Meine Woche | KW48

Dringende Fragen und dreckige Toiletten

Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.
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Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.

Oliver Graue ist bei fvw|TravelTalk unter anderen für das Thema Business Travel zuständig. In seinem wöchentlichen Blog berichtet er aus dem Leben eines Reiseredakteurs.

Samstag, 26. November 2022

Die Frage ist – man könnte sagen – von großer Dringlichkeit. Tatsächlich stellt sie sich auf vielen unserer Reisen, wenn diese nicht gerade mit Tagungen, Kongressen oder Messen verbunden sind. Denn diese bieten die Örtlichkeiten, die anderswo fehlen. Oder die man einfach nicht findet.

Sie merken schon: Es geht um Toiletten. Bricht man kurz nach dem Hotelfrühstück zur Besichtigungstour auf, stellt sich meist nach spätestens zwei Stunden die Frage, wo man den Kaffee oder Tee wieder loswerden kann. Zur Einkehr in einem Café ist es dann meistens noch zu früh, denn am erneuten Kaffeedurst fehlt es noch. Sofern vorhanden bietet sich oft nur der Besuch eines öffentlichen WC an.

Die Erfahrung, die wir dabei machen, sind höchst unterschiedlich. Unser jüngster Besuch in Potsdam war ein Paradebeispiel dafür, wie es sein könnte: Toilettenhäuschen, die auch in der Nebensaison geöffnet sind, die sauber sind und in denen Klopapier und Seife nicht fehlen. Das ist leider längst nicht überall so. Das benachbarte Berlin hat sogar die europaweit dreckigsten WC. Zumindest kommt eine Auswertung der im Internet vorhandenen WC-Bewertungen zu diesem Ergebnis.

Ebenfalls schlimm sieht es in London, Athen, Tallinn (Estland) und Lissabon aus, und auch Prag, Amsterdam, Paris, Warschau, Madrid und Budapest schneiden alles andere als zufriedenstellend ab. Die saubersten Klos finden Besucher laut der Studie des Duschkabinen-Anbieters Shower Enclosure Experts im hohen Norden, genauer gesagt in Helsinki. Mit 4,9 von 5,0 erreichbaren Punkten schneiden die finnischen Hauptstadt-Klos exzellent ab.

Aber weil man ja nicht jeden Urlaub in Helsinki verbringen kann, bin ich ein Verfechter des Systems der "netten Toilette". Diese WCs in Restaurants, Cafés und Geschäften sind in aller Regel deutlich sauberer als öffentliche Stätten, und dafür, dass die Betreiber sie auch Nichtkunden zur Verfügung stellen, erhalten sie einen (gar nicht so niedrigen) finanziellen Obolus der Städte.

Das lohnt sich für alle: für die Urlauber, die ein dringendes Bedürfnis verspüren, für die Betreiber, die Geld bekommen und Besucher vielleicht doch noch zu einem kleinen Kauf überreden können, und letztlich auch für die Städte: Der Unterhalt öffentlicher Toiletten ist deutlich teurer als die Gebühr, welche die Laden- oder Restaurantbesitzer für die Öffnung ihrer Klos erhalten.

Sonntag, 27. November 2022

Flughäfen sind oft ein Ort von Geschichte und Gefühlen. Das ist beim Flughafen Tegel und seiner bewegten Historie nicht anders. Mein Kollege Andreas W. Schulz empfiehlt Luftfahrt-Fans ein Buch, das wiederum ein anderer Kollege verfasst hat: der Berliner Luftfahrtjournalist Rainer W. During. Anschaulich und packend dokumentiere er die spannende Geschichte Tegels vom Starten der ersten Wetterballone im Jahre 1899 bis zu seiner Schließung am 8. November 2020 in einem Bildband mit vielen historischen Fotos, Kommentaren und Anekdoten.

Der Flughafen Tegel wurde im Jahr 1974 der Öffentlichkeit übergeben und galt mit seiner futuristischen Sechseck-Architektur und seinen kurzen Wegen zu den Gates als State of the Art. Gerade Geschäftsreisende schätzten den Airport, war er von der Berliner Innenstadt schnell zu erreichen und ermöglichte oft noch das  Einchecken in letzter Minute.
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Für die Berliner, speziell die West-Berliner, war der Flughafen mit dem markanten internationalen Flugplankürzel TXL das Tor in die weite Welt, zumal vor dem Fall der Mauer, schreibt Andreas W. Schulz: "Viele Berliner haben lange gebraucht, sich mit dem neuen BER und seinem Standort Schönefeld anzufreunden."

Sonderbildband "Flughafen Tegel 121 Jahre", PPV Medien, 14,90 Euro



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