Firmenkreditkarten

Was sich jetzt ändert

Das bisherige Modell der Corporate Cards hat ausgedient.
Getty Images
Das bisherige Modell der Corporate Cards hat ausgedient.

Die EU hat das bisherige Modell der Corporate Cards gekippt. Ab Dezember wird alles anders. BizTravel beantwortet die wichtigsten Fragen.

Zunächst zahlen die Reisenden ihre Ausgaben übers eigene Konto, und erst danach rechnen sie mit der Firma ab: Über Jahrzehnte war dieses Modell bei den weitaus meisten deutschen Unternehmen üblich. Vor wenigen Monaten hat die Europäische Union den Kartenanbietern und Travel Managern einen Strich durch die Rechnung gemacht: Klassische Firmenkreditkarten dürfen nicht mehr über die privaten Konten abgerechnet werden. BizTravel sagt, was Travel Manager nun wissen sollten.

Was will die EU?

Die EU hat die Händlergebühren für Zahlungen mit privaten Kreditkarten drastisch gesenkt: Statt wie bislang 1,6 bis 1,8 % des Zahlbetrags dürfen die Kartenunternehmen künftig nur noch 0,3 % von den Geschäften, Hotels etc. nehmen. Damit fällt ihre Haupteinnahmequelle weg. Ziel der EU ist eine Senkung der Verbraucherpreise: Wenn Händler und Hotels nicht mehr so hohe Kartengebühren zahlen müssen, dann senken sie ihre Preise, also auch die Zimmerraten. Auf Letzteres sollten Travel Manager bei Hotelverhandlungen bestehen.

Das gilt für private Karten. Was aber hat das mit Firmenkreditkarten zu tun?

Auf Drängen der Anbieter hat die EU Firmenkreditkarten ausdrücklich von dieser Regelung ausgenommen. Für diese müssen Händler also nach wie vor das volle Entgelt von mindestens 1,6 % zahlen. Im Gegenzug hat die EU aber den Begriff der Firmenkreditkarte neu definiert: Diese müssen künftig direkt über das Firmenkonto abgerechnet werden. Es ist nicht mehr erlaubt, dass zunächst der Mitarbeiter über sein Privatkonto in Vorleistung tritt – auch dann nicht, wenn längere Zahlungsziele vereinbart wurden, der Reisende sein Geld also vom Betrieb zurückerhält, bevor es überhaupt von seinem privaten Konto abgebucht wird.

Wann tritt die Regelung in Kraft?

Geplant ist der 9. Dezember 2015, es dürfte jedoch eine Übergangszeit geben.

Gilt dies für alle Kreditkartenanbieter?

Nein, nur für sogenannte Vier-Parteien-Systeme wie Airplus (Mastercard, Visa). Für Drei-Parteien-Systeme wie American Express ändert sich nichts. Diese dürfen für ihre Firmenkarten weiterhin hohe Gebühren von den Händlern nehmen und auch weiterhin über die Privatkonten abrechnen.

Wie reagieren die Vier-Parteien-Systeme, damit ihnen die Kunden nicht weglaufen?

Mit neuen Kartenmodellen. Beim Marktführer Airplus können Kunden künftig zwischen zwei Typen wählen: der traditionellen Firmenkreditkarte (Corporate Card), die dann allerdings direkt übers Firmenkonto statt über die Privatkonten der Mitarbeiter läuft, sowie der neuen Travel Expense Card, einer privaten Kreditkarte mit allen Funktionen einer Firmenkarte. Diese wird dann wie bislang zunächst übers Privatkonto des Reisenden abgerechnet. Da für sie allerdings die reduzierte Händlergebühr von 0,3 % gilt und die Anbieter massiv an Einnahmen verlieren, zahlen die Firmenkunden für ihren Einsatz künftig zusätzlich eine Transaktionsgebühr.

Wie hoch ist diese Gebühr?

