Lesetipp

Faszinierende Reise ins "andere" Sibirien

Paul Zsolnay Verlag

Deutschland und England galten als Klavier-Hochburgen – tatsächlich herrschte auch in Sibirien eine "Pianomanie". Sophy Roberts erzählt diese faszinierende Geschichte.

Der aus dem westfälischen Minden stammende Eberhard von Cerne erwähnte im Jahre 1404 in seinen Minneregeln erstmals den Begriff "clavicordium". Bis daraus das moderne Klavier entstand, so wie wir es heute kennen, vergingen weitere 300 Jahre. Dann aber prägten Deutschland und England für lange Zeit die Entwicklung dieses Instruments.

Dass aber ausgerechnet auch Sibirien einst eine Hochburg des Klaviers war, das wissen wenige. Dabei ist die Geschichte, die die Britin Sophy Roberts in ihrem Buch "Sibiriens vergessene Klaviere" erzählt, höchst faszinierend. Sie verleiht dem Land, das eigentlich eher für unerbittliche Kälte, Verbannung und Todeslager bekannt ist, ein völlig neues und zutiefst sympathisches Bild.

Roberts hat mit zahlreichen Menschen Sibiriens gesprochen, ist tief in die Geschichte des russischen Ostens eingetaucht, spürte viele einst berühmte Instrumente auf – und hat aus dem, was sie herausgefunden hat, ein faszinierendes, gefühlvolles Porträt des "anderen" Sibirien verfasst.

Dabei spannt sie den Bogen von der Piano-Verliebtheit der Zarenzeit bis zur Klavier-Leidenschaft eines Aeroflot-Pilotens und von der sowjetischen Manufaktur "Roter Oktober" bis zur jungen mongolischen Pianistin, die Johann Sebastian Bach spielt – in ihrer Jurte.

Eine sehr lesenswerte, ungewöhnliche Reise in Sibriens Vergangenheit!

Sophy Roberts: Sibiriens vergessene Klaviere – Auf der Suche nach der Geschichte, die sie erzählen. Erschienen im Paul-Zsolnay-Verlag. 400 Seiten, Preis: 26 Euro.

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