Meine Woche | KW 09

Warum wir für den Ketchup-Effekt planen sollten

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Montag, 1. März 2021

In den vergangenen Wochen gab es viel zu lesen über Impfungen, Impfstoffe, Impfzentren, Impfdrängler und sogenannte Impfprivilegien – darf also, wer bereits geimpft ist, wieder ohne jedwede Einschränkungen reisen, ins Kino oder Restaurant gehen? Gerade Letzteres ist – zumindest in Deutschland – umstritten.

Während Länder wie Israel ihren geimpften Bürgern wieder alle Rechte zugestehen, befürchtet mancher hierzulande Ungerechtigkeiten (wieso darf der eine etwas, das der andere nicht darf?) oder gar eine Spaltung der Gesellschaft. Daher soll abgewartet werden, bis alle (die es wollen) die Spritze empfangen haben.

Möglicherweise ist aber das, was jetzt noch heiß diskutiert wird, schon bald Makulatur. Dann nämlich, wenn es zum Ketchup-Effekt kommt. Auf den jedenfalls bereitet sich Dänemark vor.

Aber, liebe Leserinnen und Leser, wissen Sie, um was es sich bei dem "Ketchup-Effekt" handelt? Ich kannte diese Wort bislang nicht. Die "Salamitaktik" ist mir ein Begriff, auch ist mir manches "Wurscht", und – ja, okay – "Käse" rede ich auch manchmal.

Aber Ketchup-Effekt? Eigentlich ganz einfach: Aus der Ketchup-Flasche kommt erst zu wenig raus, doch wenn man etwas schüttelt und klopft, fließt auf einmal viel zu viel aus der Flasche.

Und genau das, meint Dänemark, gilt auch für die Impfstoffe. Derzeit haben wir vielleicht noch zu wenig, aber schon in wenigen Wochen könnte die Welt mit Impfstoffen zugeschüttet werden. Denn überall entstehen derzeit neue Fabriken, es wird immer schneller produziert, und immer mehr Vakzine werden zugelassen.

Auf diesen Ketchup-Effekt bereitet sich unser kleiner nördliche Nachbar also vor. Das heißt, er macht seine Logistik und Infrastruktur dafür fit, dass plötzlich drei- oder viermal so viel Impfstoff vorhanden ist wie heute. Und dass daher auch drei- bis viermal so viele Menschen pro Tag gespritzt werden können.

Das wäre doch klasse – dann wären wir vielleicht wirklich alle schon spätestens im Juni oder Juli immunisiert. Und dem Urlaub oder der Geschäftsreise stünde kein Hindernis mehr entgegen!

Dienstag, 2. März 2021

Ich bin (bei weitem) nicht der Einzige, der in Zeiten der Pandemie deutlich mehr Bücher liest als zuvor. Das zumindest mailen Sie mir. Sie bedanken sich für meine Buch-Empfehlungen, bekräftigen diese – oder Sie schreiben mir einfach, dass Sie diese oder jenes der vorgestellten Bücher auch schon gelesen haben oder dies gerade tun. Vielen Dank an dieser Stelle für Ihre Mails, über die ich mich sehr freue!

Heute möchte ich Ihnen den neuen Roman von Olli Jalonen ans Herz legen: "Die Himmelskugel" (erschienen im Mare-Verlag, 544 Seiten, 26 Euro). Der 67-jährige Jalonen ist eine der bedeutendsten Autoren Finnlands.

Auch mit "Der Himmelskugel" ist ihm wieder ein Volltreffer gelungen. In dem Roman erzählt er die Geschichte des Jungen Angus, der sich im 17. Jahrhundert seinen Traum erfüllt: Als blinder Passagier gelangt er, der auf der fernen Insel St. Helena lebt, an Bord eines Schiffes, das ihn nach England bringt. Dort bittet er im Auftrag des Pfarrers von St. Helena und seiner Mutter um die Hilfe des englischen Astronoms Edmond Halley, seinem großen Vorbild. Mit seinen Kontakten zum König soll er, der wenige Jahre zuvor St. Helena besucht hatte, dem brutalen Treiben des neuen Gouverneurs der Insel ein Ende setzen.

Für Angus ist der Trip vor allem aber für sein eigenes Leben bedeutend: Er will eine große Forscherkarriere starten.

mare


Auf diesen Trip im 17. Jahrhundert nimmt uns Jalonen mit – so, als würden wir all das, was sich damals abgespielt hat, wirklich miterleben. Gemeinsam mit dem Jungen tauchen wir ein in eine Welt, in der sich wissenschaftliche Erkenntnisse gerade erst gegen die noch herrschende Weltsicht der katholische Kirche durchsetzen. Sehr mitreißend!

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