Meine Woche | KW49

Warum Chinesen reisen und Bauern protestieren

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An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Montag, 2. Dezember 2019

Welche Herausforderung sehen Sie für 2020 als die größte an? Mit dieser Frage hat sich die Business Travel Show (BTS) an 114 Travel Manager gewandt – zugegebenermaßen mit stark britischem Übergewicht (56 Prozent). Dennoch dürfte das Ergebnis grob auf das übrige Europa zu übertragen sein: Das Thema "Kosten sparen" steht ganz oben (im vergangenen Jahr war dies der Brexit). Und von null auf 2 preschte die Aufgabe "die Richtlinientreue der Reisenden erhöhen". Dies wiederum soll durch die Forcierung der Online-Buchung und den vermehrten Einsatz von Technik geschehen: Sozusagen "sanft" sollen die Reisenden durch entsprechende Apps dazu verführt werden, nur jene Leistungen zu buchen und/oder zu nutzen, welche die Richtlinien erlauben. Experten sprechen von "Traveller Engagement", auf Deutsch also: Reisenden-Bindung.

Ohne Frage: Traveller Engagement hat das Zeug, 2020 zum großen Thema im Travel Management zu werden – neben Fragen wie Digitalisierung (End-to-End, digitale Belege, zentrale Bezahlung), Bürokratieabbau (A1, EU-Entsendepflicht, Margensteuer), verlässliche Mobilität und Klimaschutz. Wie der Bayer-Konzern als einer der Pioniere Traveller Engagement einsetzt, haben wir in unserer BizTravel-Spezialausgabe von Ende Oktober beschrieben. Wer's verpasst hat: Den Bericht gibt es in den nächsten Tagen online auf biztravel.de zu lesen.

Freitag, 29. November 2019

Längst sind die Chinesen Reiseweltmeister – 180 Millionen Auslandsreisen zählte man im vergangenen Jahr, und zu den Top-Zielen in Europa gehört neben Frankreich und Italien auch Deutschland. Die Deutsche Zentrale für Tourismus rechnet damit, dass  die Zahl der Übernachtungen von derzeit 1,6 Mio. (2018) im Jahre 2030 auf 5 Mio. wächst.

Doch ist der deutsche Markt hinreichend auf diesen Tourismusansturm aus China vorbereitet? Bieten wir, was sich chinesische Touristen wünschen? In Frankfurt habe ich eine Veranstaltung der Hotelgruppe Radisson besucht, die sich unter anderem mit diesem Thema beschäftigte. Klar ist: Chinesen wollen überall W-LAN, wollen digital per Alipay und Wechat bezahlen können und möchten, dass Reiseführer und Hotelmitarbeiter Mandarin sprechen können. Nicht alles ist simpel zu erfüllen. Radisson ist übrigens im Besitz von Jin Jiang, der größten Hotelkette Chinas und zugleich zweitgrößten weltweit.

Mittwoch, 28. November 2019

Heute war es nicht ganz so einfach, pünktlich ins Büro zu kommen: Tausende Landwirte haben in Hamburg demonstriert, sie sind mit ihren Traktoren in die Stadt gekommen. Habe ich mich darüber geärgert? Nein, ehrlich gesagt: Im Gegenteil. Ich sympathisiere mit den Bauern.

Die Bundesregierung unternimmt derzeit alles, um der Landwirtschaft den Boden zu entziehen. Unsere Bauern haben unter immer mehr Regulierungen zu leiden – momentan überschlagen sich die Politiker stattdessen damit, den Greta-Jüngern zu gefallen. Über die Folgen dieses panikartigen Handelns scheint sich in Berlin kaum noch jemand Gedanken zu machen. Wegen der wachsenden Umweltauflagen für unsere Bauern jedoch müssen immer mehr Lebensmittel nach Europa importiert werden. Diese aber dürften erst recht unter fragwürdigen Umständen produziert worden sein. Und gleichzeitig würden die Länder, aus denen wir die Produkte nun holen, diese viel eher selbst benötigen.

Klimaschutz? Nein, Egoismus nennt man so etwas.




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