Interview mit Cedric Zhou

Wie Singapur zum grünsten Städtereisen-Ziel wird

Cedric Zhou ist Area Director des Singapore Tourism Board.
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Cedric Zhou ist Area Director des Singapore Tourism Board.

Nachhaltigkeit, Hygiene und kontaktlose Technologien – das hat der Stadtstaat Singapur sich auf die (touristischen) Fahnen geschrieben. fvw | TravelTalk sprach darüber mit Cedric Zhou, Chef des Singapore Tourism Board in Deutschland.

Noch hält Singapur für Reisende seine Grenzen praktisch geschlossen. Gibt es schon Szenarien für eine Wiederöffnung?
Cedric Zhou: Bislang haben Reisende, die geschäftlich oder offiziell nach Singapur reisen, zwei Möglichkeiten, ins Land zu gelangen. Zum einen gibt es die sogenannte gegenseitige Green Lane. Dabei bringt das gastgebende Unternehmen oder die Regierungsbehörde die Reisenden direkt vom Flughafen in Changi ins Hotel. Dort warten sie auf das Ergebnis des PCR-Tests, der am Airport vorgenommen wurde. Ist dieser Test negativ, kann die Dienstreise in Singapur gemäß des vorher eingereichten Programms beginnen. Voraussetzung für die Nutzung der Green Lane ist jedoch eine vorherige behördliche Erlaubnis.

Und die zweite Möglichkeit?
Zhou: Diese Lösung ist sehr neu, es handelt sich dabei um eine festgelegte Blase, in der sich die Reisenden während ihres Aufenthalts in Singapur bewegen. Das Programm trägt den Titel "Connect@Changi". Es ist ein speziell errichtetes Konferenzzentrum mit Hotelzimmern und Meetingräumen. "Connect@Changi" richtet sich an Geschäftsreisende und Offizielle, die bis zu 14 Tage lang vor Ort Termine wahrnehmen können.

Wann werden Touristen wieder einreisen dürfen?
Zhou: Das hängt zum einen von der weltweiten Covid-19-Situation ab, zum anderen aber auch vom Fortgang der Impfungen in Singapur. Unser Land gehört zu denen, die das Virus weitgehend unter Kontrolle haben, und es treten nur vereinzelt Neuinfektionen auf, die von außerhalb ins Land hineingetragen werden. Zudem verfolgen wir ein strenges Tracing, das die schnelle Nachverfolgung bei jeder Infektion möglich macht.

Wie weit ist Singapur mit dem Impfen?
Zhou: Von den insgesamt sechs Millionen Einwohnern sind etwa eine Million geimpft. Unser Ziel – und auch eine potenzielle Voraussetzung für die touristische Öffnung des Landes – ist eine Impfquote von mindestens 70 Prozent. Aber auch dann bleiben die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen sowie PCR-Tests erhalten, solange vom Corona-Virus Gefahr ausgeht.

Gibt es ein Konzept, mit dem Singapur den Tourismus nach Corona wiederbeleben will?
Zhou: Ja, wir wollen gemeinsam mit unseren lokalen und globalen Partnern in der Touristik das Reisen neu denken und haben dazu unser Konzept SingapoReimagine gestartet. Es basiert auf drei Säulen. Erstens erhalten die Gesundheits- und Hygienestandards einen sehr hohen Stellenwert – zum Beispiel verleihen wir unser Siegel SG Clean. Zweitens spielt Technologie eine wichtigere Rolle. Sie ermöglicht ein weitgehend kontaktloses Reisen, zudem kommen Reinigungsroboter zum Einsatz oder solche, die als Barista agieren.

Welche Rolle spielt für Singapur die Nachhaltigkeit, auf die die meisten Destinationen nach Corona verstärkt setzen?
Zhou: Eine ganz wesentliche – sie ist die dritte Säule des SingapoReimagine-Konzepts. Wir wollen sogar zum nachhaltigsten urbanen Reiseziel der Welt werden. Darum investieren wir nun gezielt in Produkte, die sowohl der lokalen Bevölkerung als auch unserer natürlichen Umwelt dienen. Beispiele dafür sind die Naturkonzepte am Jewel Changi Airport und in den Gardens by the Bay. Am Ende wollen wir Singapur in eine "Stadt in der Natur" verwandeln.

"Stadt in der Natur" – wie soll das aussehen?
Zhou: Das Konzept ist auf zehn Jahre ausgelegt und besteht aus vielen Einzelteilen. Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung des Jurong Lake Districts. Dieses Viertel soll Ökologie mit Innovation und Wissenschaft verbinden und damit zu einer erstklassigen Lifestyle-Destination werden. Ähnlich das Mandai Precinct. Hier werden in den kommenden drei Jahren neue Naturattraktionen entstehen, aber auch Möglichkeiten der ökologischer Bildung und  umweltfreundliche Unterkünfte.

Wann rechnen Sie damit, dass der internationale Tourismus zurückkommt?
Zhou: Wir hoffen natürlich, dass es in diesem Jahr wieder losgeht, haben aber bewusst eine sehr vorsichtige Herangehensweise gewählt. Gesundheit und Sicherheit sind derzeit am wichtigsten.
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