Meine Woche | KW46

Bilanz nach vier Tagen Brüssel

Redakteur Oliver Graue war immer wieder in Italien unterwegs.
FVW Medien/OG
Redakteur Oliver Graue war immer wieder in Italien unterwegs.

Oliver Graue ist bei fvw|TravelTalk unter anderen für das Thema Business Travel zuständig. In seinem wöchentlichen Blog berichtet er aus dem Leben eines Reiseredakteurs.

Samstag, 12. November 2022

Nach der Taiwan-Woche folgte nun meine Klimawoche. Nicht, dass ich mich zur Klimakonferenz COP27 in Ägypten aufgemacht hätte. Nein, ich war stattdessen in Brüssel, wo ich die gemeinsame Europa-Geschäftsreisekonferenz der Verbände GBTA und VDR besucht habe.

Die stand diesmal ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Und zusätzlich war der Tagung ein eigener, ganztägiger Nachhaltigkeitsgipfel vorangestellt worden, den ich ebenfalls besucht habe. Passend zu Brüssel, dem Sitz der Europäischen Kommission, waren diesmal etliche EU-Vertreter auf der Bühne, die ihre Klimaschutzregeln für den Bereich der Mobilität erläutert haben.

Ich fand's spannend – sehr spannend sogar. So häufig schimpfen wir auf "Brüssel" und auf das, was von dort kommt (oder besser gesagt: eben nicht kommt). Bei der GBTA/VDR-Konferenz habe ich Repräsentanten erlebt, die sich mit Geschäftsreisethemen nicht nur bestens auskannten, sondern die zusätzlich EU-Strategien für Klimaschutz vorstellten, denen es an Klarheit und Strenge nicht mangelt.

Vieles von dem, was Reise- und Geschäftsreiseverbände fordern, ist in Brüssel längst in Arbeit. Europaweit einheitliche Messmethoden für den CO2-Ausstoß gehören ebenso dazu wie die problemlose Buchung von Fahrkarten für den europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr – samt des Preis- und CO2-Vergleichs der Anbieter untereinander sowie mit Flugangeboten auf der jeweiligen Strecke.

Die EU tut nichts? Von wegen. Sie reguliert an vielen Stellen. Probleme gibt es eher an anderer Stelle. Zum einen bei den Staaten, welche die EU-Regeln umsetzen (müssten), zum anderen bei der privaten Wirtschaft, die sie mit Leben erfüllen (müssten). Dass zumindest Letzteres in puncto Klimaschutz durchaus geschieht, machten wiederum Konzern-Initiativen deutlich, welche sich zum Ziel nehmen, mit Milliarden-Beträgen große Mengen an synthetischem Flugbenzin SAF herzustellen.

Dass die Zeit rennt in Sachen Klimaschutz und die Erderwärmung nach wie vor zunimmt, ist (leider) Tatsache. Doch die Vehemenz, mit der viele Anbieter im Business Travel an Lösungen arbeiten – zusammen mit der Politik –, diese Vehemenz macht Mut, dass wir die Kurve doch noch rechtzeitig bekommen.

Sonntag, 13. November 2022

Dass auch das Buch, das ich vor und während meines Brüssel-Aufenthalts gelesen habe, von einem Belgier handelt, ist reiner Zufall. Genauer gesagt geht es um Georges Nagelmackers, der von 1845 bis 1905 lebte, von dem ich vorher noch nie etwas gehört habe, und dessen Schaffen dennoch zum Inhalt vieler Bücher und Kinofilme wurde: der Orient-Express.

Denn Nagelmacker war "Monsieur Orient-Express", wie Gerhard J. Rekel seine Biographie über den Unternehmer aus Lüttich denn auch genannt hat (erschienen im Verlag Kremayr & Scheriau, 288 Seiten, 25 Euro). Äußerst spannend und unterhaltsam beschreibt Rekel das Leben Nagelmackers, seine Erfolge und Misserfolge im Kampf um sein Lebenswerk: die Erschaffung eines Zuges, der Grenzen überwindet und Kulturen verbindet.
FVW Medien/OG

Übrigens nicht nur des Orient-Expresses. Der Belgier gründete zunächst das auf Schlafwagen ausgerichtete Unternehmen "Compagnie Internationale des Wagons-Lits" (CIWL), das am Ende mehr als 80 Nachtzugstrecken in Europa und darüberhinaus betrieb.

Gerhard Rekel gibt dem Mythos Orient-Express ein Gesicht. Akribisch detailliert beschreibt er das Wirken Nagelmackers, ohne auch nur an einer einzigen Stelle Langeweile aufkommen zu lassen. Dazu zeigt er auf zwölf Seiten historische Werbeplakate für den Zug. Ein Buch, das Lesespaß bereitet!


Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.



stats