VDR-Kolumne

Ihren Kerosinbeitrag, bitte!

Dirk Gerdom leitet das Travel Management bei SAP. Seit 2011 steht er zudem an der Spitze des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR).
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Dirk Gerdom leitet das Travel Management bei SAP. Seit 2011 steht er zudem an der Spitze des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR).

Mit einem Augenzwinkern berichtet VDR-Präsident Dirk Gerdom in seinen BizTravel-Kolumnen von den Schwierigkeiten, Travel Manager zu sein. Heute: Die Masche der Airlines mit den Kerosinzuschlägen und andere Albträume.

Er verfiel in Tagträume. Die Passagiere vor ihm teilte er in Kategorien ein. Da gab es den Ängstlichen, dessen nervöses Augenzucken verriet, dass er sich wohl lieber an einem anderen Ort befände, oder den Coolen, der lässig an der Wand lehnte. Und es gab den Unersetzbaren, der sogar noch nach Betreten des Flugzeugs mit einem Smartphone telefonierte und seiner Sekretärin lautstark Anweisungen gab. Was ihn aber erstaunte: Die Reisenden führten keine normalen Trolleys mit sich, sondern große Benzinkanister auf Rollen. Dies alles kam Jens Degenhardt merkwürdig vor. Die Stewardess, die er auf das Sicherheitsrisiko von Benzinkanistern an Bord ansprach, ging mit einem nichtssagenden „Danke für den Hinweis“ hinweg. Beunruhigt schnallte er sich an und fiel in einen tiefen, aber unruhigen Schlaf mit heftigen Albträumen.

Benzinkanister an Bord

Plötzlich wurde er unsanft aus dem Schlaf gerissen. Eine Stewardess rüttelte an ihm, bis er wach war. Im ersten Augenblick dachte er, dass nun der Bordservice beginnen würde. Das wäre allerdings höchst ungewöhnlich gewesen, da es sich lediglich um einen Flug auf der Mittelstrecke handelte. Tatsächlich verlangte die Stewardess nach seinem Kerosinbeitrag. Verwundert rieb sich Degenhardt seine Augen. Kerosinbeitrag? Er musste sich noch immer in einem Traum befinden. Beim Blick in die Runde stellte er aber fest, dass die übrigen Passagiere dabei waren, den Inhalt ihrer Benzinkanister in überdimensionale Trichter zu gießen, an deren Ende sich jeweils ein Schlauch befand, der wohl in den Tank des Flugzeugs mündete.

Alles nur geträumt

Die Stewardess erklärte ihm, dass er nun, da sein Ticket keinen Kerosinzuschlag ausweise, seinen Kerosinbeitrag leisten müsse, da ansonsten die Gesamtkerosinmenge für diesen Flug nicht reichen würde. Schließlich hatte die Airline auf Basis des bereits per Ticket im Voraus insgesamt gezahlten Kerosinzuschlags berechnet, wie viel Kerosin während des Flugs eingesammelt werden musste. Jens Degenhardt wurde heiß und kalt zugleich. Plötzlich wurde das Flugzeug durchgeschüttelt, die Maschine flog durch schlechtes Wetter. Schweißgebadet wachte er endlich auf. Ein Traum. Es war glücklicherweise nur ein Traum gewesen. Aber was für einer! Einen gewissen Bezug zur Realität konnte Degenhardt aber nicht leugnen. Nie hatte er verstanden, warum ein Bestandteil, der für die Herstellung eines Produktes notwendig war – in diesem Fall also das Kerosin für den Flugbetrieb –, separat berechnet wurde. Als guter Kaufmann hatte er gelernt, dass immer eine Vollkostenrechnung erstellt werden musste. Der Bäcker verlangt ja auch keinen Zuschlag, nur weil ihm am Vortag der Heizöllieferant eröffnet hatte, dass der Preis für Heizöl, mit dem auch sein Backofen betrieben wurde, wieder gestiegen war. Hatten die Airline-Betreiber vielleicht bei ihrer Ausbildung nicht aufgepasst? Degenhardt hing seinen Gedanken noch eine Weile nach, bis das Flugzeug leicht verspätet, aber sicher aufsetzte. Draußen schien die Sonne.

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