Reisetipps Versicherungen

Dienstreisen ins Ausland absichern

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Höllische Zahnschmerzen, Herzinfarkt, Autounfall – schnell kann auf Geschäftsreise etwas passieren. BizTravel sagt, wie Sie sich am besten absichern.

Oder sogar der Herzinfarkt. Dann summieren sich die Kosten für Behandlung im Ausland und Rücktransport des Kranken schnell zu fünfstelligen Beträgen. Und wenn sich der Blinddarm ausgerechnet auf dem Business-Trip in Asien oder den USA entzündet, kann die Operation durchaus mal 30.000 Euro kosten. Zahlen muss das laut Gesetz der Arbeitgeber, für den der Angestellte auf Dienstreise ist. „Kleine Unternehmen bringt das oft an den Rand ihrer Existenz“, warnt Dirk Guß, Verkaufsdirektor bei der Allianz Global Assistance (Elvia). Vorsorge tut daher not. Doch mit ein bisschen Sorgfalt findet sich die passende Absicherung für jede Form von Geschäftsreisen. Angebote von der Stange helfen heute allerdings nicht mehr weiter. BizTravel-Expertentipps.

Welche Versicherungen für Geschäftsreisen sind unbedingt erforderlich?

Ohne Auslandsreise- und Notrufversicherung (Assistance) sollte kein Unternehmen seine Mitarbeiter auf Dienstreise schicken. „Viele kleinere Firmen sind sich der gesetzlichen Fürsorgepflicht und des damit verbundenen finanziellen Risikos nicht bewusst“, sagt Kai-Uwe Blum, Bereichsdirektor bei der Hanse Merkur. Dabei sind Arbeitgeber laut Paragraf 618 BGB zu diesem Schutz verpflichtet. Passiert etwas, müssen sie zahlen – was in manchen Staaten teuer ist. Die Assistance, manchmal schon in der Krankenversicherung enthalten, ist ebenso „unerlässlich“, sagt Dirk Guß, Verkaufsdirektor bei der Allianz Global Assistance. „Denn was nützt eine Krankenversicherung, wenn sie dem Reisenden keine passende Versorgung vor Ort organisieren kann?“

Aber sichert nicht die Berufsgenossenschaft die Dienstreisen der Firma?

Nein. Diese deckt ausschließlich Schäden ab, die im direkten Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen. Der Blinddarmdurchbruch während des abendlichen Spaziergangs gehört ebenso wenig dazu wie der Herzinfarkt beim Bad im Hotelpool.

Reicht der Krankenschutz auch für den Business-Trip?

In aller Regel nicht. Firmen sollten auch über eine Assistance (Notruf-Hotline) verfügen, die dem Erkrankten oder Verletzten vor Ort schnell weiterhilft, etwa bei der Suche nach einem Krankenhaus oder Arzt. Ein solcher telefonischer Service hilft auch, wenn dem Mitarbeiter wichtige Dokumente gestohlen wurden. Auch eine Unfallversicherung für Dienstreisen ist in der Regel sehr nützlich. Sie zahlt beispielsweise für Verdienstausfall oder das Nachholen von Angehörigen.

Was genau ist eine Assistance für Dienstreisen?

Grundgedanke der Assistance ist es, rund um die Uhr telefonische Notfallhilfe vor Ort zu organisieren oder selbst zu erbringen. Neben dieser sofortigen konkreten Hilfe gehören aber auch weitere Services, die sich dazubuchen lassen – etwa vorbereitende Informationen über die medizinische Lage am Zielort, Mobilitätsgarantie oder Hilfe bei Verlust von Reisedokumenten.

Welche Anbieter gibt es überhaupt?

Zu den großen auf Geschäftsreisen spezialisierten Versicherungsanbietern mit eigener Assistance gehören die Allianz Global Assistance (Elvia), die Hanse Merkur, die Europäische (ERV) und Dr. Walter. Andere Anbieter wie DKV oder Barmenia arbeiten mit externen Assisteuren zusammen.

Gibt es Gesamtpakete – Pakete mit allen wichtigen Absicherungen?

