Meine Woche | KW 13

Mit Wolfsmilch gegen den Corona-Frust

Das ist die Esels-Wolfsmilch. Es gibt aber noch 2160 weitere Wolfsmilch-Arten.
Kristian Peters, Wikimedia
Das ist die Esels-Wolfsmilch. Es gibt aber noch 2160 weitere Wolfsmilch-Arten.

An dieser Stelle berichtet Oliver Graue, Redaktionsleiter Business Travel bei fvw | TravelTalk, über seine Woche im Business Travel.

Montag, 29. März 2021

Ich gebe es zu: Ich war Ignorant. Und was für einer! Jahrzehntelang konnte ich Wolfsmilch nicht von Nelken-Leimkraut unterscheiden, Bischofskraut nicht von Duftsteinrich. Diese Zeiten sind – naja, zumindest teilweise – seit Corona vorbei. Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten habe ich mehr Zeit denn je im Garten verbracht. Und stattdessen meinen Nachrichtenkonsum immer mehr reduziert. Die ewige Streiterei, Meckerei und Dauer-Unzufriedenheit, von der Tagesschau, heute & Co geprägt sind, bin ich jedenfalls leid.

Ich möchte nicht in der Haut unserer Politiker stecken: Entscheiden sie sich für harte Maßnahmen gegen Corona, kriegen sie voll eins drauf und werden als unfähig und inkompetent beschimpft. Und entscheiden sie sich gegen solche Maßnahmen, kriegen sie ebenfalls voll eins drauf und werden als unfähig und inkompetent beschimpft.

Nein, Politik macht keinen Spaß in diesen Tagen – weder aktiv noch passiv. Dann doch lieber Garten – weit weg von deutscher Hysterie und Besserwisserei, von Hauen und Stechen. Statt mit Corona-Mutanten habe ich dort mit Efeu, Azaleen und Rhododendren zu tun, und wenn im Garten einer meckert, dann sind das höchstens die Blau- und Kohlmeisen. Deren Erregung klingt aber schnell wieder ab – wenn ich wieder genügend Abstand zu ihren Nistkästen halte.

Natürlich weiß ich, dass Realitätsflucht nicht die Lösung ist. Allzu große Realitätsnähe ist es (derzeit) aber auch nicht – denn die macht krank und unzufrieden. Mir jedenfalls sind Wolfsmilch und Nelken-Leimkraut aktuell tausend Mal lieber als nicht mehr zu ertragende mediale Streitereien um Nicht- oder Knallhart-Lockdown.

Dienstag, 30. März 2021

Auf einer Länge von 2000 Kilometern stoßen hier Russland und China aufeinander: Der Historiker Sören Urbansky hat entlang des Flusses Amur die vergessene Welt zwischen den beiden autoritär regierten Großmächten erkundet. Herausgekommen ist das Buch "An den Ufern des Amur" (erschienen bei C. H. Beck, 375 Seiten, 26 Euro) – eine glänzend geschriebene Reisereportage über die Menschen und ihr spannungsgeladenes Leben an der Grenze.
C. H. Beck

Denn so sehr uns die russischen und chinesischen Herrscher weismachen wollen, wie dicht die beiden Staaten angesichts der angeblichen "westlichen Bedrohung" aneinanderrücken: Die Realität im Grenzgebiet ist eine andere.

Denn seit China erstarkt und Russland erstarrt ist, sind die Empfindungen der beiden Völker im Grenzgebiet alles andere als positiv – das waren sie zwar vorher auch nicht, aber in umgekehrter Weise: Damals galt Harbin noch im negativen Sinne als das "Moskau des Ostens" und Wladiwostok vielversprechend als das "russische San Francisco".

Absolut kurzweilig und voller Details beschreibt Urbansky das mitunter abenteuerliche Leben an der Grenze. So kenntnisreich und zugleich fesselnd kann das nur jemand, der in dieser Region so gut wie zu Hause ist. Das ist Sören Urbansky. Er studierte und lehrt unter anderem in Peking, Harbin (China) und im russischen Kasan und schrieb seine Doktorarbeit bei dem renommierten Historiker Karl Schlögel über die Geschichte der chinesisch-russischen Grenze.

Wer sich für Russland und/oder China interessiert, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!
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