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Gegen den Herztod

Mehr als 100.000 Deutsche sterben jedes Jahr an schweren Herzrhythmusstörungen – ganz plötzlich. Nur sofortige Herzmassage und Defibrillatoren könnten helfen.

Für Vanessa M. kam jede Hilfe zu spät. Die 23-jährige Jurastudentin starb auf dem Weg zur S-Bahn: Sie kippte einfach um. Als Todesursache diagnostizierten Ärzte später den „plötzlichen Herztod“. Den hätte auch die zwölfjährige Kylee Shea erlitten, wäre sie anderswo als auf dem Flur ihrer Schule zusammengebrochen. Denn dort hing ein sogenannter Defibrillator, mit dessen Hilfe zwei Lehrer die Schülerin wiederbelebten. Er hat Kylee das Leben gerettet: Heute geht es der Schülerin wieder gut, und ein Schrittmacher sorgt dafür, dass ihr Herz nicht mehr aus dem Takt gerät.

Björn Steiger Stiftung kämpft gegen den Herztod

Schnelle Rettung: Nachdem ihr Kind nach einem Verkehrsunfall gestorben war, weil der Krankenwagen zu spät eintraf, gründeten die Eltern von Björn Steiger 1969 eine Stiftung. Ihr Ziel ist schnellere Hilfe bei Lebensgefahr. Die meisten Notrufsäulen an den Autobahnen gehen auf die Stiftung zurück, ebenso die bundeseinheitlichen Notrufnummern 110 und 112, die schnellere Handyortung und der Baby-Notarztwagen.Kampf dem Herztod: Unter diesem Motto kämpft die Stiftung für eine flächendeckende Einrichtung von Defibrillatoren und um dafür geschulte Bürger. Wegen des Kaufs großer Mengen von Geräten halbierten sich die Preise in Deutschland, und die Verbreitung nahm bereits stark zu. www.steiger-stiftung.de

Der plötzliche Herzstillstand zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Mehr als 100.000 Menschen jährlich erleiden ihn allein hierzulande. Treffen kann es jeden – ob Frau oder Mann, jung oder alt, schlank oder übergewichtig. Für Schlagzeilen sorgen immer wieder Spitzensportler, die einfach zusammenbrechen. Grund sind unerwartete Herzrhythmusstörungen, die sich zum Kammerflimmern entwickeln. Dann schlägt das Herz chaotisch und bis zu 300 Mal pro Minute, das Blut kann nicht mehr zirkulieren. Die Folge ist fast immer der Tod – jedenfalls in 97 Prozent der Fälle.

Jeden Tag 274 Herztote

Glück hat nur, wer sofortige Hilfe erhält: durch Herzdruckmassage, vor allem jedoch durch Stromstöße, die das Flimmern beenden. Solche elektrischen Impulse liefern die Defibrillatoren. In öffentlichen Bereichen finden sich die Geräte immer häufiger – zum Beispiel in Flughäfen, Bahnhöfen, in manchen Ämtern und an den Haltestellen der Münchner U-Bahn. Doch: „Man könnte viel mehr Leben retten, wenn das Bewusstsein in der Öffentlichkeit größer wäre“, klagt die renommierte Björn Steiger Stiftung, die vor Jahrzehnten den allgemeinen Notruf 112 und die Notrufsäulen an den Autobahnen durchgesetzt hatte: „Der vermeidbare Tod von täglich 274 Menschen sollte uns Ansporn sein.“Vorbild sind die USA. „Dort haben Passagiere die Fluggesellschaften veranlasst, Defibrillatoren zu beschaffen und das Personal entsprechend auszubilden“, heißt es bei der Björn Steiger Stiftung. Auch die großen deutschen und europäischen Airlines haben vorgesorgt, und Hotels werden ebenfalls aktiv. Gerade erst haben die Arcotels, mit acht Häusern in Deutschland und Österreich vertreten, Defibrillatoren beschafft und ihr Personal geschult. Viel Wissen ist gar nicht nötig: Die sogenannten Laien-Defibrillatoren (AED) sind sehr einfach zu bedienen, und Angst vor rechtlichen Folgen bei falscher Bedienung muss niemand haben.

Monaco ist weltweiter Pionier

Weltweiter Vorreiter im Kampf gegen den plötzlichen Herztod ist übrigens Monaco. In dem kleinen Fürstentum hängen insgesamt 80 Defibrillatoren – so hoch ist die Gerätedichte sonst nirgends.

Michael Tümmers / Björn Steiger Stiftung

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