Meine Woche | KW 38

Fahr'n, fahr'n, fahr'n auf der Autobahn

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk, über seine Woche im Business Travel.

Montag, 20. September 2021

Kennen Sie das auch? Nicht einmal zwei Monate ist es her, dass ich den fvw|TravelTalk-Fam-Trip ins norditalienische Piemont begleitet habe. Und dennoch liegt diese tolle Reise für mich gefühlt Ewigkeiten zurück. Denn seither war ich noch in Armenien und in der ebenfalls italienischen Romagna. Beides Reisen mit jeweils fünf bis sechs voll gepackten Tagen, mit intensiven Programmen und enorm vielen Erlebnissen.

Vergangene Woche sprachen mich Teilnehmer des Piemont-Trips auf "die jüngste Reise" an – für sie sei das alles so, als wäre es gestern gewesen. Allerdings waren sie seither auch nicht wieder unterwegs gewesen, sondern haben täglich in ihrem Büro am Schreibtisch gesessen.

Es ist schon komisch, welch vollkommen unterschiedliches Zeitempfinden man haben kann. Ob etwas "lange zurück" liegt oder "scheinbar erst gestern" geschehen ist, scheint auch davon abzuhängen, was in der Zwischenzeit alles geschehen ist – ob seither also Routine und Berufsalltag herrschten, oder ob andere ebenfalls starke, ungewohnte Ereignisse stattfanden.

Aber auch Stress beeinflusst das Zeitempfinden, sagen Wissenschaftler. Je mehr man zu tun hat (ich habe über jede der Reisen viele fvw.de-Nachrichten, Fotogalerien und bis zu zehnseitige Berichte in der gedrucken fvw-Ausgabe geschrieben) – also je mehr man zu tun hat, desto mehr verdrängt diese Arbeit das Erlebte, rückt es also in den Hintergrund, in die Vergangenheit.

Hmm, bevor es jetzt allzu philosophisch wird: Ich habe mir vorgenommen, meine Erinnerungen an alle drei Reisen (und natürlich sowieso an den privaten Urlaub, der kurz vor dem Piemont-Trip war) bei Gelegenheit sorgfältig aufzubereiten – Fotos zu betrachten, Prospekte und andere Mitbringsel zu sortieren und vielleicht nochmal das eine oder andere über die besuchten Regionen und Länder nachzulesen. Denn vergessen möchte ich nichts davon!

Dienstag, 21. September 2021

Wenn wir schon beim Reisen, beim Unterwegssein sind: Heute möchte ich Ihnen zwei ungewöhnliche und vor allem sehr unterschiedliche Bücher ans Herz legen.

Über Eisenbahnen gibt es vermutlich Tausende Bücher. Warum eigentlich nicht über Autobahnen? Für viele Pendler gehört die Autobahn zum alltäglichen Erlebnis, und wer für seinen Urlaub nicht gerade ins Flugzeug oder in die Bahn steigt, der dürfte an Deutschlands größtem Bauwerk ebenfalls kaum vorbeikommen.
FVW Medien/OG

Karl Johaentges schließt diese Lücke mit seinem großformatigen und fast 200-seitigem Bildband "Die Deutsche Autobahn" (erschienen bei Frederking & Thaler, 39,99 Euro). In seinen ausgezeichneten Aufnahmen zeigt er 13.000 Kilometer Asphalt und Beton in all seinen Facetten. Spektakuläre Architektur wie Brücken, Tunnel, Raststätten und Autohöfe gehört ebenso dazu wie die Menschen "dahinter": vom Trucker bis zur Toilettenputzkraft.

Aber auch die vielen kritischen Aspekte thematisiert Johaentges: vom Flächenverbrauch über Tempolimit, Unfälle, Staus und Lärmschutz bis zur Klimadebatte. Überfällig – und großartig!

Ganz in Kontrast dazu steht ein Büchlein aus dem Hamburger Mare-Verlag: "Mein Helgoland", so nennt Isabel Bogdan ihre Liebeserklärung an Deutschlands einzige Hochseeinsel (123 Seiten, 18 Euro) – im Gegensatz zur Autobahn eine Oase der Stille und Langsamkeit.

Dabei ist "Mein Helgoland" kein Reiseführer. Vielmehr beleuchtet die Schriftstellerin ("Der Pfau") und Übersetzerin das Leben auf der Insel aus ihrer ganz persönlichen Sicht: Immer wieder zieht sie sich für ihre Arbeit auf Helgoland zurück – weil wie dort besser schreiben kann als anderswo.

Dennoch kommt alles zu Wort, was den Charme der kleinen Insel ausmacht, von ihrer aufregenden Geschichte über die seltenen Vögel und den Helgoländer Autor James Krüss bis zu Rezepten gegen die Seekrankheit. Sehr unterhaltsam, persönlich und humorvoll!



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