Monaten Home Office erstmals wieder geschäftlich unterwegs. Für BizTravel schildert sie ihre Erlebnisse.

Wie schnell man sich daran gewöhnt, dank Homeoffice eine Stunde länger schlafen zu können, weil ich mir 45 Minuten Arbeitsweg erspare, merke ich heute: Der Wecker klingelt um 5.20 Uhr, da meine erste Dienstreise in der Corona-Zwischenwelt ansteht.

Auf dem Weg zum Bahnsteig – Maske auf – stelle ich fest: Es ist kaum einer da! Vor Corona füllte sich der S-Bahnhof kurz vor 6 Uhr mit vielen Pendlern. Heute ist das eine überschaubare Gruppe. Was sich nicht geändert hat: Es kommt nach wie vor eine alte Zuggarnitur daher. Denn eigentlich sollten hier die modernen S-Bahnen eingesetzt werden. Aber wahrscheinlich sind die noch in Quarantäne.

Platz zum Abstandhalten ist damit auch in der S-Bahn mehr als genug, und ich fasse mal vorsichtshalber nichts an, denn so sauber erscheint mir das alles nicht – wie früher halt. Ich fahre sicherheitshalber immer eine S-Bahn früher, um zu meinem Anschlusszug nicht hetzen zu müssen.

Mit einem kurzen Besuch in der DB-Lounge ist die Zeit meist gut zu verbringen. Aber – was stelle ich jetzt fest: In Zeiten von Corona müsste ich ein Kontaktformular ausfüllen. Darauf habe ich gerade keinen Bock. Zudem reicht die Zeit dann nicht mehr für einen Kaffee.

Kaffee teurer trotz Rabatt

Na ja, das kann ich im Zug ja nachholen. Aber halt – weitere neue Erkenntnis: Die Preise in der Bordgastronomie wurden angehoben! Dafür bekommt man nun 2,5 Prozent Rabatt. Insgesamt kostet es dennoch mehr als noch im März. Dann nehme ich eben Kaffee aus einem Bahnhofscafe.

Rauf zum Bahnsteig – kaum Menschen –, sondern wieder eine überschaubare Gruppe. Abstandhalten kein Problem, auch beim Einsteigen nicht. Im Wagen funktioniert die Sitzplatzreservierungsanzeige nicht. Auch nix Neues. Aber bei lediglich fünf Leuten im Waggon ist das kein Problem.

Beim Komfort-Check-in fällt mir eine erfreuliche Neuerung auf: Ich kann meinen Sitzplatz nach dem Check-in nochmal ändern. Das tue ich auch, den ich gönne mir die Zweier-Reihe mit mehr Platz. Funktioniert!

Was ist eigentlich eine Nase?

Nervig ist das Maskentragen. Die Brille läuft dauernd an. Und bei jedem Schluck Kaffee Maske ab und dann wieder auf. Und: Nicht jeder im Zug weiß, was "Mund-Nase" heißt. Denn die Nase wird von manch einem nicht bedeckt, oder die gesamte Maske dient mehr als Kette. Also schummel ich jetzt auch ein bisschen. Mein nächster Nachbar sitzt vier Meter weg von mir.

So, jetzt ist mal wieder das W-LAN weg: genau wie vor Corona! Und jetzt ist alles weg – auch das Netz. Sauber sind hingegen die Toiletten. Das mag nun an der Reinigung liegen oder daran, dass einfach weniger Passagiere da sind. So, Frankfurt wird pünktlich erreicht und auch hier: wenig Leute. Jetzt geht’s in einen kleinen Workshop mit Abstand – bei dem eine Webkonferenz keine Alternative ist.

Mein präferiertes Hotel in Frankfurt ist leider noch geschlossen, wie 40 Prozent aller Hotels in Deutschland. Der erste Eindruck im Hotel: Markierungen (die Pfeile für die Wegrichtung sind sehr klein), Hinweise, Plexiglas. Und wieder mal: wenig Menschen.

Der Mitarbeiterin an der Rezeption hängt der Mund-Nasenschutz wie ein Kette am Hals, aber Schutz bietet ja das Plexiglas mit "Loch" unten. Den desinfizierten Kugelschreiber lege ich nach Gebrauch wieder in den Behälter für "desinfiziert" – schließlich bin ich bislang ja auch nicht infiziert, das weiß der Behälter.

Im Aufzug soll ich nun allein fahren. Kein Problem: Außer mir ist hier ja keiner. Im Zimmer ist alles aufgeräumt, aber ob tatsächlich auch etwas desinfiziert ist oder nicht – keine Ahnung!

Reinigung nur auf Anfrage

Die Minibar ist leer. Im Zimmer gereinigt wird nur auf Anforderung. Mir egal, ich bleibe ja nur eine Nacht. Gewöhnungsbedürftig: meinen Rotwein muss ich aus dem Pappbecher trinken. Wie in meinen Jugendjahren: Hauptsache Alkohol! Zumindest erübrigt sich hier das Desinfizieren. Das mache ich innerlich!

Und jetzt zu meinem Lieblingsthema, auch vor Corona schon: Schaut sich im Hotel eigentlich jemals jemand die Duschkabinen in den Bädern an? Liebe Freunde in der Hotellerie: Geht‘s noch?! Bei dem Zustand mancher Duschkabinen hilft auch Desinfizieren nicht mehr.

Frühstück in der Maske

Frühstück gibt es als Buffet – mit Pfeilen, Einbahnstraßenregelung, Handschuhen und stringenter Anweisung durch das Personal, wie man sich zu verhalten hat. Aber Achtung – immer Mundschutz auf und ab – nehmt vorher mal die Serviette, sonst findet ihr Reste des Frühstücks danach in der Maske wieder. Als Wegzehrung.

Was interessant ist: Seit Tagen funktionierte meine Corona-App nicht. Jetzt klappt es aufeinmal wieder: kleines Wunder auf Reisen. Dann geht's ins Büro, mit Anstand natürlich.

Vertrauter Oberleitungsschaden

Zum Ende meines Termins bekomme ich die Meldung, dass auf der Bahnstrecke für die Heimfahrt ein Oberleitungsschaden ist: genau wie vor Corona! Es ist immer was los. Und das Ende vom Lied sind 85 Minuten Verspätung. Ich bin massiv beeindruckt, wie beständig die DB ist.

Durch die lange Fahrtzeit komme ich trotz Maske ins Gespräch mit anderen Reisenden. Geteiltes Leid ist halbes Leid! Und die Routine des Zugbegleiters beim Austeilen des Fahrgastrechteformulars ist gut erkennbar – ein kleines Schmunzeln nur unter der Maske.

Hier kommt doch wieder die gute alte Schaffnerzange zum Einsatz. Und wir Fahrgäste sind beschäftigt mit dem analogen Ausfüllen. Kinder bekämen zur Überbrückung der Verspätungszeit ein Malbuch und Stifte. Dazu sind wir zu alt.

Der Mensch lebt nicht vom Internet allein

Fazit: Reisen in der Corona-Zwischenwelt sind schon ein wenig anders: Manches ist wie vorher, manches nicht, und manches ist gewöhnungsbedürftig. Aber ich habe mal wieder was gemeinsam und persönlich mit Kollegen erarbeitet. Das tut gut!

Der Mensch lebt nicht nur in der virtuellen Welt. Denn dann wären wir ja alle wie Pepper, der kleine Roboter ohne Empathie. Ergänzend sind Videokonferenzen gut, ja, aber bitte nicht ausschließlich. Daher hioffentlich bis zur nächsten Dienstreise!
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