Meine Woche | KW 25

Nullprovision und Preisanpassung – wie Wörter beschönigen

Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.
FVW Medien
Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk, über seine Woche im Business Travel – und über andere Begebenheiten.

Sonntag, 19. Juni 2022

"Besonders toll ist das Wetter ja heute nicht." Ehrlich gesagt: Es ist b … Womit ich nicht die heutigen Temperaturen meine - die sind hier in Hamburg durchaus okay. Nein, das Ganze soll nur ein Beispiel sein für sogenannten Euphimismus. Also für das wohlwollende Umschreiben eines weniger schönen Umstands. "Etwas Unangenehmes mit angenehmen Worten sagen", so definiert es Wikipedia.

Unangenehm ist es zum Beispiel, wenn das Reisebüro für eine verkaufte Leistung keine Provision vom Produzenten erhält. Also rein gar nichts. Aber wie heißt es in der Pressemitteilung? "Bahn führt Nullprovision ein." Klingt irgendwie viel besser als: "Bahn streicht Reisebüros die Provision." Denn immerhin wird da ja was eingeführt …

Neu ist dieses Stilmittel der Beschönigung nicht. So sprechen Politiker gern von "Nullwachstum" - was sich so anhört, als würde da doch noch irgendetwas wachsen. Oder Arbeitgeber "setzen Arbeitskräfte frei". Klingt nach frischer Luft, nach Positivem - dabei wurden die Beschäftigten schlicht entlassen. Ähnliches gilt für den "Entsorgungspark": Er scheint uns alle Sorgen zu nehmen. Das ist bei den Mülldeponien aber leider nicht der Fall.

So klingt auch Schlimmes harmlos

Und: Momentan nehmen viele Händler und Hersteller "Preisanpassungen" vor. Anpassen ist immer gut - dann drückt es wenigstens nicht mehr so. In Wirklichkeit erhöhen sie die Preise, derzeit sogar kräftig. Damit wird alles teurer - pardon, ich meine natürlich "kostenintensiver". Aber das verschweigt die Werbung - äh, die "Kundeninformation" - selbstverständlich.

Meister in diesem Fach sind die Russen und ihre damaligen Verbündeten in der DDR. Errichteten Letztere den "antifaschistischen Schutzwall", an dem Hunderte getötet wurden, hat Putin in der Ukraine einen der brutalsten Kriege nach 1945 entfacht. Doch für ihn ist es bekanntlich nur eine "Sonderoperation". Womit bewiesen ist: Auch Worte können Waffen sein. 

Montag, 20. Juni 2022

Ich erinnere mich gern an ihn: Letztes Jahr sind wir – also fvw|TravelTalk – zu einem Fam Trip ins norditalienische Piemont gefahren. Die berühmte Kirsche konnten wir zwar nicht finden, dafür aber eine Landschaft, die uns begeistert hat. Natürlich konnten wir nur einen kleinen Teil besichtigen. Das gesamte Piemont hingegen hat der nun in 6. Auflage erschienene gleichnamige Reiseführer zum Inhalt (Michael Müller Verlag, 430 Seiten, Preis 21,90 Euro).

Und ich muss sagen: Beim Durchblättern ist mein Appetit auf eine zweite Piemont-Reise noch einmal größer geworden. In vier Gebiete aufgeteilt (plus die benachbarte Region Aostatal) beschreiben die Autoren Sabine Brecht und Sven Talaron den Reichtum dieser faszinierenden Region. Neben klassischen Sehenswürdigkeiten nennen sie etliche Insider-Tipps und verraten Details, auf die der "normale" Urlauber nicht kommen würde.

Michael Müller Verlag


Genau so empfehlenswert wie dieser Reiseführer ist die ebenfalls im Michael Müller Verlag zeitlich veröffentlichte Neuauflage "Polnische Ostseeküste" (280 Seiten, 18,90 Euro). Nach eher kurzen und zumeist dienstlich begründeten Besuchen in Danzig und im Badeort Zoppot habe ich mir vorgenommen, dieses Stück Ostsee einmal mit mehr Zeit zu erkunden. 

Isabella Schinzel beschreibt die 524 km lange Küste nicht allein als Badeparadies, sondern als ungemein vielfältige Landschaft aus Steilküste, Wald, Bodden und Vogelparadies. Über die vielen sehenswerten Städte und Städtchen erfahren wir ebenso wie über historische Hintergründe, und mit Wander- und anderen Aktivtipps spart die Autorin ganz und gar nicht. 

Bleibt für mich nur noch die Frage: Was mache ich zuerst – Polens Ostseeküste oder das Piemont?


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