Flugtickets

Warum es bei NDC nach wie vor nicht rund läuft

Nur bedingt startbereit: Noch sind die Prozesse rund um NDC nicht zufriedenstellend.
iStockphoto
Nur bedingt startbereit: Noch sind die Prozesse rund um NDC nicht zufriedenstellend.

Am neuen Datenstandard im Flugvertrieb führt kein Weg vorbei. Trotzdem sind Travel Manager nach wie vor skeptisch – auch weil die Buchungsprozesse alles andere als zufriedenstellend sind.

Nein, überzeugt sind die Travel Manager noch längst nicht: In einer Umfrage des Geschäftsreiseverbandes Acte und von Global Business Travel zeigte sich die Mehrheit Ende vergangenen Jahres mit Blick auf die New Distribution Capability (NDC) äußerst kritisch. 88 Prozent der befragten Geschäftsreiseprofis fürchten, dass sich der neue Datenstandard für den Vertrieb von Flugleistungen negativ auf die Tariftransparenz auswirken wird. Ebenfalls 88 Prozent sind der Meinung, dass der Einsatz von NDC das eigene Reporting erschwert.

87 Prozent sehen die Einhaltung der Reiserichtlinien gefährdet, und 89 Prozent befürchten letztlich steigende Kosten. Dieses eindeutig negative Urteil ändert allerdings nichts daran, dass an dem seit Jahren vom internationalen Luftfahrtverband IATA vorangetriebenen Datenstandard kein Weg mehr vorbei führt. Travel Manager werden sich mit dem neuen Format befassen und auch anfreunden müssen.

In Deutschland zählt die Lufthansa (LH) zu den NDC-Vorreitern. Deren Vertriebschefin Heike Birlenbach hat unlängst im BizTravel-Schwestermagazin fvw klargemacht: „Ein Zurück wird es nicht geben.“ Schließlich soll NDC nicht nur dazu beitragen, das eigene Angebot vielfältiger zu gestalten und genauer auf einzelne Zielgruppen wie Business Traveller zuschneiden zu können. Auch die eigenen Vertriebskosten wollen die Airlines mit Hilfe von NDC senken. Wie ernst es die Lufthansa meint, zeigte sich vor einem halben Jahr, als die Fluggesellschaft kurzfristig sämtliche Light- und Business-Saver-Tarife aus den klassischen Reservierungssystemen (GDS) herausnahm und diese seitdem nur noch über ihre NDC-Kanäle vertreibt.

Wollen (Geschäfts-)Reisebüros ihren Kunden also diese LH-Billig-Tarife bieten, müssen sie entweder das sogenannte SPRK-Portal der Lufthansa nutzen oder aber über eine direkte Schnittstelle – eine sogenannte API – zum Lufthansa-Angebot verfügen. Reservierungssysteme wie Amadeus oder Sabre, eigentlich die zentralen Buchungskanäle gerade für Geschäftsreiseketten, sind hier bislang jedenfalls außen vor.

Reisebüros unterschiedlich weit

Auch deshalb haben die Lufthansa City Center (LCC) mit Bridge-IT eine eigene Plattform entwickelt, über die seit Oktober 2018 via Direktschnittstelle die NDC-Inhalte der Lufthansa gebucht werden können. Ganz reibungslos verläuft das jedoch nicht, auch wenn die Performance des Anschlusses von IT-Dienstleister Farelogix fortlaufend verbessert werde, wie man bei LCC beteuert.

Dass der Aufwand derzeit noch höher ist als bei Buchungen über die klassischen Reservierungssysteme zeigt sich daran, dass der Geschäftsreiseanbieter zur Zeit für Umbuchungen das SPRK-Portal der Lufthansa nutzen muss. Und auch beim Reporting gibt es laut LCC noch Verbesserungsbedarf – derzeit sorgen eigene Datenlieferungen aus Bridge-IT heraus für die von den Firmenkunden geforderte Reporting-Qualität.

Auch Derpart Travel Service (DTS) hat seit dem vergangenen Jahr Zugriff auf die NDC-Tarife der Lufthansa. Dabei werden die Tarife – wie bei LCC – aus den GDS und der LH-Direktanbindung bei einer Buchungsanfrage stets gemeinsam abgebildet. Ein Preis- und Tarifabgleich sei daher gewährleistet, betont DTS angesichts der Sorge vieler Travel Manager vor wachsender Intransparenz. Verbesserungsbedarf sehen die Verantwortlichen ebenfalls in puncto Umbuchungen: Diese seien zwar möglich, heißt es bei der Geschäftsreisekette, aber mitunter aufwändig, da vereinzelt Subsysteme oder direkte Airline-Systeme genutzt werden müssten. Das treibt die Prozesskosten in die Höhe.

NDC-Inhalte kommen ins GDS

Doch sind längst nicht alle Geschäftsreiseketten soweit wie LCC und DTS. Egencia zum Beispiel hat bisher keinen Zugang zu NDC-Tarifen. Grund sind die aus Sicht des Dienstleisters vorhandenen Defizite dieses Kanals. Entscheidend sei, dass die NDC-Angebote „effizient und maßgeschneidert verteilt und gebucht werden könnten“, so der Geschäftsreiseanbieter. Dies jedoch erfordere robustere Service- und IT-Software als die, die es bislang gebe. Gerade bei der Stabilität und Performance der notwendigen Schnittstellen hakt es noch.

BCD Travel hat mittlerweile zumindest ein NDC-Pilotprojekt mit Lufthansa gestartet. Wobei der hiesige Marktführer im gesamten NDC-Buchungsprozess noch Verbesserungspotential erkennt. „Es geht nicht allein um die simple Buchung eines Tickets“, betont Thane Jackson, Vice President für Global Distribution und Channel Strategy bei BCD. Auch Prozesse wie die Rechnungsstellung, das Pre- und Post-Reporting aber auch Fragen des Traveller Tracking müssten reibungslos laufen. Bislang tun sie das noch nicht.

Entlastung für die Geschäftsreiseketten, sich selbst um den Zugriff auf den NDC-Content zu bemühen, versprechen die Aktivitäten der GDS-Betreiber Amadeus, Sabre und Travelport. Alle drei sind bemüht, die NDC-Angebote der Airlines in ihre Systeme zu integrieren – auch um ihre zentrale Marktposition nicht aufs Spiel zu setzen. Amadeus will im Sommer erste NDC-Inhalte auf seiner Selling Plattform Connect buchbar machen. Sabre hat gerade erst seine ersten NDC-Schnittstellen veröffentlicht. Partner ist hier United Airlines. Travelport will ebenfalls in den kommenden Monaten NDC-Angebote über seine Vertriebsoberfläche Smartpoint anbieten.

Stehen diese Schnittstellen zu den Reservierungssystemen, dann dürfte auch die Buchung der NDC-Inhalte über die Online-Buchungssoftware wie Atlatos oder Onesto einfacher werden. Die verfügen zwar bereits jetzt schon über Direktschnittstellen zumindest zur Lufthansa. Doch die Qualität der von der Buchungssoftware an die Systeme der Reisebüroketten übergebenen Daten ist zumindest aus Sicht Letzterer längst nicht immer optimal. Hier gebe es noch Verbesserungsbedarf, mahnt BCD-Manager Jackson an. Gelingt diese Verbesserung, dann dürfte auch die Akzeptanz des neuen Formats bei Travel Managern und Geschäftsreiseanbietern steigen.
Kommentare

Ihre E-Mail wird weder veröffentlicht noch weitergegeben. Notwendige Felder haben einen *

Spielregeln

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats