Meine Woche | KW27

Was eine Umfrage über Umfragen ergibt

Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk
FVW Medien
Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk, über seine Woche im Business Travel - und über andere Begebenheiten.

Montag, 4. Juli 2022

Nein, kein Scherz: Das Meinungsforschungsinstitut Forsa nimmt regelmäßig Umfragen über Umfragen vor. Es will wissen – natürlich in Form eine Umfrage –, wie die Menschen zu Umfragen stehen. Immerhin: Die große Mehrheit der Deutschen, nämlich 70 Prozent, sagen, dass gerade heutzutage Umfrage-Ergebnisse dringend benötigt würden. Und 62 Prozent glauben, dass die von der Markt- und Meinungsforschung erhobenen Daten zuverlässig und glaubwürdig seien.

Was aber sagt das auf die Antwortqualität der 38 Prozent aus, die Umfrage-Ergebnissen nicht trauen? Zweifeln diese Menschen dann auch daran, was sie selbst in Umfragen gesagt haben – zum Beispiel über Umfragen? Wenn dem so wäre – diese Menschen also grob gesagt Unsinn reden –, hieße das im Umkehrschluss ja, dass auch sie in Wirklichkeit Umfragen für glaubwürdig halten. Oder liege ich jetzt völlig daneben?

Zumal erst im vergangenen Jahr eine Umfrage ergab, dass 40 Prozent der Deutschen speziell Wahlumfragen nicht trauen. Auf Parteien verteilt, waren vor allem CDU/CSU-Anhänger skeptisch – jedenfalls solange, wie die SPD laut Umfragen vorne lag. Als sich das Bild zwischendurch wandelte und die Union kräftig aufholte, hielten plötzlich die meisten SPD-Anhänger Umfragen für unglaubwürdig.

Nein, nicht jede Umfrage ist so angelegt, dass ein völlig manipulationsfreies Ergebnis herauskommt. Es kommt auch immer darauf an, wie die Frage formuliert ist. Würde etwa bei einer Umfrage zur Nachhaltigkeit bei Geschäftsreisen irgendeine Firma mit "nein" antworten, wenn die Frage lautete: Halten Sie Nachhaltigkeit für eine wichtigen Aspekt im Business Travel? Aber reisen deshalb 99 Prozent der Unternehmen umweltbewusst?

Ja, in unseren Newslettern bringen wir immer wieder die Ergebnisse von Umfragen. Zumindest, wenn wir denken, dass vergleichsweise neutral formuliert wurde, die Resultate einigermaßen schlüssig sind und sich genügend Menschen beteiligt haben. Dass wenige Wochen später eine weitere Umfrage zu einem anderen Ergebnis kommt, ist dennoch nicht ausgeschlossen. Aber Hand aufs Herz: Ganz ohne Umfragen wäre es ja auch irgendwie blöd.

Sonntag, 3. Juli 2022

Die eine schlängelt sich 451 Kilometer durch Deutschland – von Hann. Münden, wo sie aus dem Zusammenfluss von Werra und Fulda entsteht, bis zur Nordseemündung in Bremerhaven. Die andere entspringt in Tschechien, fließt durch Polen, bildet den Grenzfluss zu Deutschland und endet schließlich nach fast 900 Kilometern bei den Inseln Usedom und Wolin in die Ostsee. "Weser" und "Oder", so heißen zwei im Trescher-Verlag erschienene Reiseführer, die nicht nur alle Sehenswürdigkeiten entlang der Flussstrecken beschreiben. Auch geben sie spannende Einführungen zu Natur, Kultur und Geschichte der jeweilgen Regionen.

In seinem Buch "Weser" gibt Autor Hinnerk Dreppenstedt zunächst einen kurzen, aber aufschlussreichen Überblick über die verschiedenen Weser-Landschaften, über Kulturerlebnisse wie Schlösser, Burgen, Klöster und Gärten und über diverse Möglichkeiten des Unterwegsseins an und auf der Weser – samt einer Übersicht über alle Fähren. Anschließend stellt er gemäß dem Flussverlauf um die 80 Städte und Dörfer mit ihren Attraktionen vor, darunter etliche touristisch noch wenig entdeckte Perlen.

Trescher

Kristine Jaath wiederum widmet sich in ihrem Reiseführer "Oder" zunächst umfangreich und sehr interessant geschildert der vielfältigen Geschichte des Stroms, von den ersten slawischen Siedlern über die Geburt der Mark Brandenburg, das Königreich Preußen, Flucht und Vertreibung und die DDR bis zur Wiedervereinigung. Danach kommen auch bei Jaath die verschiedenen Regionen am Fluss zu ihrem Recht: Naturnaher, sanfter Tourismus dominiert, mit gleich drei National- und vielen Naturparks.

Trescher

Das Besondere an den beiden Reiseführern ist auch: Sie eignen sich nicht nur als Vorbereitung für längere Urlaube – auch Tagesausflügler finden in den Büchern eine Fülle an Tipps, Naturliebhaber ebenso wie Kultur- und Geschichtsinteressierte; Wanderer, Fahrradfahrer und andere Aktiv-Urlauber genauso wie Architekturfans. Schon die jeweils mehr als 300 Fotos machen Appetit, und die fast 30 Stadtpläne und Übersichtskarten helfen bei der Orientierung. Sehr zu empfehlen!

- Hinnerk Dreppenstedt: Weser (Trescher-Verlag, 432 Seiten, 18,95 Euro)

- Kristine Jaath: Oder (Trescher-Verlag, 428 Seiten, 18,95 Euro)

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