Meine Woche | KW 10

Warum ich jetzt meinen Urlaub buche

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Montag, 8. März 2021

Grundsätzlich bin ich eher Optimist als Pessimist – zumindest meistens. "Dein Optimismus in Ehren – aber das ist doch realitätsfern", muss ich mir manchmal anhören. Oder: "Siehst Du das nicht alles zu sehr durch die rosarote Brille?"

Bei aller Diskussion um (noch) fehlende Impfstoffe und die bestehenden weltweiten Einreisebeschränkungen: Ich bin mir sicher, dass wir noch in diesem Sommer die Wende erleben werden. Im vorigen Blog habe ich mit Blick auf die Impfstoffe bereits über den Ketchup-Effekt geschrieben: Erst kommt nichts aus der Flasche raus, dann rüttelt man dran – und auf einmal fließt viel zu viel. Und sollten demnächst tatsächlich auch die mehr als 100.000 Hausärzte impfen dürfen, dann wird das Ganze kräftig an Fahrt aufnehmen.

Vor allem verspüre ich inzwischen eine unbändige Lust, konkret Urlaub zu buchen. Fernweh hatte ich natürlich auch bislang schon – aber vor dem letzten Schritt, der Buchung also, dem Gang ins Reisebüro, schreckte ich dann doch zurück. Trotz allem Optimismus war mir das einfach zu unsicher. Dieser Tage nun unterhielten sich meine Frau und ich nicht nur über unsere Urlaubsziele in diesem Jahr, wir machten auch schon mögliche Daten fest.

Sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch schon in dieser Stimmung? Und teilen Sie meinen Optimismus? Und wenn Sie beides mit "Ja" beantworten: Wissen Sie schon, wo es in diesem Jahr hingehen soll?

Wir jedenfalls haben vor, sowohl ein deutsches Ziel zu bereisen als auch eine Ferndestination – Japan und Südkorea stehen lange schon auf unserer Bucket-Liste, nachdem wir vor drei Jahren von Taiwan begeistert waren (sehr empfehlenswert!). Das Gute: Alle drei Staaten haben das Virus sehr gut im Griff und sind, was die Einhaltung der Sicherheits- und Hygiene-Maßnahmen angeht, so diszipliniert wie nur wenige andere.

Ich jedenfalls freue mich schon jetzt!

Dienstag, 9. März 2021

Über eine andere Art von Reisen hat die Hamelner Autorin Felicitas Hoppe schon häufiger geschrieben – über Reisen zurück in die eigene Kindheit. Auch in dem jetzt erschienenen, mit 96 Seiten recht schnell zu lesendem Büchlein "Fieber 17" tut sie dies. Zumindest im ersten Teil, einer Erzählung, die im vergangenen Jahr als Radiotext gesendet wurde.

Darin erzählt Hoppe die Geschichte ihrer vermeintlichen Kindheit. Diese war geprägt von einer Kinderlandverschickung an die Nordsee, wo sie ihr Asthma auskurieren sollte. Von einer schlimmen Zeit berichtet die Erzählerin und vom Wunsch der damals Fünfjährigen, endlich erwachsen und glücklich zu werden. Doch so authentisch und ergreifend wie das Ganze klingt – es stimmt nicht.

Aber stört uns das? Ganz und gar nicht, denn – und das legt die Hamelnerin im zweiten Teil des Büchleins, einem Essay – dar: Die scheinbar erfundene Wirklichkeit ist meist sehr viel realer als die tatsächlich erlebte. Vor allem stellt sich die Frage: Können wir als Erwachsener tatsächlich darüber schreiben, was wir als Kind wollten und uns wünschten?

Dörlemann


Oder handelt es sich dabei nicht sowieso um etwas, das wir lediglich in die eigene Kindheit hinein projizieren und was nun wunderbar nostalgisch klingt?

Und trotzdem sind Kindheitsbeschreibungen unverzichtbar. Weil sie das beste Medikament gegen eine Krankheit sind, die Hoppe als "Fieber 17" bezeichnet: Es ist das Leiden an der Gleichförmigkeit des Alltags der Erwachsenen, das nur mit einem Ausbrechen aus diesem zu heilen ist – am besten mit einer Reise in die Kindheit (erschienen bei Dörlemann, 15 Euro).


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