Lesetipp

Kleine Lüge, große Freiheit

Zsolnay

Unaufgeregt und ohne Pathos schreibt Birgit Birnbacher über den jungen Arthur, der nach 26 Monaten aus dem Gefängnis entlassen wird. Gesellschaftskritik auf die subtile und sogar humorvolle Art!

Das Thema ist soziologischer Art, voll gepackt mit Gesellschaftskritik. Und doch gelingt Birgit Birnbacher ein tolles Stück Literatur: Mit "Ich an meiner Seite" veröffentlicht die Salzburgerin ihren zweiten Roman. Für ihren Erstling "Wir ohne Wal" erhielt Birnbacher zahlreiche Preise, und im vergangenen Jahr wurde ihr der renommierte Ingeborg-Bachmann-Preis zugesprochen.

Im Fokus ihres neuen Buches steht der 22 Jahre alte Arthur, der 26 Monate lang im Gefängnis verbringen musste. Fragt sich der Leser bereits, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass der stille und intelligente junge Mann sich strafbar machte, so spitzt sich das Problem nach der Freilassung zu. Denn Arthur hat kaum eine Chance, im "richtigen" Leben wieder anzukommen. Er versucht es mit einem Plan, den er gemeinsam mit seinem Therapeuten und seiner Ersatzmutter schmiedet – ein Plan, der ein falsches, strahlendes Ich von ihm vermitteln soll.

Mit viel Sympathie und Empathie erzählt Birnbacher von ihrer Hauptperson, eines sozial Außenstehenden, den es aus der Bahn geworfen hat. Und trotz aller grundlegenden Tragik lässt sie es dabei niemals an Humor fehlen, wahrt dabei aber immer die Würde Arthurs.

Ein unaufgeregtes und dennoch fesselndes Buch, tragikomisch und dennoch voller subtiler Gesellschaftskritik!

Birgit Birnbacher: Ich an meiner Seite (Erschienen im Verlag Zsolnay, 270 Seiten, Preis: 23 Euro).

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