GDS-Zuschläge der Airlines

Wer klassisch bucht, zahlt immer öfter drauf

Immer mehr Fluggesellschaften verlangen von ihren Kunden eine Zusatzgebühr, wenn diese über die traditionellen Reservierungssysteme buchen.
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Immer mehr Fluggesellschaften verlangen von ihren Kunden eine Zusatzgebühr, wenn diese über die traditionellen Reservierungssysteme buchen.

Die Zahl der Fluggesellschaften wächst, die für klassische Ticket-Buchungen eine Gebühr verlangen. Umgehen lässt sie sich aber nur in wenigen Fällen.

Der Damm ist gebrochen. Nachdem die Lufthansa vor drei Jahren als erste Fluggesellschaft eine sogenannte Distribution Cost Charge – also eine Vertriebsgebühr – in Höhe von 16 Euro pro Buchung eingeführt hat, ziehen immer mehr Konkurrenz-Airlines nach. Die Zusatzgebühr gilt für alle Buchungen über die klassischen Reservierungssysteme (GDS) wie Amadeus & Co.

So verlangen seit Anfang November 2017 auch British Airways und Iberia einen solchen GDS-Aufschlag von 9,50 Euro pro Buchungssegment, also 19 Euro pro Gesamtstrecke. Im April 2018 folgen Air France und KLM mit ihrer Zusatzforderung in Höhe von 11 Euro pro Strecke (also 22 Euro gesamt). Damit wird dann bei allen großen europäischen Fluggesellschaften eine Zusatzgebühr für den Ticketkauf fällig.

Allein bei Amadeus sind damit dem Online-Dienst Skift zufolge etwa 20% aller im System verarbeiteten Flugscheine mit einer Zusatzgebühr versehen. Und das Ende dieser Entwicklung dürfte damit noch lange nicht erreicht sein. Wie bei der Streichung der Provisionen für Reisebüros vor einigen Jahren dürften kleinere und mittelgroße Fluggesellschaften nun im Windschatten ihrer großen Konkurrenten folgen. Dass hier nicht schon viel eher Bewegung hineingekommen ist, hängt allein mit den langjährigen Verträgen zwischen Fluggesellschaften und Reservierungssystemen zusammen, die eine Gebühr verhinderten.

Kunden lieber direkt ansprechen

Den Airlines geht es dabei um eines: Sie wollen Geld sparen. Denn während Reisebüros für die Buchung über die Reservierungssysteme eine Belohnung (Incentive) erhalten, müssen die Fluggesellschaften dafür bezahlen, dass sie dort vertreten sind. In einer Zeit, in der es transparente Gesamtpreise für einen Flug gab, mag sich dies gelohnt haben. Heute aber wollen die Airlines immer mehr Geld mit Zusatzangeboten einnehmen – vom Koffer bis zur Mahlzeit. Und diese verkaufen sie im Direktvertrieb weitaus effizienter. Zumal sie durch „Big Data“ viel über ihre Kunden wissen und ihnen entsprechende Angebote ohne den Umweg über Fremdsysteme machen können.

Für Reisende sind das keine guten Nachrichten. Für sie wird das Fliegen damit definitiv teurer. Betroffen sind vor allem Geschäftsreisende und deren Arbeitgeber. Gerade sie lassen ihre Dienstreisen jedenfalls bislang oft via Geschäftsreisebüro oder eigener Online-Buchungssoftware (OBE) buchen – und damit über die klassischen Reservierungssysteme. Denn diese sorgen anders als die von der Buchungsgebühr befreiten Direktbuchungskanäle der Fluggesellschaften für Markttransparenz und eine weitgehende Vergleichbarkeit der Preise. In Zeiten von Best Buy ist dies für die Unternehmen ein entscheidender Hebel bei der Reduzierung ihres Reise-Etats. Dies aber ist künftig bei immer mehr Buchungen nur noch gegen Aufpreis möglich.

„Unsere Flugkosten steigen dramatisch“

Entsprechend kritisch sehen denn auch hiesige Travel Manager das Vorgehen der Airlines. „Unsere Flugkosten steigen dramatisch“, sagt beispielsweise Andreas Konkel, Travel Manager bei Diehl. Dies liege außer an den GDS-Zuschlägen aber auch am Aus der Air Berlin und – damit verbunden – an den steigenden Ticketpreisen bei Lufthansa, sagt Konkel. Um die Kostensteigerungen im Rahmen zu halten, will er zumindest bei innerdeutschen Verbindungen den Umstieg auf die Bahn prüfen. Dabei stellt diese aber nicht in jedem Fall die günstigere Alternative dar.

Die Umgehung des GDS-Zuschlages durch eine direkte Anbindung an die Airline-Systeme, wie es Siemens und VW im Falle der Lufthansa vorgemacht haben, kommt für Diehl nicht infrage. „Direct Connect ist mit erheblichen Kosten verbunden“, erläutert Konkel. „Das können Konzerne wie Siemens mit entsprechendem Volumen schultern, aber für uns rechnet sich das nicht.“

Er sieht hier eher die Geschäftsreisebüroketten in der Pflicht, sich um entsprechende gebührenbefreite Anbindungen zu bemühen und diese dann den Kunden zur Verfügung zu stellen. Dass die Reisebüroketten an solchen Plattformen arbeiten, zeigt das Beispiel der Lufthansa City Center. Sie beginnen 2018 damit, ihr Vertriebssystem Bridge-IT einzuführen. Zum Nulltarif dürften solche Services allerdings auch nicht zu haben sein.

Gesamtpreis entscheidet

Auch Christoph Carnier, beim Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck für Travel, Fleet und Events zuständig, ärgern die Aufschläge bei Lufthansa & Co. Allerdings sind die Zusatzgebühren in seinen Augen nicht so hoch, als dass sie ein massives Umsteuern auf andere Fluglinien rechtfertigen würden – was angesichts der um sich greifenden GDS-Zuschläge auch schwierig wäre. „Am Ende entscheidet der Gesamtpreis“, sagt Carnier. Steigende Reisepreise würden jedoch dazu führen, dass man im eigenen Konzern verstärkt auf Reisevermeidung setze und den Einsatz alternativer Kommunikationsmittel forciere. Darüber hinaus arbeitet Merck auch an einer Direktverbindung zum Reservierungssystem der Lufthansa. Carnier: „Wir hoffen, den Direct Connect im ersten Halbjahr 2018 umgesetzt zu haben.“

Einen Schritt weiter ist da schon eine große deutsche Versicherung. Hier verhindern nur noch interne Abstimmungsprozesse die Freischaltung des Direct Connect. Für das Travel Management des Konzerns führt kein Weg an einer Direktanbindung vorbei. Nicht zuerst um die GDS-Zuschläge zu umgehen, sondern vor allem, weil die Lufthansa im Eigenvertrieb oft bessere Tarife freischaltet, die im GDS erst später – wenn überhaupt – verfügbar sind. Dies sei Grund genug, den Weg des Direct Connect zu gehen. Im Übrigen bringe es niemanden weiter, Entwicklungen nur zu beklagen.

Diskriminierung der GDS?

Ganz so fatalistisch ist man beim VDR nicht. Dort sieht man in der Gebühr schlicht eine Diskriminierung des klassischen Buchungskanals. Gleichzeitig würden hocheffektive und mühsam errichtete Buchungs- und Abrechnungsprozesse aufs Spiel gesetzt.

Gemeinsam mit drei weiteren Verbänden hat sich der VDR mit einer Beschwerde an die EU gewandt. Dort wird nun geprüft, ob die Fluglinien mit ihrer GDS-Gebühr gegen das EU-Wettbewerbsrecht, gegen Preistransparenz und gegen den Verhaltenskodex für Computerreservierungssysteme verstoßen. Für den VDR dürfte es der letzte Versuch sein, die ungeliebte Gebühr doch noch zu Fall zu bringen. Ein erster Anlauf vor dem Bundeskartellamt war im Frühjahr gescheitert.

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