Reisetipps Geschäftsreise

Werden Sie Flugpate!

iStockphoto

Sie werden getreten, geprügelt, vergiftet: in vielen südeuropäischen Ländern leben Hunde und Katzen unter grausamen Umständen. Lesen Sie, wie einfach Vielreisende den Tieren helfen können – als Flugpate.

Ich bin froh, dass ich es gemacht habe“, sagt Stefanie Worck. Ohne großen Aufwand bewahrte die Dienstreisende einen mallorquinischen Hund vor einem grausamen Ende und schenkte ihm die Aussicht auf ein schönes Leben bei einer Familie in Deutschland. Am liebsten würde man sie mitnehmen, die vielen vor allem in südeuropäischen Städten unter mitleiderregenden Bedingungen lebenden Hunde und Katzen. Und wüsste man um das Schicksal, das die Tiere in ihrer Heimat erwartet, fiele es noch schwerer, an ihnen vorüberzugehen: „Hunderttausende von ihnen werden vergiftet, erschlagen oder vergast“, berichtet Bettina Elze von flugpate.com. „Andere verhungern oder verdursten einfach in den Straßen.“ Ein deutsches Tierheim mag für viele Familienhunde oder -katzen ein Albtraum sein, „für einen Straßenhund aus Spanien, der Türkei oder vielen anderen unserer Urlaubsländer wäre es der Himmel auf Erden“, sagt Elze. Denn dort gibt es zumindest stets Essen und sauberes Wasser – und keinen, der „einen prügelt, tritt oder mit Benzin übergiesst“. Die staatlichen Tierheime in den meisten südeuropäischen Ländern sind Tötungsanstalten, in denen barbarische Zustände herrschen: „Manchmal spritzt man den Tieren Reinigungsmittel, um sie umzubringen.“

So registrieren Sie sich als Flugpate

Angehende Paten, die sich über den Internet-Auftritt www.flugpate.com melden, bekommen eine Bestätigungs-E-Mail. Darin beschreibt der Verein, wie das Angebot, ein Tier in Begleitung zu nehmen, weitergeleitet wird.

Ein Beispiel: Ein Geschäftsreisender fliegt von Málaga nach Deutschland. Die Initiative gibt dies an den örtlichen Tierschutzverein weiter, mit dem sie zusammenarbeitet. Dieser wendet sich dann direkt an den Paten. Natürlich kann es auch mal passieren, dass vor Ort gerade kein Tier transportiert werden muss, oder kein Abnehmer in Deutschland gefunden werden konnte. So kann es durchaus sein, dass Flugpatenschaften nicht genutzt werden können.

Geschäftsreise mit Vierbeiner

Gerade Vielreisende könnten jedes Jahr unzählige Tierleben retten, und zwar ohne selbst Hunde- oder Katzenhalter zu werden. Das Prinzip von flugpate.com ist einfach: Tiere dürfen im Flugzeug nicht allein reisen. Um ihnen den Weg in eine glückliche Zukunft eröffnen zu können, benötigen sie einen Menschen, der sie mitnimmt. Und um den bemüht sich die Aktion. „Auf meinen Reisen habe ich die leidenden Tiere immer wieder gesehen“, berichtet die einstige Reiseverkehrskauffrau Elze. „Dann habe ich dort Tierschützer kennengelernt. Und die haben gesagt: Wenn du selbst kein Tier willst, dann lass doch wenigstens eins mit dir reisen.“ Denn: Viele Tiere können zwar an neue Besitzer in Deutschland vermittelt, aber ohne Flugpaten nicht transportiert werden. 2004 gründete Bettina Elze flugpate.com als Internet-Initiative.

Familie wartet schon gespannt

Das Gute: „Flugpate zu seinbedeutet weder zeitlichen noch finanziellen Aufwand“, verspricht Elze. Geschäftsreisende übermitteln lediglich ihre Flugdaten an flugpate.com, um alles Weitere kümmern sich die Tierschützer. „Sobald wir wissen, ob ein Tier mitreisen kann, melden wir es vor Ort bei der Fluggesellschaft an.

Am Abflugtag wird es pünktlich in einer geeigneten Box zum Flughafen gebracht und von erfahrenen Helfern eingecheckt. Auch für die Verladung wird komplett gesorgt.“ Für den Reisenden ändert sich also im Grunde nichts: „Man checkt ein, trinkt vielleicht noch einen Kaffee und wartet auf den Start.“ Den vierbeinigen Mitreisenden sieht man erst nach der Landung wieder. Auch hier droht kein Zeitverlust: „Tiere sind Sondergepäck, und das wird beinahe immer als Erstes entladen“, erläutert Bettina Elze. Das Ganze kostet zudem nichts. „Sollte die Fluggesellschaft einen Kostenbeitrag erheben, wird er selbstverständlich von unseren Tierschützern vor Ort beglichen“, so Elze.

Was aber, wenn man mit „seinem“ Tier sicher gelandet ist und hinter der Gepäckausgabe niemand wartet? Wird man zum Hundebesitzer wider Willen? „Das ist noch nie vorgekommen“, beruhigt Bettina Elze, „schließlich haben Tierschützer sehr viel Zeit und Geld in das Schicksal dieses einen Tieres investiert, die Formalitäten geregelt, die Papiere und Impfungen besorgt.“ Es wäre sinnlos, es nicht am Flughafen abzuholen. Zudem wartet die neue Familie schon gespannt auf ihren Mitbewohner. So bleibt dem Flugpaten als einzige Herausforderung, sich nach der Reise wieder von „seinem“ Tier zu trennen.

Fragen an ...

Bettina Elze, Gründerin von flugpate.com

Die Hamburger Reiseverkehrskauffrau und Tiermedizin-Studentin Bettina Elze gründete 2004 ihre Initiative flugpate.com. Damit rettet sie mitterweile über 2500 Hunden und Katzen im Jahr das Leben.

Geschäftsreisende sind wesentlich häufiger unterwegs als Urlauber. Macht sie das nicht zu idealen Flugpaten?Grundsätzlich ja, und viele haben auch schon Flugpatenschaften übernommen. Aber das war nicht immer so: Früher buchten Unternehmen fast ausschließlich Linienflüge, und dort sind Tiertransporte für uns einfach unerschwinglich. Heute ist das glücklicherweise anders, viele fliegen zum Beispiel gern Air Berlin. Dort sind die Transportbedingungen vorbildlich und die Tarife sehr fair.

Auch wenn Mensch und Tier sich nur für zwei kurze Augenblicke kennenlernen: Fällt es Flugpaten schwer, sich nach der Landung von „ihrem“ Tier zu trennen? Das kommt natürlich vor. Und viele Flugpaten interessieren sich auch dafür, wie es dem mitgereisten Vierbeiner in der Zukunft ergeht. Dadurch entstehen oft gute Bekanntschaften zwischen den Flugpaten, den neuen Besitzern und natürlich uns. Männer können sich übrigens leichter trennen als Frauen.

Flugreisen von Geschäftsreisenden werden in der Regel über die Firmenkreditkarte abgerechnet. Erfährt der Arbeitgeber also zwingend von meinem Engagement? Alle anfallenden Gebühren für den Tiertransport werden von den Helfern direkt vor Ort beglichen. Und auch dann, wenn manche Fluggesellschaften die Kreditkartennummer des Reisenden wissen möchten, heißt dies nicht, dass diese belastet wird. Kostenbeiträge tauchen also nicht in den Kreditkartenabrechnungen auf.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats