Dienstfahrrad

Geschäftsreise auf dem Drahtesel

Thinkstock

Ob für kurze geschäftliche Wege oder fürs Pendeln zwischen Wohnung und Büro: Schon mehr als 1000 Firmen bieten ihren Mitarbeitern ein sogenanntes Job-Rad an. So geht es.

Fakt ist: Die Zahl der Firmen wächst, die im Rahmen eines übergreifenden Mobilitätskonzeptes das Fahrradfahren bei ihren Beschäftigten populärer machen wollen. Das gilt sowohl für kurze Dienstfahrten meist innerhalb einer Stadt als auch fürs Pendeln zwischen Wohnung und Büro. Und viele, die vom Vier- aufs Zweirad umgestiegen sind, stellen fest: Mit dem Dienstfahrrad umkurven sie jeden Stau, sind frei von Parkplatzsorgen und sparen unter Umständen auch die monatlichen Kosten für den PKW-Parkplatz.

Fahrrad für den Job

Das Zauberwort lautet „Job-Rad“. Anbieter gibt es bereits mehrere – und das Prinzip ist simpel: Unternehmen schließen einen Rahmenvertrag mit dem externen Partner ab, der Mitarbeiter sucht sich bei einem entsprechenden Vertragshändler sein Wunschrad aus und zahlt die Leasingraten über steuerbegünstigte Gehaltsumwandlung. Die Fahrradpreise beginnen je nach Anbieter bei etwa 750 Euro. Alternativ dürfen Arbeitgeber den Nutzern einen finanziellen Zuschuss zahlen. Experten schätzen, dass bereits mehr als 1000 Firmen ihren Mitarbeitern ein Job-Rad anbieten – darunter Konzerne wie SAP, IBM, EBM-Papst, die GLS-Bank, Weleda, DHL, aber auch etliche Mittelständler. Zu den Intensivnutzern gehört die Düsseldorfer Agentur Grass Roots. Das Unternehmen, das mit dem Fahrradleasing-Spezialisten Lease Rad kooperiert, hat sich schon einiges einfallen lassen: Immer wieder veranstaltet sie – gemeinsam mit anderen Firmen – Aktionstage oder wirbt für das Firmenrad auf Messen.

Mobilitätsstrategie 2020

Ein anderes Beispiel ist das Pharmaunternehmen Daichii-Sankyo Europe mit europaweit mehr als 2000 Mitarbeitern. „Wir haben gerade unsere Mobilitätsstrategie 2020 ins Leben gerufen", erklärt Michael Müller, Head of Mobility & Facilities: „Dabei spielt das Fahrrad insbesondere auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zukünftig eine wichtige Rolle.“ Daichii-Sankyo Europe plant, eigene Dienst-E-Bikes anzuschaffen und für alle Mitarbeiter das Job-Rad-Modell einzuführen. Ferner will Müller ein Mobilitätsbudget für Mitarbeiter ohne Firmenwagen mit Hilfe einer neuartigen Mobilitycard zur Verfügung stellen. „Wir wollen den Beschäftigten Zugang zu allen Mobilitätsformen bieten", erklärt er. „So können sie effizienter unterwegs sein – und tragen gleichzeitig zur eigenen Gesundheit und zum Umweltschutz bei.“ An speziellen „Mobilitätstagen“ wird er für sein Konzept die Werbetrommel rühren und zusätzlich die Kollegen über ein Mobilitätsportal im Intranet aufklären und informieren. Grundsätzlich spielt es für die gesetzliche Förderung keine Rolle, womit die Beschäftigten radeln – ob mit normalem Fahrrad, Pedelec oder E-Bike. Ein Faltrad lässt sich sogar in den Zug mitnehmen und als Handgepäck transportieren. Manche Bahnhöfe wie Hannover oder Mannheim haben zudem Radstationen mit Werkstatt, wo der defekte Drahtesel wieder repariert wird und es ein kostenloses Leihrad für die Weiterfahrt gibt. Gerade die elektrischen Räder sind sehr begehrt. Diesen Trend beobachtet auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Für die meisten Pendler seien auf einer Strecke von mehr als fünf Kilometern vor allem E-Bikes und Pedelecs interessant. Dank des Motors kommt man nicht verschwitzt im Büro oder beim Geschäftspartner an. Ordner oder Laptop lassen sich in Fahrradtaschen verstauen – auch im schicken Büro-Design. Der VCD hat den Radlern in seinem Geschäftsreise-Leitfaden ein eigenes Kapitel mit vielen Tipps gegönnt.

