Meine Woche | KW 36

Bericht aus einem wunderbaren Land

Zwei Armenierinnen in Tracht beim Gala-Empfang für die deutschen Gäste.
Christian Wyrwa
Zwei Armenierinnen in Tracht beim Gala-Empfang für die deutschen Gäste.

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk, über seine Woche im Business Travel.

Montag, 6. September 2021

Über ein Jahr lang war ich dienstlich nicht mehr im Ausland gewesen – und nun geht es Schlag auf Schlag. Nach dem fvw|TravelTalk-Famtrip ins Piemont habe ich vergangene Woche gut 60 Reisebüros und Reiseveranstalter fünf Tage lang nach Armenien begleitet: Gemeinsam mit dem Deutschen Reiseverband (DRV) haben wir das Destination Forum Armenien veranstaltet.

Zugegeben: Ich war nicht das erste Mal im Land – doch erneut hat es mich gepackt. Armenien gehört für mich eindeutig zu den schönsten Destinationen, die ich in den vergangenen 20 Jahren kennengelernt habe.

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Reise ging es genauso: Am liebsten wären sie sofort in ihre Reisebüros gestürmt, um Armenien-Trips zu verkaufen. Das Problem: Bei den Kunden ist das Land touristisch fast noch völlig unbekannt, und seine Schönheit, Sicherheit und enorme Gastfreundlichkeit werden deutlich unterschätzt.

DRV fvw Destination Forum: Reisebranche tourt durch Armenien



Armenien? Viele haben den Namen schon gehört (und sei es vom Fußball), erinnern sich an das schreckliche Erdbeben von 1988 mit mehr als 25.000 Toten oder an den Krieg mit dem islamischen Nachbarstaat Aserbaidschan um die Provinz Berg Karabach. Das Positive jedoch ist kaum bekannt.

Das erfuhren die Reiseprofis auf insgesamt acht unterschiedlichen Touren durch das kleine Land (so groß wie Brandenburg mit nur 2,5 Mio. Einwohnern). Sie standen unter den unterschiedlichsten Überschriften: Kultur, Natur, Outdoor, Abenteuer, Kulinarik.

Lernten die einen die raue, zerklüftete, steinige und zu 80 Prozent unfruchbare Natur Armeniens kennen, erwanderten die Steppenlandschaft und stiegen auf bis zu 2600 Meter Höhe, nahmen andere die erstaunlich gut erhaltenen, bis zu 2000 Jahre alten Relikte der Vergangenheit in Augenschein.

Vor allem Kirchen, Klöster und Kreuzsteine (ein Nationalsymbol Armeniens), die davon zeugen, dass sich der Kaukasus-Staat als erster überhaupt im Jahre 301 zum Christentum bekannte. Noch heute gehören 95 Prozent der Bevölkerung der Armenisch-Apostolischen Kirche an.

Armenien ist aber auch das Heimatland der Aprikose (lateinisch Prunus armeniaca), die dort überall verkauft wird, es ist gemeinsam mit Georgien die Wiege des weltweiten Weinanbaus, es ist ein Land praktisch ohne Kriminalität (Frauen können sich gefahrlos allein durch die Nacht bewegen), und es ist voll mit Menschen, die trotz ihrer Armut (Durchschnittslohn: 350 Euro) jeden Gast reichlich bewirten, selbst gern und ausgiebig schlemmen.

Vor allem die tragische Geschichte des Volkes und des Landes, das einst zehnmal so groß war wie heute, schweißt die Menschen als Nation zusammen. Verfolgungen, Besetzungen und Massenmord prägten die Historie Armeniens, was letztlich dazu führte, dass heute von den insgesamt 10 Mio. Armeniern fast 7,5 Mio. im Ausland leben. Zu den bekanntesten armenischen Persönlichkeiten in der Diaspora gehören der 2018 verstorbene Sänger Charles Aznavour, die Sängerin Cher, der Tennisspieler André Agassi oder der Boxer Arthur Abraham.

Ich hoffe sehr, dass dieses sympathische und wirtschaftlich arme Land vom Tourismus profitieren kann – es hätte es verdient.

Dienstag, 7. September 2021

Vom Kaukasus zurück in heimische Gefilde – genauer gesagt in die italienische Region Marken und ins deutsche Münsterland. Ich muss zugeben: Beides steht noch auf meiner "Zu-Bereisen-Liste", wobei ich im Münsterland immerhin einige Orte wie Münster selbst, Oelde, Steinfurt und Ibbenbüren kenne.

Alle, die ebenfalls einen Ausflug in eine der beiden Destinationen planen, kann ich die jetzt im Michael-Müller-Verlag frisch erschienenen Reiseführer empfehlen: "Marken" von Sabine Becht sowie "Münster & Münsterland" von Markus Trebach.
FVW/Oliver Graue

In bewährter Michael-Müller-Manier liefern die Bücher eine riesige Menge an spannend zu lesenden Hintergründen, stellen ausführlich die verschiedenen Städte, Orte und Provinzen (im Falle der Marken) vor – jeweils mit etlichen praktischen Tipps, Touren-Empfehlungen, Karten sowie weniger bekannten und oft amüsanten Zusatzinfos. Und schließlich viel über Geschichte, Mentalität, Küche, und und und.

Sabine Becht: Marken. 272 Seiten, 17,90 Euro.

Markus Terbach: Münster & Münsterland. 384 Seiten, 19,90 Euro.

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