Lesetipp

Vom West-Berlin der 80er-Jahre

Hanser

Sie waren aktiver Teil der anarchistischen Hausbesetzer-Szene im West-Berlin der 80er-Jahre – und erinnern sich in "Aufprall" an das Leben zwischen punkiger Rebellion und politisch radikalem Untergrund.

Heinz Bude gilt als einer der angesehensten Soziologen, seine Frau Bettina Munk lehrt als Politologin an verschiedenen Hochschulen, und Karin Wieland ist als Schriftstellerin tätig. Alle drei gehörten noch in den 80er-Jahren der Berliner Hausbesetzer-Szene an.

Und genau davon handelt ihr gemeinsamer Roman "Aufprall", mit dem sie die Verhältnisse aus dieser Zeit wieder zum Leben erwecken – vom Punk-Dasein bis zum Leben mit Drogen und von alternativen Kunstprojekten bis zu den Straßenschlachten mit der Polizei. Gelebt und gedacht wird radikal, Kompromisse sind verpönt.

Dabei gelingt es dem Trio, diese Jahre weder zu idealisieren noch zu verurteilen. Sie erzählen einfach – spannend und authentisch. Sie berichten vom Lebensgefühl und der Aufbruchstimmung der autonomen Szene, die das damalige West-Berlin zu ihrem Mekka machte, aber auch von der Naivität, mit der sich die jungen Leute für diese "Sache" gewinnen ließen und der Tatsache, dass nicht wenige im Drogensumpf endeten oder sich in der terroristischen RAF radikalisierten.

Ein tragisches Unglück in der Besetzerszene steht ebenso für den letztlichen "Aufprall" wie der Fall der Mauer und die friedliche Revolution in der DDR. Am Ende steht die Desillusion – aber bei weitem nicht nur.

Heinz Bude, Bettina Munk, Karin Wieland: Aufprall. Erschienen im Hanser-Verlag. 384 Seiten, Preis: 24 Euro.

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