Benchmarking

Warum sich Geschäftsreisen manchmal nicht lohnen

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Längst nicht für alle Firmen zahlen sich Geschäftsreisen gleichermaßen aus. Dabei gibt es Hebel, um sowohl Wertschöpfung als auch Klimafreundlichkeit im Business Travel zu steigern.

Geschäftsreisen sind vergleichbar – und ob sie der Firma wirklich etwas bringen, hängt von ihrer Zahl, Struktur und Ausgestaltung ab. Das jedenfalls hat eine Studie ergeben, die Atmosfair gemeinsam mit Eco Libro vorgenommen hat. Erstmals vergleicht diese die Bedeutung von Business-Trips und Mitarbeitermobilität für das Kerngeschäft der Firma.

Nachhaltigkeits-Benchmarking

Insgesamt 30 Betriebe haben sich an dem Premieren-Benchmarking beteiligt, 20 von ihnen stammen aus den Branchen Gesundheit, Dienstleistung und Industriegüter. „Für die weitaus meisten Unternehmensbereiche gibt es inzwischen Kennzahlen, etwa für Energie, Ressourceneinsatz oder Arbeitskraft. Geschäftsreisen bilden bislang eine Ausnahme“, sagt Brockhagen. „In diese Dunkelkammer wollen wir Licht bringen.“

Dabei interessiert den Umweltexperten neben Wirtschaftlichkeit und sozialen Aspekten auch der Klimaschutz. Untersucht und verglichen werden daher beispielsweise sowohl die Wertschöpfung und der Kohlendioxid-Ausstoß pro Reise sowie der Reisezeitanteil der Mitarbeiter an der Gesamtarbeitszeit. Zu definierten Faktoren wurden Fragen gestellt, etwa zu den Regelungen in der Reiserichtlinie, die einen Nachhaltigkeitsbezug haben. Wem gehören die dienstlich gesammelten Meilen – den Reisenden oder dem Unternehmen? Ist für Strecken bis 500 km Bahn statt Flug vorgeschrieben? Gilt bei der Hotelwahl, dass Häuser mit kurzen Wegen zum Ziel zu bevorzugen sind?

Das Ergebnis der Studie ist deutlich: Für Unternehmen, die in ihrer Reisepraxis Kriterien der Nachhaltigkeit beachten, rentieren sich die Business Trips deutlich stärker als für solche, die dies nicht tun.

Faktoren für optimale Geschäftsreisepraxis

Um dabei nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, siebte Atmosfair im ersten Schritt Faktoren aus, die struktureller Natur sind. So ließ sich in einem Fall die etwa 2,5-mal höhere Wertschöpfung einer Firma zumindest teilweise dadurch erklären, dass diese im Gegensatz zu ihrem Pendant statt auf weltweit intensivreisende Mitarbeiter vornehmlich auf Vor-Ort-Kräfte und -Prozesse setzt. „Keinesfalls hatte hier der Betrieb mit geringerer Wertschöpfung seine Reiserichtlinie vernachlässigt“, so Brockhagen, „dessen Vorschriften waren sogar strenger.“ Vielmehr wird hier nur ein ähnliches Geschäftsmodell zweimal strukturell anders umgesetzt, wodurch sich die Zahl der Reisen natürlich deutlich voneinander unterscheiden.

Und mitunter kann ein Unternehmen, das sich durch eine im Vergleich ohnehin schon außergewöhnlich hohe Wertschöpfung auszeichnet, diese noch weiter steigern, wenn es seine Geschäftsreisepraxis derart optimiert, wie es ein Unternehmen mit deutlich geringerer Wertschöpfung bereits getan hat. „Bei einer wirtschaftlich sonst sehr erfolgreichen Firma haben wir festgestellt, dass deren Reisestruktur und Reiserichtlinie dazu beitragen, dass die Wertschöpfung pro Mitarbeiter wieder etwas abschmilzt“, erklärt Brockhagen. „Anders als die Vergleichsfirma, deren Kerngeschäft derzeit strukturell schwächelt und die sich daher auch im Reisebereich im Sparmodus befindet, verfügt sie über sehr viele intensivreisende Mitarbeiter und eine wenig restriktive Richtlinie.“ So erlaubt sie es ihren Beschäftigten zum Beispiel, die gesammelten Meilen für private Zwecke einzusetzen. „Täte sie das nicht, könnte sie noch produktiver sein.“

Für ihn steht daher fest: Wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit können sich in ihrer Wirkung noch gegenseitig verstärken – auch bei Geschäftsreisen. „Bislang setzen vor allem solche Firmen gezwungenermaßen Umweltmaßnahmen durch, die wirtschaftlich in der Klemme stecken“, sagt Brockhagen. „Dabei wird auch umgekehrt ein Schuh draus: Wer ökonomisch bereits sehr erfolgreich ist, kann sich durch eine optimierte Reiserichtlinie noch weiter verbessern.“ Wo genau Potenziale liegen und was getan werden kann, um diese zu heben, das soll das Benchmarking des Berliners ergeben.

Benchmark-Studie

In geschäftsreiseinternen Fragen betreiben die Unternehmen lange schon Benchmarking. Warum etwa zahlt ein Unternehmen, das in seinem Reiseverhalten ähnlich strukturiert ist wie eine andere Firma, deutlich weniger für seine Flüge als diese? Dieser Frage sind der VDR und die Unternehmensberatung Feisel vor einiger Zeit mit einer groß angelegten Benchmark-Studie nachgegangen. Die wichtigsten Ergebnisse: go.biztravel.de/benchmarkstudie

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