Corporate Card

Neuregelung des Interbankenentgelts bei Firmenkreditkarten

Thinkstock

Die Verwirrung nach der EU-Neuregelung ist groß: Was bedeutet künftig „Corporate Card“? Was müssen Travel Manager tun?

EU schafft Ausnahmeregelung für Firmenkreditkarten

Wie schon öfters auf BizTravel.de berichtet, hat die EU in ihrer Verordnung eine Ausnahmepassus aufgenommen. Dieser gilt für Firmenkreditkarten. Für sie müssen Händler und Hotels auch in Zukunft die volle Gebühr zahlen – anders als bei den privaten Karten. Allerdings: Brüssel hat auch kurzerhand den Begriff der Firmenkreditkarte neu definiert und damit in der Branche, vor allem bei Travel Managern, für Verwirrung gesorgt. Inzwischen lichtet sich der Urwald. Marktführer und damit Hauptbetroffener Airplus hat die Passagen der EU-Regelung vertragsrechtlich prüfen lassen. Wir haben mit Claude M. Walter, Leiter Marketing Deutschland, Österreich, Schweiz bei Airplus, gesprochen. Was bedeutet künftig „Firmenkreditkarte“? Müssen Travel Manager ihre Prozesse umstellen? BizTravel: Firmenkreditkarten werden nur noch als solche anerkannt, wenn sie direkt über das Firmenkonto laufen und nicht mehr zunächst über die Privatkonten, wie dies bislang der Fall war. Stimmt?Claude M. Walter: Grundsätzlich ja. Die EU verlangt unter anderem, dass Firmenkreditkarten nur an Unternehmen, öffentliche Stellen und Selbstständige herausgegeben werden. Die Karten dürfen nur geschäftlich eingesetzt werden, und alle Transaktionen müssen, unabhängig vom Kartennutzer, direkt dem Firmenkonto belastet werden. Im Gegensatz zu heute besteht also nur noch ein Vertrag zwischen Kartenherausgeber und Firmenkunde, und eine direkte Belastung des Privatkontos eines Mitarbeiters gibt es nicht mehr.Nun hört man aber, es reiche auch aus, wenn es nur die Firmenhaftung gebe. Kann das Privatkonto-Modell also doch noch erhalten bleiben? Im bisherigen Sinne nicht. Springender Punkt ist, dass die EU in ihrer Definition zwar von der direkten Belastung des Firmenkontos spricht, in diesem Zusammenhang aber kein „Zahlungskonto der Firma“ vorschreibt. Das heißt, ein EU-konformes Firmenkonto kann auch ein solches Kartenkonto sein, das der Kartenherausgeber für die Firma führt. Bei jedem Einkauf über die Karte wird dann zunächst dieses belastet. Allerdings haftet als alleiniger Vertragspartner das Unternehmen dafür, dass dieses Konto auch wieder komplett entlastet wird. Denn einen Vertrag mit den Karteninhabern gibt es ja dann nicht mehr. Auf welche Weise das Unternehmen das Konto entlastet, ist seine Sache: Entweder trägt die Firma alle Umsätze in vollem Umfang selbst oder sie lässt ihre Mitarbeiter in Vorleistung treten. Damit wäre es also auch künftig möglich, Firmenkreditkarten, die als solche anerkannt werden, über die Privatkonten der Mitarbeiter laufen zu lassen? Die Variante, dass der jeweilige Kartennutzer in Vorleistung für seinen Arbeitgeber tritt, ist möglich. Wichtig ist aber, dass zwischen Kartennutzer und Kartenherausgeber kein Vertragsverhältnis besteht, ein Konto auf Firmenebene existiert, das direkt belastet wird, die Firma vollumfänglich haftet und jederzeit einen Überblick über alle mit den Karten getätigten Umsätze hat.Bislang nutzen manche Mitarbeiter ihre Firmenkreditkarte auch für private Einkäufe, da ja übers eigene Konto abgerechnet wurde. Ist das auch künftig möglich? Nein. Hier wird die Europäische Union in ihrer Verordnung sehr deutlich. Firmenkreditkarten dürfen ausschließlich für geschäftliche oder dienstliche Umsätze verwendet werden. Der private Gebrauch ist vertraglich zwischen Firmenkunde und Kartenherausgeber ausgeschlossen und die Firma darf ihren Mitarbeitern keinesfalls die Karten zur privaten Nutzung freigeben.

Was können Firmen tun, die nicht für die Nutzung der Kreditkarten durch ihre Mitarbeiter haften wollen?     Für diese bietet Airplus die Travel Expense Card an. Dabei handelt es sich EU-rechtlich um eine Konsumentenkreditkarte, für welche das reduzierte Interbankenentgelt von 0,3 Prozent gilt und die nach wie vor ausschließlich das Privatkonto des Reisenden belastet.    Für jede Transaktion wird daher eine zusätzliche Gebühr von etwas mehr als ein Prozent fällig. Davon abgesehen hat sie jedoch die klassischen Merkmale einer Corporate Card, also etwa Reporting und Prozessintegration.    Gibt es bereits erste Erfahrungen, wofür sich Travel Manager entscheiden?    Spannenderweise entscheiden sich bei Airplus lediglich 30 bis 40 Prozent für die Travel Expense Card, die – bis auf die höheren Gebühren – alles beim Alten lässt. Die große Mehrheit der Unternehmen, also 60 bis 70 Prozent, stellt auf Firmenhaftung um: entweder per direkter Abbuchung aller Transaktionen über das eigene Firmenkonto oder über den beschriebenen Umweg des Firmenkontos beim Kartenherausgeber. Das ist für uns überraschend, da Deutschland im Gegensatz etwa zur Schweiz bislang als Land galt, in dem Firmenhaftung kaum akzeptiert wurde.    Die EU-Neuregung gilt seit 9. Dezember 2015. Werden Unternehmen, die bislang (noch) nicht auf Firmenhaftung umgestellt haben, bereits jetzt mit der Transaktionsgebühr belastet?    Leider hat die EU keine Übergangsfrist vorgesehen. Von Zwangsumstellungen zum 9. Dezember 2015, ohne die es bei unserer hohen Zahl von 7000 Firmenverträgen nicht funktioniert hätte, wollten wir jedoch absehen. Daher hat sich Airplus entschieden, sämtliche Karten zunächst EU-konform zu Konsumentenkarten mit entsprechend niedrigem Interbankenentgelt zu machen. Für uns ist das schmerzhaft, weil Einnahmen wegfallen; die Händlerbanken aber freut es. Erst wenn alle Kunden mit Neuverträgen versorgt sind, wird aufs neue System umgestellt.    Wie erkennt ein Händler oder Hotel, ob es sich bei der Kreditkarte um eine normale private Karte oder um eine Firmenkarte handelt, für die ja die weitaus höhere Gebühr fällig wird?    Recht einfach: Privatkarten sind künftig mit „Credit“ und Firmenkarten mit „Commercial“ gekennzeichnet. Die Händler müssen zudem ihre Systeme umstellen, die das dann automatisch erkennen.   Wie rechnen Reisende, welche die Travel Expense Card nutzen, künftig die Transaktionsgebühren ab, die ja beim Einsatz der Karte entstehen?    Genauso, wie sie es bislang mit dem im Ausland fälligen Zusatzentgelt von in der Regel 1,5 Prozent des getätigten Umsatzes machen. Den genauen Betrag sehen die Kartennutzer in ihrer Kreditkartenrechnung. Diesen können ihn dann wie gewohnt über ihre Reisekostenabrechnung geltend machen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats