Meine Woche | KW37

Freude über das, was da vom Himmel kommt

Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.
FVW Medien
Oliver Graue ist Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk.

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk, über seine Woche im Business Travel – und über andere Begebenheiten.

Samstag, 10. September 2022

Hurra, es regnet! Und juhuu, kälter geworden ist es auch! Nein, keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser, ich fühle mich gut, und meine Kollegen haben auch noch nicht die Männer (und Frauen) mit den Zwangsjacken bestellt. Außerdem bin ich ganz bestimmt nicht der einzige, der sich freut, dass da endlich mal wieder etwas vom Himmel kommt – man kennt das ja schon gar nicht mehr. Aber was macht man nun mit der Zeit nach Feierabend, in der man gewöhnlich zu Gieskanne und Gartenschlauch griff, um seinen Pflanzen zumindest ein paar Tropfen Wasser zu gönnen?

Fast drei Monate lang hat es in Hamburg so gut wie gar nicht geregnet. Kaum ein Baum, der seine Blätter nicht hängen oder sogar schon – gelb geworden – fallen lässt. Von den vielen vertrockneten Pflanzen und braunen Rasenflächen (nein, die wässern wir selbstverständlich nicht) ganz zu schweigen. Zwar versprach die Wetter-App hin und wieder Regen für Hamburg, doch jedes Mal erwies sich eine solche Vorhersage als falsch: Die dunklen Wolken, die sich tatsächlich immer mal wieder zeigten und für Schwüle sorgten, zogen unverrichteter Dinge weiter.

Nun endlich macht Petrus ernst! Meinetwegen kann es die nächsten Tage durchregnen – irgendwie ist es doch erfrischend, das Wasser. Auch die Atemluft wirkt gleich viel angenehmer, und die Regengeräusche haben etwas Beruhigendes. Und schließlich bleibt auch das schlechte Gewissen aus, wenn es draußen warm ist, die Sonne scheint, und man sich trotzdem zu keinem Spaziergang oder Freibadbesuch aufraffen kann. Regnet es hingegen, kann man sich ganz ungeniert auf dem Sofa fläzen – fernsehend oder zeitunglesend.


Das einzige Problem, das Regen und Kühle mir bereiten, ist die ungewollte Gewichtszunahme. Bei Temperaturen von unter 20 Grad knurrt mein Magen sehr viel häufiger als sonst, und besänftigen lässt er sich meistens nur durch Schokolade oder Kartoffelchips. Das heißt, bei Regen wachsen nicht nur die Pflanzen, sondern auch ich selbst, leider aber nicht in die Höhe.

Also einigen wir uns: vier Tage Regen und drei Tage Sonne jeweils für die nächsten drei bis vier Wochen. Wäre das okay für Sie?

Sonntag 11. September 2022

Für diese Epoche habe ich mich schon als Gymnasiast interessiert, habe darüber meine Abiturprüfung im Leistungsfach Geschichte abgelegt, und nach wie vor gehören die Jahre von 1918 bis 1933 zu der für mich faszinierendsten Zeit deutscher Historie. Der 1. Weltkrieg war gerade zu Ende, die Machtergreifung der Nazis und der 2. Weltkrieg standen noch bevor, und 15 Jahre lang zeigte sich Deutschland so vielfältig, so wild, so frei, so aufbruchsstark, aber zugleich auch politisch und sozial so zerrissen wie nie zuvor.

Sehr viel wurde über diese Zeit bereits geschrieben, Sachbücher und Analysen sowieso, aber auch zuletzt der empfehlenswerte Roman "Liebe in Zeiten des Hasses" von Florian Illes. Als mindestens so spannend, kenntnisreich und tiefgründig erweist sich "Höhenrausch", in dem Bestseller-Autor Harald Jähner ("Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945–1955") jene 15 Jahre wieder zum Leben erweckt – mit all ihren Gefühlen, Stimmungen und Widersprüchen.
Rowohlt

Wer es liest, fühlt sich förmlich hineinversetzt in die Zeit der Weimarer Republik, in die wilden Zwanziger, die Warenhäuser, Tanzpaläste, Boxringe und Rennpisten – eine Zeit, in der alles besser und freier werden sollte. Es aber nicht wurde, weil die Glücksversprechen in einem tiefen Gegensatz standen zur sozialen und politischen Zerrissenheit der Gesellschaft.

Eine gänzend geschriebene Zeitreise!

Harald Jähner: Höhenrausch – Das kurze Leben zwischen den Kriegen (erschienen bei Rowohlt, 560 Seiten, Preis: 28 Euro).

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