Reisetipps Impfschutz

Geschäftsreise mit Tigermücke

Nicht nur etwas für Touristen: Auch Geschäftsreisende sollten sich um Ihren Impfschutz kümmern.
Getty Images
Nicht nur etwas für Touristen: Auch Geschäftsreisende sollten sich um Ihren Impfschutz kümmern.

Impfschutz ist etwas für Touristen, heißt es unter Geschäftsreisenden. Was für ein Irrtum! Wir zeigen, auf welche Vorsorge es bei Dienstreisen ankommt.

Die medizinischen Sorgenkinder – je nach Ziel und Beruf mit der Aktentasche oder der modischen Tropenweste ausgestattet – steigen umso unbeschwerter zu ihrer Dienstreise ins Flugzeug, je höher ihr Bildungsabschluss ist.

Der britische Wissenschaftler Ron Behrens hat festgestellt: „Je höher die Bildung, desto weniger wird auf die Umsetzung gesundheitsbezogener Empfehlungen auf Reisen geachtet.“ Der Arzt zählt zu den Top-Fachleuten für alle Krankheiten, die sich Menschen auf Reisen zuziehen. Er leitet die Tropenklinik im Londoner Hospital für Hygiene und Tropenkrankheiten. Der Brite führt gern eine Beispiel an aus seiner Arbeit an der Tropenklinik in London: Malaria-Prophylaxe mit homöopathischen Mitteln, bestehend aus 99,9 Prozent Wasser für Reisen in riskante afrikanische Regionen. Auch Geschäftsreisende glaubten daran. Der Rat der Ärzte: informieren und vorbeugen. Das gilt gerade in mittelständischen Firmen ohne betriebsärztlichen Dienst. Ein Tipp: Das CRM nennt zertifizierte Ärzte und Apotheker in jeder Stadt, die man vor der Geschäftsreise aufsuchen kann.

Reiseerkrankungen – das war viele Jahre lang gleichbedeutend mit der Gefahr, Durchfall, Malaria oder Hepatitis heimzubringen. Vor allem Urlauber machten unliebsame Erfahrungen mit mangelnder Hygiene und deren lästigen Begleiterscheinungen. Mexiko und Ägypten standen in dem Ruf, dass nur jeder zehnte Tourist von Durchfallerkrankungen verschont blieb. Immerhin, für andere, exotischere Ziele galten Malaria-Prophylaxe und Hepatitis-Impfung als ausreichender Schutz.

Steigendes Risiko auf Dienstreisen

Geschäftsreisende zählten sich per se nicht zur Risikogruppe. Getreu dem Motto: Vom Flieger ins Taxi, ins Hotel, zum Meeting, zurück zum Flughafen – was kann da passieren? Doch diese überschaubare Welt der Krankheiten und Risikogruppen ist Vergangenheit. Je mehr international gereist wird, desto einfacher finden Krankheitserreger eine neue Heimat, desto schneller sind sie gezwungen, sich veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Die Folgen: Die Erreger verbreiten sich schneller, ihr Variantenreichtum nimmt zu, und das Risiko wächst für Reisende, die zu leichtsinnig mit dem Thema umgehen.

Eine immer größere Rolle spielen Umweltveränderungen in den Zielen. Der Gesundheit des Reisenden muss das nicht immer schaden. Beispiel Malaria: Die Malariamücke kann nur mit sauberem Wasser überleben. Doch das ist weltweit knapp, besonders in Entwicklungsländern und ihren dicht bevölkerten Region.

Malaria und Dengue-Fieber

Die Folge: Deutsche Gesundheitsexperten stellen einen Rückgang der Malaria-Fälle aus ursprünglich anfälligen Regionen fest. Allerdings: Die Malariamücke ist weiter aktiv, vor allem in intakten ländlichen, feuchtwarmen Regionen.

Dafür sind die Tigermücke und ihre Verwandten im Kommen. Sie mögen Schmutzwasser und stechen – anders als die Malariamücke – auch am Tage. Sie übertragen Dengue und Chikungunya, zwei gefährliche Virusinfektionen, die der Malaria fast schon den unrühmlichen Rang als Reiserisiko Nummer eins abgelaufen haben. Geschlossene Kleidung und Eincremen helfen. Auch wenn der Geschäftsreisende im Fünf-Sterne-Hotel absteigt: „Die Mücke lässt sich davon nicht beeindrucken, sie findet ihren Weg“, weiß Tomas Jelinek vom CRM.

