Meine Woche | KW43

Wie Ibiza zur Steineschleuder-WM rief

Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.
FVW Medien
Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.

Oliver Graue ist bei fvw|TravelTalk unter anderen für das Thema Business Travel zuständig. In seinem wöchentlichen Blog berichtet er aus dem Leben eines Reiseredakteurs.

Samstag, 22. Oktober 2022

Dass Reisen bildet, ist eine jahrhundertealte Weisheit. Und doch erfreue ich mich immer wieder daran, wenn ich unterwegs Dinge erfahre, über die ich vorher so gar nichts gewusst hatte und die ich spannend finde.

Dabei meine ich nicht das Wissen über die Länder oder Regionen, die man bereist. Dass man darüber eine Menge erfährt, ist klar. Zumindest dann, wenn man sich nicht als totaler Ignorant fortbewegt. Ich spreche eher vom Allgemeinen. So bin ich beispielsweise leidenschaftlicher Kaffeetrinker, und ohne mindestens einen großen Becher am Morgen geht bei mir überhaupt nichts. Wie aber aus der Kaffeekirsche am Ende das uns bekannte gemahlene Kaffeepulver wird, darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht.

Ausgerechet auf Gran Canaria bin ich in dieser Hinsicht klüger geworden. Auf der Kanareninsel befindet sich eine der nördlichsten Kaffeeplantagen. Wir haben sie besichtigt und erfahren: Bevor eine Kaffeepflanze erstmals Früchte trägt, vergehen vier Jahre. Im Durchschnitt lassen sich pro Gewächs dann sieben Kilogramm Kirschen ernten, von denen – nach einem aufwändigen Prozess – ganze 700 Gramm Kaffeepulver übrig bleiben. Viel Zeit und Arbeit also, die in einem Becher des köstlichen Getränks stecken!

Von der Bohne zum Stein: Wussten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass es Weltmeisterschaften im Steineschleudern gibt? Jeden Morgen beim Frühstück in unserem Hotel auf Ibiza haben wir sie gesehen: gut zwei Dutzend – oft stämmige und bärtige – Männer, die sich wild über Wurftechniken, Zwillen und teilweise tagelange, bis zu 12.000 Kilometer (!) lange Anreisen unterhielten.

Lange haben wir gerätselt, um welche Art von Sportlern es sich handeln könnte, bis wir einen etwas näheren Blick auf deren Polo- und T-Shirts werfen konnten. "3e Copo del Mundo de Tiro con Honda" war dort zu lesen, umrahmt von 34 Flaggen, den Teilnehmernationen der "3. Weltmeisterschaft im Steineschleudern". Argentinien war ebenso dabei wie Deutschland, Australien, Großbritannien, Litauen, die Ukraine, die USA und allein zwölf spanische Regionen.

In unserem Hotel wohnte das österreichische Team, mit gut zehn Mitgliedern wohl eines der größten. Aber auch australische, finnische, rumänische und englische Steinewerfer sahen wir an den Tischen. Weil uns das Thema näher interessierte, haben wir bei Wikipedia geforscht: Steineschleudern ist DIE traditionelle Sportart der Balearen, also von Ibiza, Mallorca und Co. Sogar der Name "Balearen" leitet sich vom altgriechischen βάλλειν – deutsch: werfen – ab. Gemeint sind damit die in der Antike gefürchteten Steineschleuderer "Els Foners Balears".

Zumindest bei Günther Jauch könnte ich nun gleich zwei Fragen problemlos beantworten – zum Steineschleudern und zur Kaffeeproduktion.

Sonntag, 23. Oktober 2022

Von Ibiza und Gran Canaria in etwas nähere Gefilde – nach Südtirol und in die Schweiz. Denn neben dem Meer mag ich auch die Berge, je gewaltiger, desto besser. Beide Destinationen habe ich vor allen Dingen durch dienstliche Reisen kennen und schätzen gelernt: Südtirol bereits vor gut 30 Jahren, als ich noch für eine Hamburger Tageszeitung tätig war, und die Schweiz (abgesehen von Zürich und Basel) erst vor wenigen Monaten.

Stundenlang habe ich daher in den beiden gerade erst erschienenen Bildbänden "Südtirol" (Frederking & Thaler) und "Schweiz – Secret Places" (Bruckmann) geblättert. Und weil beide Bücher nach wie vor auf unserem Wohnzimmertisch griffbereit liegen, werde ich dies auch weiterhin tun.
Verlagshaus24

Der Band "Südtirol" etwa entführt mit seinen fantastischen, großformatigen Aufnahmen nicht nur direkt in diese Regionen, lässt einen auf die gewaltigen Drei Zinnen blicken, durch die malerische Meraner Laubengasse spazieren und urige Almhütten besuchen. Er porträtiert zudem die Täler ebenso wie das Leben der Einheimischen, etwa jener Visionärinnen im Ultental, die vom Filzen über Wildkräuerkunde bis zum Spinnen die Traditionen der Regionen aufrecht erhalten. Dabei geht es immer um Slow Travel, achtsames Reisen und inspirierende Erfahrungen abseits des Trubels.

Erst recht gilt dies für die "Secret Places Schweiz". Autor Eugen E. Hüsler stellt 67 Reiseziele in der Eidgenossenschaft vor, in denen sich Schweiz-Urlaub ohne Touristenmassen genießen lässt. Wenig bekannte Kulturschätze gehören dazu, aber auch verborgene Plätze, zu denen man wandern oder gar waten muss, um sie zu erreichen. Passende Tipps finden sich hier für jeden Geschmack!

Südtirol: Reisen ins Reich der Dolomiten (erschienen bei Frederking & Thaler, 272 Seiten, 39,99 Euro)

Secret Places Schweiz (erschienen bei Bruckmann, 192 Seiten, 34,99 Euro)

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.



stats