Tagungstipps

Business-Ziel Danzig

Danzigs Hafenarbeiter läuteten 1980 das Ende des Kommunismus ein. Neben der spannenden Geschichte fasziniert die Schönheit der Hansestadt. Ein Geheimtipp für Tagungen und Events!

Im Rückblick sieht man klarer. Als im August 1980 die Arbeiter der Danziger Leninwerft streikten, gingen dramatische Bilder um die Welt. Mutig reckten die Menschen den kommunistischen Unterdrückern ihre Fäuste entgegen, forderten die Anerkennung ihrer Gewerkschaft Solidarnosc. Heute steht fest: Dieser Aufstand markierte den Anfang vom Ende des Kommunismus. Zehn Jahre später wurde Solidarnosc-Führer Lech Walesa Polens erster frei gewählter Präsident.„Ich bekam Gänsehaut, als ich die Fotos sah“, hat ein Besucher im Gästebuch der Ausstellung „30 Jahre Solidarnosc“ vermerkt. In einer Baracke auf der einstigen Leninwerft wird lebendig, was damals geschah. Vom Papstbesuch 1979 bis zu den Panzern, die das Regime im Dezember 1981 rollen ließ: Beeindruckende Fotografien lassen Vergangenheit auferstehen. Nur 50 Meter entfernt befindet sich der noch immer von Blumengebinden geschmückte Werfteingang – „das Tor zur Freiheit“, wie es die Polen stolz nennen.

Aus Trümmern neu erstanden

Danzig macht Geschichte. Dass eine der Geißeln der Menschheit – der Sozialismus – ins Wackeln geriet, ist auch den Menschen dieser Stadt zu verdanken. Aber auch in tragischer Hinsicht fand in der Ostsee-Stadt Geschichte statt. Am 1. September 1939, 4:47 Uhr, begann hier der Zweite Weltkrieg. Deutsche Soldaten eröffneten das Feuer auf die Westerplatte, einen polnischen Militärstützpunkt. Hitler wollte Danzig „zurückholen“: Nach dem Ersten Weltkrieg war die Stadt von Deutschland getrennt worden – gegen den Willen ihrer Bewohner.Wer heute durchs Zentrum mit seinen Giebelhäusern und den prachtvollen Backsteinbauten spaziert, mag sich die Trümmerwüste von 1945 kaum vorstellen: Die Rote Armee hatte gewütet. Die Danziger, zu über 95 Prozent Deutsche, wurden vertrieben. Doch Pommerns Kapitale entstand neu dank meisterhafter Restaurationskunst. Die riesige gotische Marienkirche, das imposante Rechtsstädtische Rathaus, die acht gewaltigen Stadttore und die typischen Beischläge – lange, terrassenartige Vorbaue vor den Giebelhäusern: All dies existiert wieder und zeugt vom einstigen Glanz Danzigs.

„Jede Stadt hat 15 Minuten der Weltgeschichte, in der sie berühmt ist“, meint Stadtführerin Agnes Syroka. „Für uns ziehen diese 15 Minuten gerade erneut herauf.“ Dort wo sie das sagt, auf einer Insel im Fluss Mottlau, soll bis 2012 eine moderne Variante der mittelalterlichen Speicherstadt entstehen. Dutzende Kornkammern standen hier, 1945 von Stalin vernichtet. Erhalten geblieben ist das Wahrzeichen Danzigs, das Krantor: größte Schiffsbeladungsanlage des Mittelalters. In einer Art Hamsterrad strampelten sich die Arbeiter im 15. Jahrhundert ab, um sie mit Muskelkraft anzutreiben. Sklavenarbeit? „Es war ein Privileg, hier zu arbeiten“, sagt Agnes.

Ostsee-Dorsch und Piroggen

Von der Baltischen Philharmonie am anderen Ufer eröffnet sich ein herrlicher Blick auf Krantor und Mottlau-Promenade. Die Restaurants bieten Ostsee-Dorsch und Piroggen, wie Polens Maultaschen heißen. Eine Fähre bringt die Besucher hinüber, bald wird eine Brücke gebaut. „Schade“, sagt Agnes, „da geht viel Flair verloren.“ Für Tagungen und Kongresse wird die Philharmonie gern gebucht.

