Lesetipp

Warum die US-Medizin bei Corona derart versagt

C. H. Beck

Neben Brasilien, Indien, Russland und Großbritannien gehören die USA zu den Ländern mit den meisten Corona-Toten. In seinem Buch "Die amerikanische Krankheit" diagnostiziert der Historiker Timothy Snyder ein Systemversagen des US-Gesundheitswesens.

Timothy Snyder, Professor für Geschichte an der Yale-University im amerikanischen New Haven, gehört zu den führenden Intellektuellen in den Vereinigten Staaten. In seinem aufsehenerregenden Bestseller "Bloodlands" hatte er 2010 die Ähnlichkeiten zwischen dem Hitler- und Stalin-Regime dargelegt, und 2017 mit "Über Tyrannei" drastische Kritik an Donald Trump geübt.

Nun legt Snyder ein sehr persönliches Buch vor: In "Die amerikanische Krankheit" beschreibt er, wie er am 29. Dezember nach einer ernsthaften Erkrankung, bei der er kaum mehr stehen oder klar denken konnte, stundenlang in einer Notaufnahme auf seine Untersuchung wartete. Dabei wurde im bewusst, wie sehr in den USA das Recht auf schnelle und gute medizinische Versorgung verletzt wird.

Seine Diagnose: Anders als in Ländern wie Deutschland sei auch die Krankenversorgung in den USA rein profitorientiert. Besonders deutlich zeigt sich dies für Snyder in Zeiten der Corona-Pandemie. Während in Deutschland bislang weltweit mit die wenigsten Menschen dem Virus erliegen, starben in den USA bereits mehr als 200.000 Erkrankte. Dahinter sieht er überdies die von ihm diagnostizierte Ignoranz, Desinformation und Machtspielerei der Regierung Trump.

Dabei ist Snyders Verbindung zwischen seinem eigenen aufwühlenden Krankenbericht und drastischer Kritik am US-Gesundheitsamt zugleich an Appell an Staaten wie Deutschland, den Sozialstaat nicht aus der Hand zu geben und eine Kommerzialisierung der Medizin zu verhindern. Wie die Medizin der USA gesunden kann, erläutert er anhand von vier Prinzipien.

Timothy Snyder: Die amerikanische Krankheit: Vier Lektionen der Freiheit aus einem US-Hospital.  Erschienen bei C. H. Beck. 158 Seiten, Preis: 12 Euro.
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