Meine Woche | KW50

Was uns die alten Friesen lehren

Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.
FVW Medien
Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.

Oliver Graue ist bei fvw|TravelTalk unter anderen für das Thema Business Travel zuständig. In seinem wöchentlichen Blog berichtet er aus dem Leben eines Reiseredakteurs.

Samstag, 9. Dezember 2022

Diar san muar lidj uun a butel drinket üs uun a waas. Haben Sie das, liebe Leserinnen und Leser, verstanden? Wir jedenfalls konnten uns keinen Reim darauf machen, als wir dieser Tage auf der Nordsee-Insel Amrum vor einer Sitzbank mit genau dieser Aufschrift standen.

Wir sind den sogenannten Friesen-Bank-Weg entlang spaziert, der an zehn Holzbänken durch Amrums Dünen- und Strandlandschaft vorbei führt. Auf jeder einzelnen Sitzgelegenheit – zum Ausruhen war es natürlich viel zu kalt und zu feucht – ist ein friesischer Spruch zu lesen, genauer gesagt: ein Spruch auf Öömrang, also auf Amrumisch, das im Alltag noch immer von 500 bis 600 Insulanern gesprochen wird.

Und das ist keineswegs nur ein deutscher Dialekt, sondern eine selbstständige westgermanische Sprache. Insgesamt 300.000 Menschen in Deutschland und den Niederlanden beherrschen sie noch, und Ähnlichkeiten gibt es zum Deutschen ebenso wie zum Englischen.

Die Nordfriesen sind stolz auf ihre eigene Kultur und Sprache und haben es – bereits vor Jahrzehnten – durchsetzen können, dass Ortsschilder in der Region zweisprachig gehalten sind, auf Deutsch und auf Friesisch. Dabei sind die Friesen eine von insgesamt drei anerkannten Volksgruppen in Deutschland. Die anderen sind die Sorben (oder Wenden) in der Ober- und Niederlausitz sowie die Dänen in Südschleswig.

Doch kommen wir zurück zum eingangs erwähnen Spruch: Diar san muar lidj uun a butel drinket, üs uun a waas. Zum Glück gab es bei der Touristeninformation in Norddorf ein Faltblatt, das die Übersetzungen der zehn Sprüche bereithält. Im genannten Fall handelt es sich um eine Warnung vor übermäßigem Alkoholkonsum: Es sind mehr Leute in der Flasche ertrunken als im Wattenmeer. Von selbst wären wir darauf nicht gekommen.

Sonntag, 10. Dezember 2022

Wir bleiben in Deutschland – nun in literarischer Hinsicht. Mit "Ostholstein" und "Nordhessen" hat der Berliner Trescher-Verlag zwei weitere Reiseführer veröffentlicht, die sich intensiv mit einer heimischen Region beschäftigen.

Insbesondere das östliche Holstein mit der Ferieninsel Fehmarn und seinen Ostsee-Orten wie Timmendorfer Strand, Heiligenhafen und Grömitz, aber auch mit der Unesco-Welterbe-Stadt Lübeck gehört seit Langem zu Deutschlands beliebtesten Urlaubsregionen. In ihrem Reiseführer "Ostholstein" (288 Seiten, Preis: 16,95 Euro) stellt Autorin Tanja Schridde sie vor. Dabei präsentiert sie nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Region, sondern gibt Einblicke in Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Kulinarik.
Trescher

Neben dem Kerngebiet um die ostholsteinische Schweiz sind Lübeck und dem seen- und waldreichen Herzogtum Lauenburg eigene Kapitel gewidmet. Dabei zeichnet Schridde das Bild einer landschaftlich wie kulturell äußerst facettenreichen Gegend, die zwar von der Ostsee geprägt ist, die aber dennoch viele weitere Attraktionen bereithält – von Rad- und Wanderwegen über die grüne einstige innerdeutsche Grenze bis hin zu den Drachenfesten.

Ausgedehnte Waldgebiete prägen auch das nördliche Hessen – die Mittelgebirge sowie die Täler von Werra und Fulda. Überregional bekannt ist vor allem die Documenta-Stadt Kassel mit Schloss und Bergpark Wilhelmshöhe. Dass die Region aber auch an anderen Orten einen Besuch lohnt, macht Peggy Leiverkus mit "Nordhessen" (300 Seiten, 18,95 Euro) deutlich.
Trescher

Ihre Liebe gilt den märchenhaften Fachwerkdörfern, den zahlreichen Burgen und urigen Wanderpfaden.
Ein empfehlenswerter Reiseführer für die Region, in der die Gebrüder Grimm ihre Märchen spielen ließen. Wer sich vom Buch inspirieren lässt und das nördliche Hessen besucht, dem wird klar, warum ausgerechnet hier die Heimat von Rapunzel, Frau Holle und Dornröschen ist.





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