Mice

Das bringt die neue Event-Ära

Wann treffen sich die Menschen wieder zu echten Kongressen?
Lindner Hotel & Resorts
Wann treffen sich die Menschen wieder zu echten Kongressen?

Hybride Events, Nachhaltigkeit, andere Mobilität: Tagungen und Events verändern sich massiv, sagen Beobachter. Die wichtigsten Faktoren.

Glasfasernetz, schnelle Videoübertragung und Software für hybride Meetings: Christoph Unckell, Inhaber des Best-Western-Hotels Rebstock in Würzburg, sieht sich gut vorbereitet für die Zeit nach Corona. Unckell kann seinen Kunden nun zusätzlich digitale Tagungsangebote machen – wie viele andere Hoteliers auch.

Dass die Zukunft der Mice-Branche hybrid sein wird, davon gehen fast alle Beobachter aus. Und die Hotels stellen sich darauf ein. Viele haben inzwischen technisch professionell ausgestattete virtuelle Event-Produktionsstudios eingerichtet. "Das ist eine Referenz an den Zeitgeist und an die sich verändernden Bedingungen für Tagungen und Events zu Covid-Zeiten“" sagt etwa Meliá-Manager Enrico Noack. "Fachmännisch erstellter Content kann in Echtzeit verbreitet werden, egal wo auf der Welt sich das Zielpublikum befindet."

Was bringt die Mice-Zeit nach Corona? Die Meinungen darüber gehen auseinander. "Nach einem Jahr Zoom & Co sind die Firmen digitale Meetings leid, sie wollen sich wieder persönlich treffen" – sagen die einen. Andere glauben, dass die Unternehmen an der digitalen Variante festhalten werden – aus Kosten- und aus Klimagründen.

"Zunächst wird das Geschäft mit den persönlichen Treffen durch die Decke gehen", nimmt Alexander Aisenbrey vom Hotel Öschberghof in Donaueschingen eine abwägende Position ein: "Und dann kommt das Tal, weil die Firmen wieder sparen und mehr Meetings digital abhalten." Dass sich das Mice-Geschäft nach Corona komplett ändern wird, daran glauben Hoteliers wie Unckell allerdings nicht: "Echte, beidseitige Kommunikation funktioniert nur vor Ort."

Viele Beobachter halten es daher für wahrscheinlich, dass der Mix aus beidem – also das hybride Meeting – der Sieger sein wird. Das bestätigt auch eine Umfrage des Verbands der Veranstaltungsorganisatoren (VDVO): 88 Prozent seiner Mitglieder gaben an, diesen Weg verstärkt gehen zu wollen. Unter „hybrid“ verstehen sie dabei mehr als die reine Übertragung der Veranstaltung: Genau wie vor Ort wird interaktiv gehandelt – jedoch in digitalen Räumen.

Event als Endlosschleife

Nicht nur die Hotels setzen auf hybrid, auch die Mice-Spezialisten bauen ihr Portfolio aus. DER Corporate Solutions etwa hat das neue Segment "Digitale Events" gegründet. Die Angebote reichen vom virtuellen Teambuilding über die 3-D-Konferenz mit 20 Mitarbeitern bis zur hybriden Konferenz mit Hunderten Teilnehmern.

"Auch nach Corona wird die Relevanz von Veranstaltungen für den gesamten Kommunikationsmix einer Organisation weiter steigen", zeigt sich Matthias Schultze, Chef des GCB German Convention Bureau, überzeugt. Allerdings auf eine andere Art und Weise: Statt als einzelnes, losgelöstes Event finde sie dauerhaft statt, "als eine Art Endlosschleife, die an 365 Tagen im Jahr im Netz zirkuliert".

Mice nach Corona: Was genau sich ändern wird, das erforschen derzeit die Mitglieder im Innovationsverbund Future Meeting Space 2021. Sie gehen davon aus, dass sich "das Ökosystem Veranstaltung massiv und nachhaltig verändern wird", wie es die Gründer ausdrücken – das GCB sowie das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.

Future Meeting Space macht weitere Faktoren aus, die das Mice-Segment künftig prägen werden. Neben der Verknüpfung von physischen und virtuellen Orten gehört dazu auch bei Events die soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Mehr Wert wird lzudem auf das "räumliche und soziale Umfeld von Business Events gelegt". Im Klartext heißt das etwa: Der bislang eher verschmähte ländliche Raum könnte eine Renaissance erleben. Gleichzeitig entwickeln sich aber auch die Innenstädte neu: Ladenflächen stehen leer, für Events und Kultur bieten sich damit neue Freiflächen.

Überdies könnten Events künftig zwar von deutlich weniger Teilnehmern besucht werden als bisher, gleichzeitig jedoch zahlenmäßig wachsen. So prophezeit der VDVO, dass sich in Zukunft verstärkt an mehreren Orten lokal jeweils weniger Menschen treffen – und diese Zusammenkünfte werden miteinander vernetzt, auch und vor allem länderübergreifend.

Ein wichtiges und noch zu klärendes Problem ist dabei der Datenaustausch. Gerade mit EU-Drittländern wie den USA hat der Europäische Gerichtshof diesem einen klaren Riegel vorgeschoben. "Der Einsatz beliebter Tools wie Zoom muss daher gründlich neu überdacht werden", warnt der VDVO.

Zudem sieht der Verband das Ende für Treffen in "tristen Büros" oder "muffigen Tagungsräumen" gekommen. Seiner Ansicht nach werden solche Hotels profitieren, die auf eigens eingerichtete Coworking Spaces mit belastbaren W-LAN-Netzen setzen – eine Entwicklung, die schon vor Corona eingesetzt hat.

Pilotprojekt "Testing"

Zunächst einmal will die Branche überhaupt wieder Events möglich machen. Statt um Zukunftsstrategien geht es um Antigen-Schnelltests. Dass Treffen auch in Corona-Zeiten sicher sein können, zeigt gerade das Berlin Convention Bureau mit dem Pilotprojekt „Testing“, dessen Auftakt kürzlich im Estrel-Hotel stattfand – mit 100 Partnern der Berliner Mice-Branche. Denn klar ist: Unabhängig davon, was die neue Mice-Zeit bringt, wollen sich Firmen und Organisationen jetzt schon so schnell wie möglich wieder treffen – vor Ort, persönlich und (fast) wie früher.

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