Interview

Geschäftsreise-Einkauf wird immer komplexer

Carsten Knauer, BME.
Privat
Carsten Knauer, BME.

Vor welchen Herausforderungen stehen Travel Manager aktuell?

Carsten Knauer: Mobilitätsthemen wachsen immer mehr und immer schneller zusammen. Daher sehe ich – wie schon seit Jahren – die kosteneffiziente Organisation von Door-to-Door-Reisen, die an den Bedürfnissen des Reisenden zur optimalen Erfüllung des Reisezwecks ausgerichtet sind, als eine der Top-Herausforderungen. Dazu gehört natürlich auch die End-to-End-Abbildung der Geschäftsreise in den Travel-Management-Systemen.

Welche Trends und Themen außer End-to-End und Door-to-Door spielen in der Geschäftsreise derzeit noch eine wesentliche Rolle?

Neben den fast schon alltäglichen Problemen wie Bürokratie – zum Beispiel bei A1 oder den Steuerthemen – sowie bei überfüllten Lufträumen und verspäteten Zügen geht der Trend weiter zur Wahrnehmung des Reisenden als Mensch. Wie möchte er reisen? Wichtige Stichworte in diesem Zusammenhang sind Sharing Economy und Bleisure. Herausfordernd dabei ist sicherlich die Integration derartiger Trends in die Reiserichtlinien sowie in die Prozesse und Systeme im Unternehmen.

Welche Auswirkungen hat all dies für die künftigen Aufgaben des Travel Managers? Inwiefern wird sich seine Rolle verändern?

Die veränderte Sicht auf den Reisenden und die vielen neuen technischen Möglichkeiten und Angebote führen dazu, dass der Travel Manager mehr denn je zum Schnittstellen-Manager über seine klassischen Aufgaben hinaus wird. In der BME-Fachgruppe „Marketingeinkauf“ wurde kürzlich über die Frage diskutiert, ob man eigentlich noch Marketingdienstleistungen einkaufe oder mittlerweile nicht eher zu einem IT-Einkauf geworden ist. Diese spannende Frage ist meiner Meinung nach auch auf das Thema Geschäftsreisen übertragbar.

Braucht es angesichts der fortschreitenden Digitalisierung denn überhaupt noch ein Travel Management in Unternehmen?

Ganz klar: ja! Die Aufgaben des Travel Managements werden sogar komplexer. Apps und andere digitale Lösungen müssen in die bestehenden Systeme integriert werden. Bevor man digitalisiert, müssen zudem die Prozesse geprüft und eventuell optimiert werden. Grundsätzlich muss die Chance der Digitalisierung eingeschätzt und bewertet werden. Wie zum Beispiel lässt sich Mixed Reality in eine Reiserichtlinie packen? Für mich steht fest: Auch in Zukunft wird es für Travel Manager ganz und gar nicht langweilig werden!

Aber lässt sich dann möglicherweise auf Reisebüros verzichten, wenn Flüge, Hotels und andere Leistungen jederzeit und einfach online und mobil gebucht werden können?

Diese Frage wird gestellt, seit ich mich beim BME um das Thema Travel Management kümmere – seit dem Jahre 2007. Die Tatsache, dass es auch zwölf Jahre später noch Firmendienste und Travel Management Companies gibt, zeigt: Sie haben eine Daseinsberechtigung! Dabei denke ich nicht nur an die Buchung komplizierter Reisen, die von Fachleuten kompetenter, schneller und damit günstiger erledigt werden können als von den Reisenden selbst. Ich denke auch an den persönlichen Kontakt zum Ansprechpartner im Reisebüro, der bei Problemen da ist und berät. Trotz der digitalen Helfer auf dem Smartphone, die ich selbst ausgiebig nutze, glaube ich daher nicht, dass man auf Service, Wissen und Beratung der Geschäftsreiseanbieter in Zukunft wird verzichten können.

Zur Person

CARSTEN KNAUER leitet beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) die Logistik. Seit fast 13 Jahren führt er unter anderem die Fachgruppe Travel Management.

DIE FACHGRUPPE innerhalb des BME trifft sich regelmäßig, um aktuelle und allgemeine Themen der Branche zu erörtern. Zudem erstellt sie Leitfäden zu wichtigen Einkaufsbereichen.
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