Überblick

Diese Nachtzüge verkehren ab Deutschland

Über Nacht zum Geschäftstermin – im Schlafwagen.
Harald Eisenberger/ÖBB
Über Nacht zum Geschäftstermin – im Schlafwagen.

Der totgesagte Nachtzug erlebt einen Aufschwung – auch dank Klimadebatte. Wie attraktiv ist er für Geschäftsreisende? Mindestens 16 Nachtzuglinien starten in Deutschland oder durchqueren das Land.

Mord im Orientexpress“, „Nachtzug nach Lissabon“, „Nächster Halt Südkreuz“: Ohne Nachtzüge müsste die Literatur auf einige Klassiker verzichten. Dass hierzulande überhaupt noch Schlafwagen verkehren, ist den Österreichischen Bundesbahnen ÖBB zu verdanken. Die DB hatte das Geschäft 2016/17 aufgegeben; 40 Prozent der Strecken ab Hamburg, Berlin, Düsseldorf und München übernahm ÖBB Nightjet. München und Berlin sind zudem im Netz der ungarischen MAV, München wird von der kroatischen HZPP mit Zagreb und Rijeka verbunden, und zwischen Paris, Berlin und Moskau verkehrt Russlands RZD.

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Nachtzüge gewinnen wieder Passagiere – was auch an der Klimadebatte liegen dürfte. Natürlich dauert die Fahrt teilweise deutlich länger als der Flug – doch, so ÖBB-Chef Andreas Matthä: „Wir verursachen 30-mal weniger CO2 als der Flieger.“

„Im Vergleich zu Urlaubern und Familien sind Geschäftsreisende zwar ein kleineres Segment“, sagt Matthä. „Es nimmt aber stetig zu.“ Dabei hatte bereits die DB zu Zeiten ihrer City Night Line (CNL) versucht, die Business Traveller auf die Schiene zu bekommen. Statt um 6 Uhr in der Früh in den ersten Flieger zu steigen und übermüdet zum Meeting zu erscheinen, könnten diese doch besser am Vorabend den Zug nehmen, um ausgeschlafen am Zielort anzukommen, argumentierte der damalige CNL-Chef Wilfried Czilwa.

„Mit dem Nachtzug spare ich mir das Hotelzimmer“, argumentiert Matthä, „und ich komme mitten in der Stadt an. Das ist doch viel entspannter als zu fliegen.“ Vorausgesetzt, ein Hotel wäre für die Reise überhaupt nötig gewesen. Und vorausgesetzt, der Business Traveller teilt sein Schlafwagenabteil nicht mit Schnarchern oder mit jemandem, „der vergessen hat, sich vor der Abfahrt zu duschen“, wie es ein Nutzer im Internet formuliert.

NATÜRLICH SIND EINZELABTEILE buchbar. Ob sich deren Nutzung jedoch gegenüber dem Flugzeug preislich rentiert, muss in jedem Einzelfall berechnet werden. Grundsätzlich wirbt die ÖBB mit Preisen ab 140 Euro für ein Privatabteil. Bei einer BizTravel-Probebuchung am 6. Januar für eine Fahrt Hamburg–Wien am 13. Februar kamen wir auf 232 Euro für ein Abteil „Single Deluxe“ (mit Dusche). Ein privates Sitzplatzabteil würde mit 139 Euro zu Buche schlagen, ein Liegewagenabteil sogar mit 269 Euro. Der Flug mit Eurowings am Morgen des 14. Februar kostet hingegen 89 Euro (mit Gepäck).

Unter anderen Bedingungen fallen die Summen freilich anders aus: Billiger wird die Bahn dann, wenn etwa zwei oder drei Monteure gemeinsam im Abteil reisen. Negativ für den Nachtzug wiederum wirkt sich ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus: 2018 hatten die Richter entschieden, dass Reisezeit grundsätzlich als Arbeitszeit zu vergüten ist. Bei einer zwölfstündigen Fahrt (Hamburg–Wien) wird das teuer.

Wer sich dennoch für die Schiene entscheidet, kann sich auf besseren Komfort freuen: 2022 will die ÖBB 13 neue Zuggarnituren in Betrieb nehmen. Sie verfügen zugleich über mehr Schlafwagenplätze. Diese sind für den Betreiber besonders lukrativ und derzeit quasi immer ausgebucht. Ganz neu ist zudem die Strecke Wien–München–Brüssel, Ende 2020 folgt Wien–München–Amsterdam. Als interessant für die ÖBB bezeichnet Matthä überdies Routen wie Hamburg–Stockholm, Zürich–Barcelona und Berlin–Brüssel.

Nötig für den Nachtzug sind grundsätzlich lange Strecken, innerdeutsch bieten nur wenige Distanzen Potenzial – auch weil der Tagverkehr im ICE eine zu große Konkurrenz darstellt.

Eine besonders für Geschäftsreisende attraktive Zusammenarbeit gab es schon einmal vor gut 15 Jahren: Damals kooperierte die Swiss mit der CNL. Passagiere konnten Flüge von Zürich und Basel nach Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Hannover mit den Nachtzugverbindungen der DB-Tochter kombinieren.

Derzeit sind die folgenden Nachzuglinien in Betrieb:

Berlin–Bratislava–Budapest (ungarische Bahn MAV)
Berlin–Zürich (ÖBB Nightjet)
Berlin–Przemyśl (polnische Bahn)
Berlin–Breslau–Wien (ÖBB Nightjet)
Berlin–Frankfurt (Süd)–Paris (RZD)

Düsseldorf–Köln–Frankfurt–Linz–Wien (ÖBB Nightjet)
Düsseldorf–Köln–Frankfurt–München Innsbruck (ÖBB Nightjet)

Frankfurt (Süd)–Berlin–Warschau–Minsk–Moskau (RZD)

Hamburg–Hannover–Wien (ÖBB Nightjet)
Hamburg–München–Innsbruck (ÖBB Nightjet)
Hamburg–Zürich (ÖBB Nightjet)

München–Salzburg–Wien–Budapest (ungarische Bahn MAV)
München–Brüssel (ÖBB Nightjet)
München–Amsterdam (ÖBB Nightjet, ab Ende 2020)
München–Zagreb (kroatische Bahn HZPP)
München–Rijeka (kroatische Bahn HZPP)
München–Bologna–Florenz–Rom (ÖBB Nightjet)
München–Mailand (ÖBB Nightjet)
München–Venedig (ÖBB Nightjet)

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