Vier Schritte für sichere Geschäftsreisen

Sechs Wochen vor der Antritt der Dienstreise: Kontakt mit einem zertifizierten Arzt für Reisemedizin aufnehmen. Adressen von Medizinern und Apotheken gibt es auf der Website des Centrums für Reisemedizin www.crm.

Vier Wochenvor der Abreise: Falls eine Impfung ratsam ist, sollte sie spätesten jetzt erfolgen. Alternativ bietet sich bei ausgewählten Krankheiten, etwa Malaria, die Chemoprophylaxe an, also der Schutz per Tablette.

Während der Reise: In schwülwarmen Regionen, dort auch in Großstädten, gehört Mückenschutz auf die Haut des Geschäftsreisenden. Frisches Obst und Gemüse, auch Gedünstetes von Garküchen, konsequent meiden.

Nach der Reise: Körperliches Unwohlsein nach der Rückkehr von der Diensreise ernst nehmen, gerade weil anfangs manche Symptome von ernsthaften Infektionen, etwa Mattigkeit, eher harmlos daherkommen.

www.crm.de: Das privatwirtschaftliche Centrum für Reisemedizin bietet viele Tipps, Risiko-Einschätzungen nach Ländern, Adressen von Fachärzten und Apotheken in der Nähe.

www.gesundes-reisen.de: Website des Reisemedizinischen Zentrums am Tropeninstitut Hamburg. Besondere Kompetenz für Reisen in tropische Länder und Regionen mit schlechter Hygiene, individuelle Beratung, Länderdaten.

Welcher Schutz in welchem Land? – Ein Überblick

Europa: Vereinzelte Fälle von Tuberkulose vor allem in ost- und südosteuropäischen Ländern sorgen zwar mitunter für Schlagzeilen, doch die Risiken lauern woanders: Die Gefahr durch Zeckenbisse nicht nur in waldreichen Gegenden hat zugenommen. Die Infektion mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) lässt sich durch eine Impfung ausschalten.

Afrika: In den tropischen und subtropischen Regionen bis in den Süden des Kontinents stellt die Malaria nach wie vor ein Risiko dar. Das gilt vor allem in Feuchtgebieten und auch auf Geschäftsreisen in große Städte. Einen sicheren Schutz durch Medikamente gibt es nicht. Anti-Malaria-Tabletten senken das Risiko. Ein Schutz durch Sprays oder Cremes, vor allem aber durch ein Mückennetz ist unerlässlich. Empfehlenswert ist außerdem eine Impfung gegen Bilharziose, die durch Würmer im Wasser übertragen wird. Impfvorsorge ist zudem gegen Gelbfieber angesagt. Zugenommen haben Hautinfektionen.

Indien: Typhus, Durchfallerkrankungen und die Tollwut bereiten Reisenden die meisten Probleme auf dem Subkontinent. Achtung: Geschäftsreisende sind davor auch in Top-Hotels nicht gefeit. Der hygienische Standard lässt häufig schon in den Geschäftsvierteln zu wünschen übrig.

Südostasien/Ostasien: Die Vogelgrippe hat 2004 die Schlagzeilen von Asien bis Europa bestimmt und das Bewusstsein für ansteckende Krankheiten geschärft. Mediziner richten dagegen ihr Augenmerk schon länger auf das Dengue-Fieber, das durch tagaktive Stechmücken übertragen wird. Insektenschutz wird dringend empfohlen. In Chinas Metropolen bereitet der Smog zunehmende Probleme. Entzündungen der oberen Atemwege sind bei Reisenden aus Europa weit verbreitet. Ein Mundschutz hilft.

Mittelamerika/Karibik: Die größte Gefahr geht vom Dengue-Fieber aus. Insektenschutz sollte auch tagsüber obligatorisch sein. Eine Hepatitis-A-Impfung wird vor allem für die Dominikanische Republik, Jamaika, Kuba, Costa Rica und Mexiko empfohlen.

Südamerika: Eine Gelbfieber-Impfung empfiehlt sich besonders bei Geschäftsreisen, die quer durch Brasilien führen. Reisen nach Venezuela und Brasilien erfordern eine Schutzimpfung gegen Hepatitis A. Eine Vorbeugung gegen Malaria ist vor allem bei Reisen in Feuchtregionen angebracht.

Allgemein: Die Standardimpfungen nach dem deutschen Impfkalender sollten für Geschäftsreisende obligatorisch sein. Dazu zählen Impfungen unter anderem gegen Tetanus, Diphtherie, Typhus und Polio. Sie müssen in Abständen zwischen fünf und zehn Jahren erneuert werden.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats