Großer Vergleich

So viel Handgepäck darf mit an Bord

Pärchen am Eurowings-Schalter: Bei besonders vollen Flugzeugen muss auch das Handgepäck aufgegeben werden.
Eurowings
Pärchen am Eurowings-Schalter: Bei besonders vollen Flugzeugen muss auch das Handgepäck aufgegeben werden.

Bei den einen dürfen es nur 5 Kilogramm sein, bei den anderen 23 Kilogramm: Die Handgepäck-Regeln der Fluggesellschaften unterscheiden sich enorm und verwirren. Wir geben einen Überblick.

Der österreichische Geschäftsreise-Verband Abta rügte gerade erst die unterschiedlichen Handgepäck-Regelungen der Fluggesellschaften. Mehrheitlich wählten die in der Abta vereinigten Travel Manager diesen Umstand vor wenigen Wochen zum "Kaktus 2019". Aber auch die Frage, in welchem Tarif Freigepäck inkludiert ist und in welchem nicht, verwirrt die Reisenden.

Ärgernis: Für die einen ist es Tarifvielfalt, die anderen sehen darin einen Tarifdschungel. Mit unterschiedlichsten Raten locken die Airlines – und längst nicht immer ist Freigepäck inbegriffen. Gerade Mitarbeiter, die nur gelegentlich beruflich unterwegs sind, buchen schon mal den vermeintlich niedrigsten Preis – und müssen dann am Flughafen für das nicht inkludierte Gepäck teilweise kräftig nachzahlen. Allerdings: Mehr und mehr greift hier der Gewöhnungseffekt. Erfahrene Passagiere und Reiseverkäufer wissen inzwischen, dass bei den Tarifen genau auf die Konditionen zu achten ist. Zudem kennt man es von der privaten Urlaubsreise. Meistens tragen die Raten ohne Freigepäck Namen wie Light, Lite oder Basic. Wobei "Basic" manchmal auch den kostenfreien Eincheck-Koffer umfasst, etwa bei TAP.

Als problematischer stellen sich die Handgepäckregeln heraus. Denn oft sind Geschäftsreisende nur mit kleiner Tasche unterwegs. Doch auch Handgepäck ist nicht gleich Handgepäck: Vor allem das zugelassene Gewicht unterscheidet sich von Airline zu Airline. Besonders schwierig kann es daher werden, wenn eine Reise mit mehreren Fluggesellschaften gebucht wird. Dann nämlich gelten die Regeln der jeweils restriktivsten Airline.

Und angesichts der Gewohnheit, auch schwere Koffer mit an Bord zu nehmen, statt den teureren Tarif zu buchen, kontrollieren die Fluggesellschaften heute häufiger als noch vor einigen Jahren. Michael Engel vom Airline-Verband BDF hält es für möglich, dass Handgepäck bald vor der Sicherheitskontrolle überprüft wird.

Ursache: Der Preis zählt. Bei Geschäftsreisen war Best Buy zwar immer schon eines der wichtigsten Kriterien bei der Flugbuchung, doch konnte man sich in früheren Jahren recht sicher sein, dass bei entsprechenden Abfragen Äpfel mit Äpfel verglichen werden. Mit dem Aufkommen der Billigflieger sind aber auch Birnen dabei: Die Niedrigrate der "Low Coster" steht in der Suche auf den attraktiven Top-Positionen, obwohl es sich um den reinen Basispreis ohne Gepäck und weitere Leistungen handelt.

Daraus haben die Linienflieger gelernt: Längst differenzieren auch sie ihre Angebote. Der günstigste Preis kann dann mit den Billigfliegern mithalten – erlaubt aber ebenfalls nur Handgepäck. Und sogar hier werden inzwischen die Daumenschrauben angezogen: Selbst der Bordkoffer kann zusätzlich kosten. "First Mover" sind wieder die Billigheimer.

Folgen: Die bereits erwähnte Verwirrung ist das eine. Das andere wurde jüngst vom Bundesrechnungshof beklagt: Airlines verleiten die Passagiere durch ihre Tarifgestaltung dazu, immer mehr Handgepäck mitzuführen – klar, spart ja Geld. Dadurch jedoch verzögern sich die Sicherheitskontrollen am Flughafen. Und auch beim Einsteigen bilden sich Schlangen, weil große Rollkoffer umständlich in den Gepäckablagen unterzubringen sind – wobei der Platz oftmals gar nicht mehr für alle Fluggäste reicht.

Lösungsversuche: Fluggesellschaften verweisen gern auf das neue Datenformat NDC, das in diesem Jahr seinen Durchbruch feiern soll. NDC gestatte es Unternehmen, mit den Fluggesellschaften fixe Pauschalpakete auszuhandeln, welche die von der Firma gewünschten Zusätze wie Freigepäck automatisch enthalten. Dem Mittelstand, der wegen des vergleichsweise geringen Volumens nicht verhandelt, nützt das wenig: "Durch NDC werden die Tarife für ihn noch intransparenter und noch weniger vergleichbar", sagt VDR-Präsident Christoph Carnier.
Immer Ärger mit dem Koffer
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Bleibt ein größerer Informations- und Kommunikationsaufwand für Travel Manager. Die Reisenden gilt es noch stärker dafür zu sensibilisieren, auf Frei- und Handgepäckregelungen beim Buchen zu achten. Hinweise auf Light-Tarife könnten in die Reiserichtlinien einfließen. Die jeweiligen Gepäckvorschriften des gebuchten Tarifs sollten zudem in den Reiseplänen erkennbar sein – analog zu Umbuchungs- und Stornokonditionen. Einheitliche Regeln tun not.
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