Ja, dennoch sollten Firmen bei der Wahl des passenden Pakets aufpassen. „Eine gute Krankenversicherung mit Assistance und Rückholung sollte es sein“, sagt der Berater Oliver Hirt (Litehouse Consulting). Anbieter wie Allianz, Hanse Merkur oder ERV offerieren diverse Pakete je nach Dienstreise-Aufkommen und Dauer der Aufenthalte. „Versicherungsleistung und Assistance sollten aus einer Hand erbracht sein“, rät Allianz-Manager Guß. Auch sein Kollege Blum von Hanse Merkur bezeichnet die jederzeit erreichbare Notfallnummer als essentiell, aber auch „Vorsorgeuntersuchungen sollten bis zu einer gewissen Höhe mitversichert sein“. Manchmal sind auch Länderinfos über ein Online-Portal eingeschlossen. Unfall- und Gepäckversicherungen lassen sich dazubuchen.

Wichtige Anbieter

Allianz Global Assistance: Basis ist die Leistung „Business Travel Assist“ (unter anderem Hilfe bei Unfällen), die sich mit vier Versicherungsmodulen koppeln lässt: Krankenversicherung mit Notruf- Hotline und Rücktransport, Gepäckversicherung, Storno- und Unfallversicherung. www.businesstravelassist.de

Hanse Merkur: Das Paket „Hanse Global“ bietet eine 24-Stunden-Hotline, Zugriff auf eine Online-Länderdatenbank und die Wahl zwischen zwei Krankenkassentarifen. Tagesgenaue Abrechnung. www.hansemerkur.de

ERV: Die Dienstreise-Krankenversicherung enthält Heilbehandlung, Rücktransport und Notrufzentrale. Weitere Module sind dazubuchbar (Unfall, Gepäck usw.). www.reiseversicherung.de

Dr. Walter: Der Versicherungsmakler ist vor allem auf Expats – also ständige Mitarbeiter im Ausland – spezialisiert und bietet das Produkt Mia-Easy mit Notruf und Rücktransport an. www.mia-easy.de

Wie viel kostet die Absicherung von Geschäftsreisen?

Die Auslandskrankenversicherung wird auf Basis der Reisetage berechnet. Die Prämie schwankt je nach Größe des Unternehmens und Reisetagen zwischen 25 Cent und 1 Euro pro Tag für die Krankenversicherung. Oft – aber nicht immer – sind dabei die Rückholung ins Heimatland und die Assistance eingeschlossen. In der Regel kommen Mittelständler inklusive aller Zusatzdeckungen auf eine Prämie von maximal 1,50 Euro. Wer regelmäßig auf Dienstreisen in Risikoländer fliegt (Reisewarnung des Auswärtigen Amts), muss jedoch mit anderen Beträgen rechnen.

Wie wähle ich den Anbieter?

Ein sorgfältiger Vergleich lohnt sich, rät Oliver Hirt: Werden zum Beispiel Vorerkrankungen ausgeschlossen? Wie schaut es bei Geschäftsreisen in Krisenregionen aus? Ist die Assistance enthalten? Und wird zwischen „medizinisch sinnvollen“ und – weniger gut – „medizinisch notwendigen“ Leistungen unterschieden?

Bin ich damit auch gegen Erdbeben, Kriege oder Terror geschützt?

Nein. Alles, was nicht mit Krankheiten oder Unfällen zu tun hat, sondern mit Sicherheitsfragen, gilt als „Travel Risk Management“. Dazu gehören Notfallpläne und Trainings in Unternehmen, die riskante Regionen bereisen, sowie möglicherweise die Evakuierung. Darum kümmern sich spezielle Dienstleister, die Basis-Mitgliedschaften zum Festpreis anbieten und weltweit Alarmzentralen unterhalten. Dazu mehr in der nächsten BizTravel!

Welche Länder bergen Risiken?

Dienstleister wie ISOS entwickeln Weltkarten, auf denen die Länder entsprechend ihres Risikos in verschiedenen Farben dargestellt sind. Bewertet wird der medizinische Standard. Die riskantesten Länder sind: die meisten Staaten Zentralafrikas, Madagaskar, Afghanistan, Irak, Mongolei, Birma und Surinam. Ein hohes Risiko bergen zudem: Mauretanien, Algerien, Libyen, Ägypten, Angola, Kenia, Botswana, Bolivien, Guyana, Iran, Pakistan, Turkmenistan, Kasachstan, Ukraine, Albanien und Bosnien. Ausführliche Merkblätter hält auch das Auswärtige Amt bereit.

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