Call a Bike für kurze Fahrten

Schon länger wirbt die Deutsche Bahn mit ihrem Fahrradmietsystem „Call a Bike" auch um Geschäftsreisende. Dabei handelt es sich jedoch um ein reines Sharing-Modell vergleichbar mit Carsharing. „Business Traveller nutzen Call a Bike zunehmend für ihre Dienstfahrten", teilt der Konzern mit: „In geschlossenen Firmensystemen können sie so größere Distanzen auf dem Firmengelände überbrücken oder auch zwischen verschiedenen Standorten pendeln.“ Zu den Kunden gehören auch Unis, beispielsweise in Kiel. Die Agentur Grass Roots wird indes auf der Messe „Zukunft Personal" das Job-Rad-Modell präsentieren. „Hier werden wir als kleines Highlight auch Testfahrten mit den E-Bikes und S-Pedelecs von Stromer anbieten", sagt Andrea Wylegala, Manager Customer & Employee Engagement. Für sie steht fest: „Motivierte Mitarbeiter sind ein Erfolgsfaktor für jeden Arbeitgeber. Und mit einem Dienstfahrrad, das die Mitarbeiter privat wie auch geschäftlich nutzen können, wird ein besonderes Incentive geschaffen.“

So funktioniert das Job-Radeln

1. Das Unternehmen schließt einen Rahmenvertrag mit einem Leasing-Rad-Anbieter ab. 2. Der Mitarbeiter sucht sich sein Wunschrad bei einem Vertragspartner aus und regelt dann alles Weitere vertraglich mit seinem Arbeitgeber. 3. Der Mitarbeiter zahlt die Leasingraten über sein monatliches Gehalt (Gehaltsumwandlung). 4. Der Arbeitgeber kann weitere Anreize durch einen finanziellen Zuschuss schaffen.Wichtig: Seit 2012 gelten die steuerlichen Regelungen für Dienstfahrzeuge (sogenannte 1%-Regel) in ähnlicher Weise auch für Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes. Das heißt, Mitarbeiter können ihr Wunschrad über den Arbeitgeber beziehen (Gehaltsumwandlung des Bruttogehalts), inklusive steuerlicher Einsparung. Beim Job-Rad-Konzept können Mitarbeiter so bis zu 40% je nach Gehalt und Steuerklasse sparen. Und: Der Anfahrtsweg zur Arbeit muss bei Fahrrädern und Pedelecs nicht mehr versteuert werden. Gleichzeitig darf das Fahrrad auch privat genutzt werden, ohne dabei aufwendig Fahrtenbuch zu führen.Für Unfallschäden am Rad offerieren die Anbieter eine Vollkaskoversicherung. Bei Schäden gegenüber Dritten tritt bei Privatnutzung die private Haftpflichtversicherung ein. Auf Dienstfahrten leistet die Haftpflichtversicherung des Arbeitgebers. Im Gegensatz zum Auto besteht beim Fahrrad jedoch keine gesetzliche Versicherungspflicht! Der Job-Radler verpflichtet sich ferner, das Fahrrad gemäß der Straßenverkehrsordnung fahrtauglich zu halten. Eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht; somit ist jeder Job-Radler für seinen eigenen Schutz verantwortlich. Quellen und weitere Infos:www.jobrad-grg.com, www.jobrad.org

Anbieter von Fahrrad-Sharing (Auswahl)

Call a bike: das Rad-Sharing der DB. Es richtet sich auch an Geschäftsreisende, die in den Großstädten kurze Dienstfahrten mit dem Rad erledigen wollen. Wer eine Bahncard besitzt, erhält spezielle Konditionen und auf Wunsch auch einen Pauschaltarif. Für Elektrofahrräder und Pedelec gelten besondere Konditionen. Viele Bahnhöfe haben auch Fahrradreparaturwerkstätten.Metropolradruhr – Bikesharing im Ruhrpott: Dieses Projekt wurde 2010 gestartet. In 10 Städten im Ruhrgebiet können 3000 Fahrräder ausgeliehen werden. Besitzer eines Abonnements des ÖPNV dürfen täglich bis zu 30 Minuten kostenlos strampeln.Nextbike: Das Unternehmen ist mit mehr als 10.000 Rädern in 35 Städten in Deutschland vertreten, hat aber auch Stützpunkte in Österreich, der Schweiz, Lettland, der Türkei und Neuseeland. Nextbike bietet je nach Standort Extra-Services für Hotelgäste oder aber auch für besondere Events an. Quelle: www.mobilare.de

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats