Flughafen Nürnberg

Weniger Geschäftsreisen, mehr ethnische Verkehre

Ein Bild aus besseren Zeiten: Jürgen Kohstall, Marketing und Unternehmenskommunikation (vorne links), Jan C. Bruns, Prokurist (rechts), beide Flughafen Nürnberg GmbH
Andreas W. Schulz
Ein Bild aus besseren Zeiten: Jürgen Kohstall, Marketing und Unternehmenskommunikation (vorne links), Jan C. Bruns, Prokurist (rechts), beide Flughafen Nürnberg GmbH

Der fränkische Flughafen erlebte 2020 einen Verkehrsrückgang von 78 Prozent. Mit einer schnellen Erholung des für Nürnberg wichtigen Business-Travel- und Messeverkehrs rechnet der Airport nicht.

Jahrespressekonferenzen in Covid-Krisenzeiten sind meist keine prickelnden Höhepunkte – und auch die Pressekonferenz des Flughafens Nürnberg wurde davon nicht verschont. Für Airport-Chef Michael Hupe war das vergangene Jahr alles andere als zufriedenstellend, musste der fränkische Regionalflughafen wie alle anderen deutschen Flughäfen harte Einbußen hinnehmen.

Im Jahr 2020 nutzten nur noch 917.000 Flugreisende die Dienste des Flughafens, 78 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Für Hupe eine ernüchternde Bilanz: "Wir mussten schon weit in unsere Geschichte gehen, um auf diese Fluggastzahl zu kommen – das war im Jahr 1985."

Nürnberger Unternehmen wollen weniger reisen

Auch die Perspektiven für die kommenden Jahre werden von Hupe vorsichtig und sehr konservativ angegangen. Anders als die Schätzungen des Weltluftverkehrsverbandes Iata geht Hupe nicht davon aus, dass sich etwa die Zahlen im Geschäftsreiseverkehr bis 2025 wieder auf etwa das Niveau von 2019 eingependelt haben werden.

"Wir sind im ständigen Dialog mit den Travel Managern vor Ort, mit Unternehmen wie Scheffler, GfK, Siemens und Adidas, und wir rechnen nicht mit einer zügigen Erholung im Geschäftsreiseverkehr", sagt Hupe. "Die neuen Kommunikationstechniken werden bei vielen Unternehmen manche Geschäftsreisen überflüssig machen."

Hoffen auf den Mittelstand

Er rechnet für die nächsten Jahre mit rund 30 Prozent weniger Aufkommen. Mittelständische Betriebe sind traditionell viel auf Geschäftsreisen unterwegs gewesen und stehen in den Startlöchern. Doch Reisen etwa in den wichtigen Markt China sind unter den nach wie vor massiven Restriktionen kaum möglich.

Hoffnung hat der Flughafen hingegen für interkontinentale Nordatlantik-Verkehre – über die großen Drehkreuze wie Amsterdam oder Paris. Auch das eingebrochene Messegeschäft hat die Messestadt Nürnberg schwer getroffen. Der Flughafen Nürnberg hat hier traditionell bis 2019 profitiert und viele Messe-Geschäftsreisende begrüßt.

Jetzt sehen die Aussichten dunkel aus: "Viele Messen werden ihre Struktur verändern und zu Hybrid-Veranstaltungen werden und auf Dauer nicht mehr die früheren Besucherzahlen erreichen", sagt Hupe. "Nur noch die großen internationalen Leitmessen wie die Spielwarenmesse werden wieder zu alten Zeiten finden, denn hier ist eine Besuchs-Präsenz obligatorisch."

Migranten sorgen für mehr Flüge

Von fvw|TravelTalk auf eine Schätzung angesprochen, rechnet Hupe für die nächsten Jahre mit einem Einknicken von 20 bis 30 Prozent an Messsebesuchern – meist internationale Gäste, die traditionell mit dem Flugzeug nach Nürnberg reisten.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sich die Urlaubs- und ethnischen Verkehre wieder weiterentwickeln und zügig erholen werden. Gerade die Stadt Nürnberg mit einem hohen Migrationshintergrund bietet dem Flughafen Grund zur Hoffnung: "Wir haben hier bei weitem noch nicht die Möglichkeiten ausgereizt", gibt sich Hupe optimistisch. "Ziele in der Türkei, Osteuropa, Russland und Italien sind Wachstumsmärkte mit einem zuverlässigen und beständigen Aufkommen."

Der Flughafen ist unverändert weiter auf striktem Sparkurs und setzt auf eine zunehmende Impfrate beider Bevölkerung, um endlich wieder richtig abheben zu können.

Sie können diese Nachricht nicht mehr kommentieren.

stats