Das richtet sich nach der Länge des Zahlungsziels. Bei den klassischen 14 Tagen beträgt die Gebühr 1,14 %, bei drei Wochen sind es 1,19 %. Bei nur 1 Woche reduziert sich die Gebühr auf 1,12 %, und schließt die Firma ein Zahlungsziel aus, sind es lediglich 1,09 %.

Werden Firmen, die diese Gebühr nicht zahlen und daher weiterhin die klassische Firmenkreditkarte einsetzen wollen, nun also akzeptieren, dass alle Ausgaben künftig direkt von ihrem Konto abgerechnet werden?

Das ist unwahrscheinlich. Möglicherweise stellen manche kleine und mittlere Betriebe auf Firmenhaftung um, wenn eher wenige Karten im Umlauf und alle Nutzer als vertrauenswürdig bekannt sind. Größere Unternehmen werden allerdings nach wie vor die Privathaftung bevorzugen.

Wie teuer genau wird es für diese Firmen?

Laut Airplus wird jede Karte im Durchschnitt pro Jahr um 27 Euro teurer fürs Unternehmen. Es kommt aber, wie gesagt, auf die konkrete Höhe der Umsätze an, die über sie getätigt wird. Die Lufthansa-Tochter rechnet vor, dass sie durch den EU-Beschluss im Durchschnitt 29 Euro pro Karte verlieren wird, also am Ende durch die Regelung der Europäischen Union benachteiligt wird.

Wäre es für Unternehmen nicht billiger, zu einem Drei-Parteien-Anbieter zu wechseln, damit alles beim alten bleibt?

Nicht unbedingt. Denn Unternehmen, die sich – trotz der Transaktionsgebühren – für die Travel Expense Card entscheiden, zahlen ab 2017 keine Kreditkartengebühren mehr. Das heißt: Fluggesellschaften, Bahn, Mietwagen oder andere Anbieter, die heute eine Gebühr verlangen, wenn mit Karte gezahlt wird, dürfen dies ab 2017 für die Travel Expense Card (da es eine Privatkarte ist) nicht mehr tun. Und rechnet man einmal alle Kreditkartenzuschläge zusammen, die man heute bezahlt (etwa bei der Flugbuchung), kann hier unter Umständen eine Summe zusammenkommen, die höher ist als die Summe der Transaktionsgebühren. Das muss aber jeder Travel Manager für sich selbst ausrechnen.

Setzt man Firmenkreditkarten ein, werden Kartengebühren aber weiterhin berechnet?

Ja, denn für die klassischen Firmenkarten müssen die Fluggesellschaften und die Bahn ja weiterhin die hohe Händlergebühr von mindestens 1,6 % bezahlen. Daher werden sie klassische Firmenkreditkarten auch künftig mit einer Kartengebühr belegen.

Kommt man zum Ergebnis, dass die neue Lösung dennoch teurer ist als die alte, käme aber ein Wechsel infrage?

Das ist von Firma zu Firma unterschiedlich, das sollten Travel Manager sehr genau analysieren, indem sie sämtliche Kosten – auch für eine erneute Ausschreibung – berechnen und gegenüberstellen. Beachten sollte man dabei auch, dass Händler künftig verstärkt selbst entscheiden können, welche Karten sie nehmen und welche nicht. Visa und Mastercard rechnen wegen der niedrigen Händlergebühr von 0,3 % mit einer Zunahme ihrer Akzeptanzstellen. Für die Händler teurere Karten, wie sie beispielsweise reine Firmenkarten darstellen, könnten sie in Zukunft ablehnen, das heißt, bei diesen Anbietern könnte die Zahl der Akzeptanzstellen möglicherweise sinken. Um dieser Gefahr zu begegnen, hat American Express seine Gebühren von zuvor 3,24 Prozent für mittelständische Händler und Restaurants auf nunmehr immerhin 1,9 Prozent gesenkt.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats