Lesetipp

Mordermittlung in der Midlife-Crisis

So schaut das Buch aus.
Privat
So schaut das Buch aus.

Erneut schickt Jan Weiler in "Kühn hat Hunger" seinen gleichnamigen Mordermittler auf Tätersuche. Das ganze gewohnt launisch, aber auch mit nachdenklichem Hintergrund. Diesmal geht es um den Tod einer Striptease-Tänzerin, ins Wanken geratene Männerbilder und die Essensfantasien eines Kommissars auf Diät.

Martin Kühn ist kein Held und auch kein Kriminalist mit Drogen-, Alkohol oder sonstigen, gerne bei skandinavischen Ermittlern auftretenden Problemen – es sei denn man hält eine Existenz in einem Mittelreihenhaus am Rande von München für problematisch. Trotzdem, leicht hat es Kommissar Kühn in seinem dritten Fall auch nicht. Nicht nur, weil er mit Mitte 40 zunehmend zu viel Pfunde auf die Waage bringt und mit der durchaus brachialen Caparacq-Methode – Motto: "Weck die Bestie, Du Sau!" – versucht, nicht nur sein Gewicht wieder halbwegs in Lot zu bekommen, sondern auch das eigene Männlichkeitsbild wieder aufzupäppeln. Denn das hat angesichts nachlassender Spannkraft und zunehmender Fahlheit der eigenen Haut sowie, so schreibt Weiler launisch, sich verschiebender Landmassen im unteren Körperdrittel und vermeintlich wachsender Distanz zu Ehefrau Susanne durchaus gelitten.

Eine ins Wanken geratene Männlichkeit, die auch im Fall einer ermordeten Tänzerin aus dem Münchner Bahnhofsmilieu eine zentrale Rolle spielt, bei dem Kommissar Kühn jedoch lange Zeit im Dunkeln tappt. Was auch daran liegen mag, dass sein Freund Steierer sich zusehends zum Konkurrenten um eine Beförderung entpuppt. Auf Diät und mit knurrendem Magen sowie einem Kollegen, der nur auf Fehler zu lauern scheint, können sich Ermittlungen schon mal hinziehen – kurzweilig und mit Vergnügen zu lesen bleibt all das bei Jan Weilers Schreibstil allemal, bis hin zum durchaus blutigen Finale auf einem italienischen Campingplatz.

Jan Weiler, Kühn hat Hunger, Verlag Piper, 416 Seiten, ISBN 978 3 4092 05876 6, Hardcover 22 Euro.
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