Tränen der Götter: Bernstein

Die Bernstein-Story: Wo heute die Ostsee ist, befanden sich vor über 40 Mill. Jahren riesige Kiefernwälder. Aus dem Harz dieser Bäume entstand Bernstein – in Farben von Hellgelb bis Rotbraun. In der Steinzeit wurde das fossile Harz als Tauschmittel und Schmuck benutzt, im Mittelalter machte es den Deutschen Orden reich, heute sorgt es allein in Danzig für einenJahresumsatz von über 300 Mill. Euro.Läden und Legenden: Im Stadtzentrum am Langen Markt und in der Frauengasse reiht sich ein Schmuckladen an den anderen, in Zoppot sind edle Designer-Shops zu finden. Um Bernstein ranken sich etliche Legenden: Bei Babys soll er Zahnschmerzen lindern, bei Erwachsenen Dämone vertreiben und Glück bringen.

Danzig gilt als „Perle der Ostsee“. Tatsächlich könnte man ewig auf dem Langen Markt stehen und die bunten Bürgerhäuser bestaunen. Die Detailfülle ist enorm: reiche Ornamente, Wandmalereien, verzierte Giebel und kunstvoll geschmiedete Geländer. Danzig war reiche Hansestadt und lässt an Stralsund, Lübeck oder Wismar denken. An diese Vergangenheit erinnern die Schriftzüge auf den Stadttoren oder über alten Läden. Sie sind ausnahmslos auf Deutsch.Die meisten Menschen, die heute in Danzig leben, stammen aus dem Osten Polens: Stalin hatte sie von dort vertrieben und in den Häusern angesiedelt, aus denen die Deutschen verjagt wurden. Welch Glück, dass Europa heute grenzenlos ist! Deutsche und Polen verstehen sich gut, und Gäste will man besonders gern aus dem Westen gewinnen.

Tagungen im schönsten Seebad Polens

„Deutschland steht für uns im Fokus“, sagt Krystyna Hartenberger-Parter vom Fremdenverkehrsamt Pommern. Locken will sie mit der Schönheit der Stadt, der Historie und den vielen Festen im Sommer wie dem Dominikaner-Flohmarkt. Aber auch mit Bernstein.

Ein Museum, etliche Galerien, Künstler, Designer und eine jährliche Messe: Danzig ist „Welthauptstadt des Bernstein“. Die „Tränen der Götter“ tragen heute zum Broterwerb von über 8000 Menschen bei. Für Gruppen bieten Bernsteindesigner spezielle Workshops an – ein tolles Incentive-Programm!Und wer in Danzig tagt, sollte auch einen Ausflug ins nur 15 Minuten entfernte Zoppot (Sopot) machen. Der Ort war eines der mondänsten deutschen Seebäder. Die Sandstrände, eine 511 Meter lange hölzerne Seebrücke und luxuriöse Hotels geben ihm heute das Prädikat „schönstes Seebad Polens“. Die Jugendstil-Residenzen stehen seit 1979 unter Denkmalschutz, und derzeit wird die Waldoper wieder aufgebaut: Bis zum Krieg fanden dort Wagner-Festspiele statt, Zoppot nannte sich „Klein-Bayreuth“.Zu entdecken gibt es weit mehr – bis hin zum neuen „Schiefen Haus“ in der Flaniermeile. Es sieht aus, als wolle es gerade aus vollem Herzen lachen.

Effektiv Tagen in Danzig

Anreise: Flüge nach Danzig ab Frankfurt, München, Düsseldorf (Lufthansa/LOT), Bremen (Ryanair), Dortmund, Lübeck und Köln (Wizz). Shuttle-Bus vom Flughafen bis zum zentralen Hotel Hevelius.Hotels: Für Tagungen eignen sich das von einem Stararchitekten errichtete Hilton direkt am Mottlau-Ufer (300 Tagungsgäste, 150 Zimmer), das Radisson Blu mitten in der Alstadt mit schöner, gläserner Empfangshalle (200 Personen, 143 Zimmer), das Mercure Hevelius (250 Personen, 281 Zimmer) sowie das Scandic-Hotel (200 Personen, 145 Zimmer). Der Service ist sehr gut, die Preise sind eher niedrig.Philharmonie: Eine ungewöhnliche Tagungsstätte ist die Baltische Philharmonie in einem modernen Backsteinbau direkt am alten Hafen. Die Konzerthalle bietet fast 1000 Menschen Platz, 2 Tagungsräume bis zu je 200 Gästen. Auf Wunsch exklusive Konzerte.Zoppot: Das Sheraton Sopot Hotel bietet in seinem Konferenz-Center Platz für bis zu 650 Personen (189 Zimmer).Infos: Informationen beim Gdansk Convention Bureau (GCB), u. a. kann ein kostenloser Meeting-Planer bestellt werden. www.gdanskconvention.pl

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