Lesetipp "Bell und Harry"

Freundlich, aber nicht idyllisch

Hanser

Wann anders als auf Reisen hat man Zeit und Muße zum Lesen – im Zug, im Flieger, im Hotel? BizTravel stellt in unregelmäßigen Abständen empfehlenswerte Neuerscheinungen vor. Heute: "Bell und Harry" von Jane Gardam.

Die Entwicklung ist paradox: Einerseits streben immer mehr Menschen in die großen Städte, andererseits war der Traum vom vermeintlich idyllischen Landleben noch nie so ausgeprägt wie heute. Das zeigen auflagenstarke Magazine wie Landlust, aber auch die vielen Ratgeber zum Leben mit und in der Natur.

Doch was passiert, wenn Städter wirklich ernst machen und aufs Land ziehen? Wie idyllisch ist das Ganze? Die englische Star-Autorin Jane Gardam erzählt in lose verbundenen Geschichten von einem solchen Abenteuer. Die Unterschiede zwischen Traum und Wirklichkeit werden schnell sichtbar: Die echten Landbewohner arbeiten extrem hart und machen — etwa während der Heuernte – schon früh morgens viel Lärm. Was die ruhesuchenden Städter wiederum als Übergriff empfinden.

Im Mittelpunkt des Buches stehen die beiden Kinder Bell, der auf dem Land aufgewachsen ist, und der Londoner "Exilant" Harry. Gemeinsam erleben sie teils lebensgefährliche Abenteuer in dem einstigen Bergbaugebiet – auch dort wird der Gegensatz zwischen Erwartung und Realität immer wieder deutlich. Auch dann, wenn Spekulanten in die Gegend strömen, um Immobilien und Grundstücke aufzukaufen. Dabei erzählt Jane Gardam höchst lebendig, und bereits beim Lesen meint man Gerüche und Farben des Landlebens zu riechen und zu sehen. Vor allem jedoch zeichnet die inzwischen 91-Jährige die sehr unterschiedlichen Charaktere der Städter und Dörfler sehr genau – mit Humor und Sympathie.

Jane Gardam (Autor), Isabel Bogdan (Übersetzer): Bell und Harry (Hanser Berlin, 192 Seiten, Preis: 20 Euro)



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