Autovermietung in der Krise

Europcar will mit Langzeit-Mieten punkten

Europcar hat in Deutschland trotz Krise noch alle Stationen am Netz, setzt allerdings auf Kurzarbeit.
Studio Messlinger/Europcar
Europcar hat in Deutschland trotz Krise noch alle Stationen am Netz, setzt allerdings auf Kurzarbeit.

Die Europcar Mobility Group hat sich finanziell neu sortiert. Jetzt will sie mit dem Programm "Connect" auf Kundenfang gehen und dabei Abo- und Langzeitmodelle stärker in den Fokus nehmen. Denn die Anforderungen an Mobilität haben sich verändert.

Entscheidende Wochen liegen hinter der finanziell angekratzten Europcar Mobility Group. Der von der Corona-Krise stark betroffene Autovermieter hat gerade – und das im Galopptempo – eine erst im Herbst 2020 angestoßene Umschuldung realisieren können. Möglich gemacht hat das eine schnelle Einigung mit den Haltern der Unternehmensanleihen.

Nun ist frisches Geld im Anflug – und damit die Möglichkeit, das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Denn klar ist: "Durch die Corona-Krise haben sich die Anforderungen an Mobilität verändert: weg von Kurzzeit- hin zu Langzeitmieten", sagt Olivier Baldassari, Chief Countries & Operations Officer.

In dem Verfahren wurden Anleihen, die 2024 und 2026 zur Rückzahlung anstanden, in Aktien umgewandelt. Das hat die Schuldenlast von Europcar um 1,1 Mrd. Euro reduziert. Zusätzlich hat das Unternehmen umfassende Kosteneinsparungen von einer Milliarde Euro vornehmen können.

Neue Investoren sind die Fonds Anchorage, Attestor, Diameter, Marathon und King Street. Der zuvor mit 30 Prozent größte Investor Eurazeo, der Europcar 2006 vom Volkswagen-Konzern übernommen hatte, wird laut Baldassari nur noch wenige der Anteile halten.

Kredite für neue Autos

Mittels zusätzlicher, neuer Kredite über 500 Mio. Euro will der Dienstleister die Zukunft angehen. Unter anderem stehen Investitionen in die Flotte an. Die ist in der Corona-Krise mächtig geschrumpft: von zuvor international mal 320.000 auf jetzt 200.000, wie Baldassari bestätigt.

"In Deutschland sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dank Kurzarbeit noch an Bord und unsere 500 Stationen noch am Netz", versichert Deutschland-Chef Stefan Vorndran. Europcar sei hierzulande gut durch die Krise gekommen.

Im LKW- und Transporter-Bereich habe das Unternehmen aufgrund der vielen Warenauslieferungen von Online-Einkäufen einen erfreulichen Geschäftsverlauf gesehen. In der PKW-Vermietung sei es – wie auf dem Gesamtmarkt – zu Verschiebungen hin zu Abo-Modellen und Langzeitmieten gekommen.

Intern hat Europcar seine Hausaufgaben gemacht und die Technik hinter den Marken Europcar und Buchbinder vereinheitlicht. "Wir hoffen, schon im Sommer 2021 die Kurzarbeit wieder massiv reduzieren zu können, wenn viele Menschen ihren Urlaub antreten", sagt Vorndran, der wie viele in der Branche auf die große Sehnsucht der Menschen nach Urlaub setzt. "Unsere neuen Hygiene- und Sicherheitskonzepte und die Null-Kontakt-Politik machen unsere Mietwagen in diesen Zeiten begehrt", sagt er – und hält einen Nachfrageüberhang im Sommer für wahrscheinlich.

Grün im Logo, mehr Grün in der Flotte

Die Gruppe hat derweil ein Zukunftsprogramm namens "Connect" angeschoben. Es soll Europcar zum "führenden Akteur für nachhaltige, digitale und vernetzte Mobilität" machen. Schon 2023 soll ein Drittel der Flotte aus Elektro- oder Hybridfahrzeugen bestehen.

"Wir haben Grün im Logo, das wollen wir leben", sagt Vorndran. Ein neues Abo-Modell dazu ist für die nächsten Wochen in Planung: Kunden sollen dabei zwischen E-Autos und Benzinern wechseln können.
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