Business Travel

Der Internet-Pionier aus dem Reisebüro

Michael Becker ist Chef von Fides Reisen in Berlin.
Becker/privat
Michael Becker ist Chef von Fides Reisen in Berlin.

Im Netz ist Fides-Chef Michael Becker seit 25 Jahren unterwegs. Nun bringt er eine neue Geschäftsreise-App auf den Markt.

So sehr sein Herz am Reisebüro hänge, so klar sei ihm auch, "dass sich nicht jedem Geschäftsreisenden erklären lässt, er solle ins Reisebüro gehen, wenn er jahrelang direkt gebucht hat", sagt Michael Becker, Geschäftsführer der Berliner LCC-Agentur Fides Reisen und Mitbegründer der Geschäftsreisemarke Business Plus.

Aufgeben will Becker solche potenziellen Kunden dennoch nicht: Wenn er sie schon nicht direkt übers Reisebüro erreicht, dann eben über einen anderen Weg. Und ein solcher ist für ihn etwa die von zwei Berliner Jungunternehmen entwickelte Reisekosten-App Book One.

Mit Beckers Business-Travel-Know-how hat das Start-up die Anwendung zu einer Geschäftsreise-Software für Klein- und Kleinstbetriebe ausgebaut – Kunden, die er als "Einzelkämpfer" definiert, oder "Unmanaged Travel", etwa Selbstständige und Freiberufler. "Die buchen eben irgendwo ihre Reise, aber leider meist nicht im Reisebüro", sagt er.

An Existenzgründern ist Becker seit den 90er Jahren interessiert – und "Entrepreneurship" betreibt er schon immer nebenher, wie er sagt. Eigentlich wollte er nach seiner langjährigen Tätigkeit im Aufsichtsrat der LCC zur Abwechslung mal ein nicht touristisches Start-up betreuen. Dann aber kam Book One: "Das hat mich natürlich sofort angesprochen, weil ich selbst aus dem Geschäftsreisebereich komme."

Revisionssicher für Steuerprüfung

Die Funktion der App ist simpel: Selbstständige können darüber einfach ihre Business Trips abrechnen – die Tagespauschalen der jeweiligen Länder werden automatisch berechnet. Und, so Becker: "Die App ist revisionssicher für die deutsche Steuerprüfung, die Vorlagen für Steuerberater oder für die Datev werden als PDF vorbereitet." Kompatibel ist die App dabei sowohl für Apple- als auch für Android-Nutzer.

Dass die Anwendung ausgerechnet in der Corona-Zeit startet, in der beruflich so gut wie nicht gereist wird, sei natürlich ungünstig. Andererseits "wollten wir nun einfach mal loslegen", sagt der Berliner. Statt der Geschäftsreise würden dann eben erst einmal die Ausgaben fürs Homeoffice darüber abgerechnet – etwa für den Drucker, den Laptop oder das Briefpapier.

Michael Becker ist Internet-Pionier. Schon vor 25 Jahren hat der Berliner ins Netz investiert – jede Mark, die er übrig hatte. Bereits 1996 eröffnete er eine Online-Filiale seines Reisebüros. Es war die Erste ihrer Art in Deutschland, und sie boomte von Anfang an: 1999 setzte Becker damit zwei Millionen DM um.

Seit 1996 im Internet präsent

Und er sorgte auch dafür, dass LCC als Verbund rasch mit einem eigenen Auftritt im Internet präsent war: Als Geschäftsführer von ETN Electronic Travel Network warb er dafür 68 Partnerbüros. Reisebüros könnten sich übers Internet zusätzliche Kunden erschließen, warb er: "Erfolg ist schon drin."

Daran hat sich auch 25 Jahre später nichts geändert. Die Verbindung zwischen digitalem und stationären Vertrieb spielt für Becker nach wie vor eine wichtige Rolle. Selbst was Book One angeht, könne er sich vorstellen, dass Nutzerinnen und Nutzer eventuell in einem zweiten Schritt fürs Reisebüro gewonnen werden könnten.

Dann, wenn es sich nicht mehr nur um einzige Selbstständige handelt, sondern um einen ganzen mittelständischen Betrieb. Ziel sei das aber nicht, sagt er.
Kommentare

Sie können diese Nachricht nicht mehr kommentieren.

stats