Fast auf 2019er-Niveau

Berlin verkündet "Dammbruch" im Tourismus

Das Bestival feiert Berlin als Mice- und Tourismus-Metropole.
Andreas W. Schulz
Das Bestival feiert Berlin als Mice- und Tourismus-Metropole.

Beim 2. Bestival warb die deutsche Hauptstadt um Touristen und Veranstaltungsplaner. Nur die Zahl der klassischen Geschäftsreisen bleibt bislang hinter den Erwartungen zurück.

Berlin kommt mit Macht zurück – nach den beiden vergangenen katastrophalen Jahren für die Reisebranche. "Berlin hat einen nahezu perfekten Start dieses Jahr hinbekommen: Als wir unsere Tore für den Tourismus im Mai wieder öffnen durften, war das wie ein Dammbruch", verkündet Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker bei der Eröffnung des "Bestivals". Allein Im Juni habe die Stadt schon 1,1 Mio. Gäste mit 2,7 Mio. Übernachtungen. "Das waren nur zwölf Prozent weniger Gäste als 2019 und nur elf Prozent weniger Übernachtungen als vor Corona."

Damit dieser Trend sich weiter strategisch für Berlin entwickelt, ist unter der Führung von Visit Berlin und der Berlin Tourismus und Kongress GmbH im vorigen Jahr erstmals das "Bestival" ausgerufen worden, ein Branchen-Event für die internationale Tourismus- und Veranstaltungswirtschaft. War dies 2021 noch etwas verhalten, kamen jetzt rund 800 Branchenexperten aus aller Welt zusammen, um "in einer einzigartigen Mischung aus Vorträgen, Workshops und Live-Erlebnissen aktuelle Trends zu diskutieren und die Stadt zu erleben", so Kieker.

Vorbild für andere Regionen

Interessant dabei: Das Bestival ist Teil des Neustart-Programms für die Tourismus- und Veranstaltungswirtschaft Berlins und wird durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe besonders gefördert. Dazu kamen viele Berliner Unternehmen, die die Veranstaltung tatkräftig unterstützten.

Dieses Konzept kann beispielgebend auch für andere Regionen sein und gibt der arg gebeutelten Branche wieder neue Impulse und Geschäftsperspektiven, sich neu zu orientieren und zu erholen. Besonders die Veranstaltungsbranche (Mice) gewinnt nach Kiekers Beobachtung gerade in Berlin wieder kräftig an Boden, jedoch bleiben die klassischen Geschäftsreisen mit ein bis zwei Tagen Aufenthalt noch hinter den Erwartungen zurück.

Deutlich weniger Geschäftsreisen

"Wir rechnen mit 15 bis 20 Prozent der Geschäftsreisen, die nachhaltig durch die Digitalisierung verloren gehen", befürchtet Kieker. Für Anna Günther, Vorstand der Säule Locations im Berlin Event Network, haben sich die Nachfragen nach besonderen Locations für Veranstaltungen seit Corona mehr als verdoppelt. "Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt dabei eine immer stärkere Gewichtung und ist trendgebend", hebt Günther hervor.

So stand die gesamte Veranstaltung des Bestivals unter dem Siegel der Initiative Sustainable Meetings Berlin sowie der Iso 20121 für nachhaltiges Event-Management der internationalen Organisation für Normung (Iso). Alle Dienstleistenden, auch in der Lieferkette, wurden dazu verpflichtet, ökologisch zu arbeiten und die durch sie entstehenden Emissionen zu messen und zu dokumentieren. So waren beispielsweise im gesamten Catering der Veranstaltung nur vegetarische und vegane Produkte im Angebot. Wer auf typische Berliner Snacks, wie Currywurst und Boulette gesetzt hatte, ging leer aus.

Veranstaltungen um 24 Prozent teurer

In Zeiten einer fortschreitenden Inflation bleiben auch Veranstaltungen nicht verschont, und 24 Prozent höhere Budget-Kosten im Schnitt beobachtet Günther. Trotzdem ist Berlin im Reigen der großen drei europäischen Metropolen neben London und Paris die Stadt, die immer noch ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis auf hohem qualitativem Niveau aufweisen kann.

Besonders ausländische Gäste wissen dies zu schätzen und "sind bei Preisverhandlungen weniger penibel", konstatiert Stefan Athmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins Visit Berlin Partnerhotels. Gerade die gehobene Hotel-kategorie mit vier und fünf Sternen hat in Berlin im Vergleich zu anderen großen europäischen Metropolen die Nase mit ihren Angeboten vorn.

Luxus-Hotels sehen Chancen

Etwa das Waldorf-Astoria Hotel, zentral im Herzen der Stadt, direkt neben der Gedächtniskirche gelegen, ist für Messebesucher, hochrangige Politiker, Diplomaten und Delegationen ein beliebter Ankerpunkt. Mit 220 Zimmern biete das Haus eine Junior Suite ab 650 Euro an, wirbt Jan Martensen, Director Government Sales vom Waldorf Astoria Berlin, für sein Haus.

Oft würden Luxusmarken entsprechende Suiten für besondere Produktpräsentationen mieten, um ihre Kunden in einem besonderen Ambiente zu empfangen. "Das ist eine zusätzliche und interessante Einnahmeoption", fügt Martensen diskret an. Für manche Unternehmen seien in Zeiten der Pandemie gerade Luxushäuser wieder eine gefragte Adresse geworden.

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