VDR-Kolumne

Die Raubritter vom Rhein

Dirk Gerdom leitet das Travel Management bei SAP. Seit 2011 steht er zudem an der Spitze des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR).
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Dirk Gerdom leitet das Travel Management bei SAP. Seit 2011 steht er zudem an der Spitze des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR).

Mit einem Augenzwinkern berichtet VDR-Präsident Dirk Gerdom in seinen BizTravel-Kolumnen von den Schwierigkeiten, Travel Manager zu sein. Heute: Der Kampf mit der kommunalen Matratzenmaut.

Nachweis-Probleme

Die Differenz hätte er mal besser nicht bemerkt, denn nun befand er sich in einer nicht enden wollenden Diskussion um die Rechtmäßigkeit des abweichenden Mehrbetrags – 5,35 Euro. Er kannte die akribische Vorgehensweise der Reisekostenstelle seines Unternehmens bei der Prüfung und Bewilligung von Reisekosten. Gemessen am Auftragsvolumen, das er in einem anstrengenden Verkaufstermin am Vortag für sein Unternehmen verbuchen konnte, waren die 5,35 Euro Peanuts. Aber an Peanuts waren schon ganz andere Wirtschaftskanonen gescheitert.

Nach Rücksprache mit Kollegen erklärte ihm die Dame an der Rezeption, dass es sich bei dem Differenzbetrag um die sogenannte Kulturförderabgabe, im Volksmund auch „Matratzenmaut“ genannt, handelte, die jeder Übernachtungsgast zu entrichten hat, wenn er keine zwingende berufiche Veranlassung nachweisen konnte. Genau das konnte Steffen Baron aber nicht, und er bereute, dass er die von seinem Unternehmen festgelegten Buchungssysteme nicht genutzt hatte. So hätte die Hotelbuchung mit viel Wohlwollen als vom Arbeitgeber veranlasst durchgehen können. Auf der Website des Hotels hatte er aber einen besseren Preis gefunden, und daher dort gebucht. Der Wegfall der Ratenparität lässt grüßen, aber das konnte er natürlich nicht ahnen. Verwirrung ist auch hier schließlich Programm.

Verwirrung ist Programm

Noch eine Stunde. Sein Flug würde bestimmt nicht warten, nur weil Herr Baron Nachhilfe im Bereich Abgabenkreativität der Kommunen erhalten hat. Er war doch beruflich unterwegs. Er wusste das, die Dame wusste das. Dennoch war eine Lösung in weite Ferne gerückt. Denn vom Hotelgast ist die berufliche Veranlassung mit dem amtlich vorgeschriebenen Vordruck „Arbeitgeber- oder Dienstherrenbescheinigung“ zu belegen. Anders geht es nicht. Er konnte es nicht fassen. Es ging um einen Betrag von lediglich 5,35 Euro, und Steffen Baron wollte doch nur eine genaue und regelkonforme Reisekostenabrechnung erstellen. Dem Oberbürgermeister der Stadt würde er was erzählen. Aber nicht jetzt. Er musste zum Flieger. Dringend. Die Rechnung nahm er wie ausgestellt inklusive Raubritterabgabe mit. Das Taxi wartete bereits. Die Taxiuhr im Fahrzeug zeigte jetzt schon einen Betrag von 10,70 Euro. Das wäre dann fast die Verpflegungspauschale gewesen. Immerhin, seinen Flieger erreichte er schweißüberströmt in wirklich allerletzter Minute. Die Stadt Köln würde er in Zukunft möglichst meiden, so viel stand für ihn fest.

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