Meine Woche | KW23

Die Weltreise, die in Glückstadt endet

Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.
FVW Medien
Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk, über seine Woche im Business Travel.

Dienstag, 7. Juni 2022

Ohne Frage: Die vergangenen zwei Monate waren für mich spannend, schön und ereignisreich. Nach unserem fvw|TravelTalk-Famtrip mit gut 100 Reisebüros ins norditalienische Lignano Sabbiadoro ging es zunächst weiter in einen zweiwöchigen Griechenland-Urlaub, anschließend nach wenigen Tagen Büro für eine Woche nach Saudi-Arabien (das wieder dienstlich) und schließlich direkt danach für drei Tage auf die Mice-Messe Imex nach Frankfurt. Das Ganze gipfelte dann am Freitag vor Pfingsten in einer großen Feier zum 50. Jubiläum unseres Verlags – also der FVW Medien – in der Hamburger Speicherstadt.

Nach zwei Jahren mit nur wenigen Reisen und digitalen statt echten Messen war das alles – natürlich – eine tolle Abwechslung. Und die habe ich genossen, egal ob es der private Urlaub oder das geschäftliche Unterwegssein war. Und dennoch gebe ich zu: Ich freue mich auf die kommenden vier Wochen, in denen ich nicht – oder besser gesagt: kaum – auf Tour sein werde.

Auch deshalb, weil ich dann noch mal in Ruhe Italien, Griechenland und Saudi-Arabien an meinem geistigen Auge vorbeiziehen lassen und Mitbringsel sowie Fotos sortieren kann. Denn auch das gebe ich gern zu: Das Reisen selbst ist zwar klasse, aber ohne "Nachbereitung" und Vorfreude wäre es für mich nur halb so schön.

Pfingstsonntag, 5. Juni 2022

Naja, zu Hause sein heißt ja nicht: nur zu Hause sein, also zum Beispiel im Garten oder auf dem Sofa (was ich grundsätzlich sehr schätze). Kurze Ausflüge in die zumindest nähere Umgebung gehören einfach dazu. Ganz besonders in Zeiten des 9-Euro-Tickets.

Zwar waren wir schon mal vor sechs oder sieben Jahren in Glückstadt – damals war es aber kalt, regnerisch und damit ein wenig trostlos. Wir nahmen uns vor, bei besserem Wetter wiederzukommen. Am Pfingstsonntag setzten wir das Vorhaben um – und genossen das historische, 1617 von König Christian IV. gegründete Städtchen an der Elbe, etwa eindreiviertel Stunde von Hamburg entfernt (mit Bus und Bahn).

Natürlich waren wir nicht die einzigen, die diese Idee hatten, und selbstverständlich machte sich das 9-Euro-Ticket in Form gut gefüllter Züge bemerkbar. Was aber ja nicht schlecht ist: Vielleicht entdecken dadurch mehr Menschen nicht nur die öffentlichen Verkehrsmittel, sondern auch die Schönheit ihrer unmittelbaren Umgebung?

Wir jedenfalls denken bereits darüber nach, welche weiteren Ziele rund um Hamburg in den nächsten Wochen auf unsere Ausflugspläne kommen.

Samstag, 4. Juni 2022

Unterwegssein heißt für mich auch immer: mindestens ein (echtes) Buch im Gepäck haben, um in ruhigen Stunden – ob im Flugzeug oder in der Bahn, am Abend im Hotelzimmer oder auf der Bank an der Mittelmeerküste – in eine nochmals andere Welt abzutauchen. Diesmal entschied ich mich für den Erzählband "Schnee im Mai", der ersten Veröffentlichung von Kseniya Melnik (erschienen bei Nagel & Kimche, 304 Seiten, 22 Euro).

Die Autorin, 1983 in der russischen Küstenstadt Magadan am Nordpazifik geboren, emigrierte bereits als 15-Jährige in die USA, wo sie seither mit ihrer Familie lebt. In "Schnee im Mai" lässt sie ihre Vergangenheit lebendig werden: Die Figuren, um die sich ihre Erzählungen aus Magadan ranken, tragen autobiografische Züge.

Nagel & Kimche


In Magadan – 6000 Kilometer von Moskau entfernt – starben einst Tausende in den von Stalin errichteten Gulag-Lagern. Die tragische Geschichte der Stad spiegelt sich wider in den Personen der insgesamt neun Erzählungen, die sich über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten erstrecken. Dabei erzählt Melnik nicht nur eindrucksvoll, einfühlsam und in einer sehr präzisen Sprache, auch sind einige der Erzählungen ineinander verwoben, so dass man beim Lesen einer späteren Geschichte auf eine bereits bekannte Figur trifft – die einst Neben-, nun aber Hauptfigur ist.

Dabei wird vor allem deutlich, wie sehr frühe Erfahrungen und Erlebnisse das Leben eines Menschen prägen. Von seiner Geschichte kommt niemand los, und Persönliches wie Liebe und Liebesschmerz mischt sich mit politischen und gesellschaftlichen Ereignissen. Und dennoch gibt es Momente der Schönheit, der Lebensfreude und der Hoffnung, die universal und allen Menschen gemein sind – unabhängig vom Ort ihrer Herkunft. Melnik erzählt von ihnen: mit mitfühlender Sympathie für ihre Personen, mit Humor und immer wieder einer Prise Ironie.


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