Meine Woche | KW 31

Wenn Algorithmen unser Leben bestimmen

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw|TravelTalk, über seine Woche im Business Travel.

Montag, 2. August 2021

Statt selbst darüber zu entscheiden, was wir brauchen, übernehmen diese Aufgabe zunehmend Algorithmen. Wer sich auf die Welt des Internets verlässt, also auf Konzerne wie Google, Facebook oder Amazon, dem wird suggeriert: Du brauchst nicht mehr zu denken – wir übernehmen das für Dich! Indem wir – sprich: Algorithmen – von Anfang an festlegen, was Du zu sehen bekommst und was nicht.

Das Problem bei der Sache: Wie diese Algorithmen aufgebaut sind und nach welchen Kriterien sie entscheiden, das verraten die Internet-Giganten nicht. Während die Konzerne bei jeder Gelegenheit nach "Transparenz" rufen, denken sie selbst im Traum nicht daran, diese zu gewähren.

Schöne neue Welt? Der US-amerikanische Journalist Jesse Orrall hat eine Woche lang seine gesamten (Kauf-)Entscheidungen den Algorithmen der großen Internet-Plattformen überlassen – also etwa Kleiderwahl, Mittagessen und Musik. Sein Bericht darüber ist sehr lesenswert.

Denn er zeigt erstens: Das meiste von dem, was ihm die Algorithmen geraten haben, interessiert ihn in Wirklichkeit nicht die Bohne. Sprich: Sie lagen meilenweit daneben. Und zweitens: Weil er sich dennoch auf ihre Empfehlungen eingelassen hat, gab er in dieser Woche mehrere Hundert US-Dollar mehr aus, als er es normalerweise getan hätte.

Die Plattform Yelp etwa riet dem Journalisten zu Restaurants, die seinen Ernährungsvorlieben völlig widersprachen. So empfahl sie ihm ein Lokal, mit dem er negative Erfahrungen gemacht hat. Doch genau dieses Lokal, so fand Jesse Orrall heraus, hatte Yelp zufälligerweise für Werbung bezahlt. Und auch die über Apple empfohlenen Musik-Tipps waren alles anderes als das Gelbe vom Ei. "Keiner der neuen Songs, die mir empfohlen wurden, blieb wirklich bei mir hängen", schreibt er.

"Der größte Erfolg der Algorithmen war, dass sie mich dazu brachten, deutlich mehr Geld auszugeben", so zieht er Bilanz. Ansonsten seien die Algorithmen völlig unvollkommen und lägen öfter daneben, als dass sie wirklich helfen.

Bei Musik, Essen oder Kleidung mag das ja weniger schlimm sind. Aber was ist, wenn Algorithmen auch bald in anderen Fragen unser Leben beherrschen werden – also beim Arbeitsplatz etwa oder bei der Gesundheit?

Dienstag, 3. August 2021

Von Kempten im Allgäu über Hof, Leipzig, Berlin, Flensburg und durchs Ruhrgebiet und Mainz zurück nach Kempten: Gemeinsam mit Ehefrau, Tochter und Hund hat sich Bruno Maul auf Deutschlandreise begeben. Und zwar auf eine Reise der ungewöhnlichen Art: Allein mit dem Fahrrad legte das Quartett 4500 Kilometer zurück.

Dabei ging es Maul & Co nicht darum, möglichst viele Sehenswürdigkeit zu besuchen. Stattdessen wollte er sich der Landschaft, die er durchradelte, und den Menschen, denen er dabei begegnete, einfach hingeben. "Die Deutschland-Entdecker" (erschienen bei Frederking & Thaler, 192 Seiten, Preis 22,99 Euro) heißt sein Buch, in dem er die Strecke und seine Erlebnisse schildert.
Frederking & Thaler

Sein Motto – "Sehen, woran man sonst nur vorbeidüst" – zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Von der Schönheit der Mohnblume berichtet er ebenso wie von "Herrn Hotze", der vergeblich für den Erhalt des DDR-Kalibergbaus in Bischofferode kämpfte – tagebuchartige, mit viel eigener Meinung durchzogene Einträge.

Herzstück des Buches allerdings sind die ausgezeichneten, stimmungsvollen Fotografien. Vor allem sie machen Lust darauf, es dem Autor gleichzutun – und einmal ganz in Ruhe Deutschland zu entdecken!

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