Meine Woche | KW 15

Gebt Schwiegermüttern keine Glückskekse!

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw | TravelTalk, über seine Woche im Business Travel.

Montag, 12. April 2021

Für meinen verstorbenen Schwiegervater war die Sache klar: Er aß "gut-bürgerlich". Also klassisch deutsche Kost. Ebenso gern mochte er kroatisch und ab und zu griechisch oder italienisch. Auf keinen Fall aber durfte das Essen asiatisch geprägt sein, also chinesisch etwa, thailändisch oder vietnamesisch. "Das kriege ich nicht runter", sagte er immer, wenn wir vorschlugen, doch mal zum "Chinesen" zu gehen.

Das hat auf meine Schwiegermutter abgefärbt. Asiatisch? Nein, muss nicht. Bis wir vor einigen Monaten bei einem Besuch einfach Essen vom örtlichen Vietnamesen mitbrachten: Babi Pangang, zerrupftes Schweinefleisch süß-sauer. Und was geschah? Meiner Schwiegermutter hat's geschmeckt. Sie war sogar beinahe begeistert: vom Geschmack, von der Größe der Portion (reicht bei ihr für zwei Mahlzeiten) und vom vergleichsweise günstigen Preis.

Leider kam es nun am vergangenen Wochenende zu einem verhängnisvollen Zwischenfall. Oder besser gesagt: zu zwei Zwischenfällen. Erstens war das Babi Pangang, das wir ihr erneut mitbrachten, diesmal außerordentlich scharf ausgefallen. Das aber verträgt sie überhaupt nicht – und dementsprechend beendete sie die Mahlzeit enttäuscht nach ein paar Bissen.

Immerhin nahm sie sich noch den Glückskeks vor – dummerweise als Ganzes, also einschließlich des Papierstreifens mit dem Sinnspruch, der im Innern des Kekses steckt. "Der schmeckt aber zäh", kommentierte sie kritisch. Warum sie den Keks nicht erst aufgebrochen hat? "Der hat doch eh schon so gekrümmelt!"

Das dürfte es wohl erstmal gewesen sein mit der asiatischen Kost. "Ich hab die Menükarte vom Vietnamesen ins Altpapier getan", sagte meine Schwiegermutter jedenfalls gestern. "Oder hättet Ihr die noch gebraucht?"

Dienstag, 13. April 2021

Bis ich wieder richtig reisen kann, setze ich meine literarischen Trips fort. So auch in der vergangenen Woche: Eine Pilgerreise ins italienische Assisi hatte ich mir vorgenommen, entlang des 520 Kilometer langen Franziskanerwegs.

Das war gut zu schaffen an sechs Tagen – nämlich "virtuell" mit dem Taschenbuch "Easy nach Assisi" (Verlag Goldmann, 304 Seiten, 10 Euro). Der Fernseh-Produzent Christian Busemann hat sich als "Neu-Pilger" betätigt und schildert das Abenteuer von Anfang an. Seine Freude und seine Zweifel kommen ebenso zur Sprache wie der traurige Hintergrund der Aktion – aber ebenso steckt sein Buch voller praktischer Tipps: von Packlisten über hilfreiche Apps bis hin zum kleinen Einmaleins des Vor-Ort-eine-Unterkunft-Organisierens.

Goldmann


Ehrlich gesagt: Bislang hatte ich nie wirklich vor, einmal selbst auf Pilgerreise zu gehen. Nach dem Lesen dieses sehr kurzweiligen und vor allem praxisnahen Buches kann ich es mir jedoch gut vorstelllen. Ein flüssig zu lesender Mix aus viel Busemann'scher Biografie und Fakten rund um den Franziskusweg!
1 Kommentar

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1.
Sabine Schwarz
Erstellt 16. April 2021 15:04 | Permanent-Link
bearbeitet

sehr cool und gar nicht grau, Herr Graue! Danke für diese Zeilen, da ist der Tag gleich ein bisschen bunter. Das Buch bestelle ich gleich nachher.

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