Meine Woche | KW29

Von Glaubwürdigkeit und einer neuen Generation

Dienstag, 16. Juli 2019

Sie gelten als die "Eingeborenen" des digitalen Zeitalters, und sie werden nach Vorhersagen von Experten eine Menge Wirbel auf dem Arbeitsmarkt verursachen: die Angehörigen der (deutschen) Generation Z. Gemeint sind Menschen, die nach 1995 geboren sind, heute also maximal 25 Jahre alt sind.

Was ich am spannendsten finde: Die Generation Z will – ganz im Gegensatz zu Y - wieder klare Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr. Überstunden und sogenannte "Vertrauensarbeitszeit" werden abgelehnt, ebenso wie Flexibilität. Man will an einem einzigen Ort tätig sein, mit einem klar umrissenen Aufgabenfeld, ist an Karriere wenig interessiert, aber dennoch bereit, anständige Arbeit abzuliefern. Nach 17 Uhr und an Wochenenden allerdings wollen die jungen Menschen nicht mehr an ihren Job erinnert werden – denn dann sind Dinge wie Familie, Freundschaften und Hobbys angesagt.

Egal, wie man dies beurteilt, und unabhängig davon, für wieviele Z-Angehörige dies tatsächlich gelten mag (ich kenne auch solche, die sehr an Karriere interessiert sind), fest steht: Arbeitgeber müssen sich auf die neue Generation vorbereiten. Ich fürchte, in Zeiten von Fachkräftemangel und Hochkonjunktur könnte es da zunächst zu etlichen "Missverständnissen" und "kulturellen Zusammenstößen" kommen.

Bemerkung am Rande: Ich zumindest höre von immer mehr Z-Geborenen, dass Sie trotz aller Internet-Affinität das stationäre Reisebüro wieder zu schätzen wissen. Weil persönliche Hilfe bei der Buchung eben doch besser ist als der undurchschaubare Wust an sich widersprechenden (und gefakten?) Online-Kommentaren.

Freitag, 12. Juli 2019

Das nenne ich konsequent und finde es sehr glaubwürdig – auch wenn meine Position in der Klimadebatte eine gänzlich andere ist. Niko Paech, Professor an der Uni Siegen, fordert nicht nur einen klaren Klimaschutz, spricht sich radikal gegen Fliegen und Kreuzfahrten aus. Im Gegensatz jedoch zu den meisten, die fürs Klima protestieren oder in Youtube-Videos die Politik anprangern, um danach ins Flugzeug oder zumindest in den SUV zu steigen, fröhnt Paech einer solchen Doppelmoral nicht. Er kritisiert das Moralisieren, das in Deutschland immer sehr beliebt ist, und fordert stattdessen, dass jeder einzelne etwas unternimmt. Er selbst ist nur ein einziges Mal im Leben geflogen, macht Urlaub ausschließlich in Deutschland und Europa und fährt kein Auto.

"Vielflieger ertränken ihr schlechtes Gewissen in Bionade", sagt der Wachstumskritiker in einem Interview mit dem Weser-Kurier: "Die Bionade im Kühlschrank, dazu der fair gehandelte Kaffee im Regal. Auf dem Tisch das vegane Essen, auf dem Dach die Solaranlage." Für Paech ist klar: Das alles sind symbolische Ersatzhandlungen, solange die Menschen mit wirklichem Klimaschutz nicht ernst machen. Dass Reisen angeblich toleranter mache, ist für ihn nichts anderes als "links-liberale Ideologie".

Wie gesagt: Meine Meinung zum Klimaschutz ist eine andere. Dennoch habe ich Respekt vor Menschen, die nicht einfach nur auf andere oder auf die Politik schimpfen, sondern die ihre Überzeugungen auch selbst leben.




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