Meine Woche | KW04

Und wie halten Sie es mit dem "Du"?

fvw|TravelTalk-Redakteur Oliver Graue
FVW Medien/OG
fvw|TravelTalk-Redakteur Oliver Graue

Oliver Graue ist bei fvw|TravelTalk unter anderem für das Thema Business Travel zuständig. In seinem wöchentlichen Blog berichtet er aus dem Leben eines Reiseredakteurs.

Montag, 23. Januar 2023

Als ich vor gut 22 Jahren zu einem Interview in das schwedische Fremdenverkehrsamt fuhr, da hatte es etwas Besonderes: "Hallo Oliver", begrüßte mich damals die Chefin des Büros, die ich vorher nie gesehen habe, "nur damit Du es weißt: Die einzige, die ich nicht duze, ist die schwedische Königin."

Vom ersten Augenblick an waren wir also "per Du". Irgendwie fand ich das gut, zumal selbst bei uns im Büro (ich war noch nicht bei der fvw) sich längst nicht alle duzten. Wenn ich mit manch älteren Kollegen in der Redaktion sprach, mit Beschäftigten anderer Abteilungen und mit den Chefs sowieso, dann galt in jedem Fall noch das "Sie".

Heute hat sich dieser Trend praktisch gedreht. Nicht mehr das "Sie" ist der Normalfall, sondern das "Du". Genau so, wie die Krawatte oder sogar der Anzug bei Geschäftsgesprächen oder Kongressen immer seltener zu sehen sind, genau so ist das "Sie" selbst bei der ersten Begegnung zwischen Menschen in der Branche inzwischen längst nicht mehr der Normalfall.

Was einst bei Ikea oder an der Tankstelle anfing, gilt mittlerweile im Operationssaal. "Urs, Du hast das Skalpell am falschen Ort", überschrieb kürzlich die Neue Zürcher Zeitung einen Artikel über diesen Trend. Der Hintergedanke: Eine Schwesternschülerin traut sich auf diese Weise eher ihren Chef auf einen Fehler hinzuweisen, als wenn dieser für sie der "Herr Professor" wäre.

Ist der Duz-Trend also positiv – oder doch nicht, weil er nur scheinbar eine Distanz abbaut, die in Wirklichkeit doch weiterhin besteht? Und die in aller Regel auch zurecht besteht, allein schon wegen der realen Unterschiede bei Erfahrung und Kompetenz?

Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Ganz im Gegenteil muss ich immer wieder feststellen: Der Grad der zumindest persönlichen Nähe ist bei mir unabhängig davon, ob ich mich mit der entsprechenden Person duze oder sieze.

Per "Sie" kann ich mit dieser ebenso gut feiern, wie ich sie per "Du" kritisieren kann. Und manchmal fällt mir die von mir genutzte Anrede sogar bewusst erst nach einem Gespräch auf – und wahrscheinlich wäre es gar nicht anders verlaufen, wenn ich die andere Form verwendet hätte.

Dienstag, 24. Januar 2023

A propos Feiern: Für mich standen vergangene Woche gleich zwei (beruflich bedingte) Events an, bei denen ich in lockerer Atmospäre Menschen treffen, mich spannend mit ihnen unterhalten und dabei ausgesprochen gut essen und trinken konnte. Und das ohne jede coronabedingte Einschränkung. Fast scheint es, als kämen Wörter wie "Covid" oder "Pandemie" aus einer längst nicht mehr realen Zeit.

Ich wünsche mir nicht nur, dass es so bleibt. Sondern mein Gefühl sagt mir, dass es auch so bleiben wird. Und damit lag ich bislang höchst selten falsch.


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