Gastbeitrag

Care-Faktor in den Fokus!

Timo Darr ist Spezialist für Unternehmensmobilität. Mehr als zehn Jahre hatte er das globale Travel Management der Lufthansa geleitet. Heute ist er Berater mit Fokus auf Geschäftsreise, Fuhrpark und MICE.
Privat
Timo Darr ist Spezialist für Unternehmensmobilität. Mehr als zehn Jahre hatte er das globale Travel Management der Lufthansa geleitet. Heute ist er Berater mit Fokus auf Geschäftsreise, Fuhrpark und MICE.

Zunehmend klagen Geschäftsreisende über Belastungen und Stress. Doch manches ist vermeidbar, wenn professionell geplant und die Richtlinien mit Augenmaß angepasst werden.

Neben den häufiger werdenden Verspätungen, Streiks, Flug- und Zugausfällen sind einige Faktoren allerdings hausgemacht. So tragen beispielsweise schlecht gewählte Unterkünfte, nicht praxisnahe Reiserichtlinien oder fehlende Informationen zur Orientierung zu erhöhtem Stress am Zielort bei, ebenso wie das immer noch unterschätzte Thema Reisesicherheit. Hierbei muss es sich gar nicht um Extremfälle wie Reisen in gefährliche Länder oder Krisengebiete handeln. Der sogenannte Care-Faktor geht schon früher los. Wie gelingt Unternehmen der Spagat zwischen Kostendruck und Mitarbeitermotivation, so dass Geschäftsreisen auch zum Erfolg für Unternehmen werden? Das Problem: Inzwischen führt der Sparzwang bei den Unternehmen zu einem Sparkurs auch bei den Anbietern und so zu zum Teil spürbarem Komfortverlust selbst auf Langstreckenflügen.

Realitätsferne Reiserichtlinien

Steigende Energiepreise und anhaltende Umweltdiskussionen erlauben kein weiteres Senken der Transport- oder Übernachtungskosten. Zumindest nicht ohne das Zutun des Unternehmens. Einerseits sind Reisekosten der Dauerbrenner in Budget-Planungsrunden in Firmen jeder Größenordnung. Andererseits nimmt die Komplexität des Themas ständig zu, indem neue Geschäftsmodelle wie Sharing Economy oder auch neue Techniken auf den Geschäftsreisemarkt kommen, bei denen Unternehmen schnell den Überblick verlieren. Airbnb, Uber und andere Spieler, die im Rahmen privater Urlaubsplanung längst etabliert sind, drängen in den Geschäftsreisemarkt und stellen Unternehmen nicht nur in puncto Reisesicherheit und Haftungsfragen vor neue Herausforderungen. Die fehlende Auseinandersetzung mit technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen führt zwangsläufig zu Reiserichtlinien, die immer weiter von den persönlichen Bedürfnissen der Geschäftsreisenden abweichen. Und sie fördert damit nebenbei in vielen Fällen eine zeitaufwendige Umplanung, bis eine Abweichung von den Richtlinien im Sinne des Reisenden doch freigegeben werden kann. Intelligentes Reisemanagement ist gefragt: Rahmenbedingungen schaffen, die sowohl Unternehmensziele als auch Mitarbeiterbedürfnisse in Einklang bringen. Den Blick nicht nur auf das Regelwerk richten, sondern auch auf den Care-Faktor für die Menschen, die im Dienste des Unternehmens unterwegs sind. Augenmaß, ein gewisser Entscheidungsspielraum bei den Richtlinien und gut geplante Reisen motivieren die Mitarbeiter und geben ihnen ein Gefühl der Wertschätzung. Fürsorge bereits ab der Reiseplanung trägt dazu bei, dass Reisezeiten zugleich intensive Arbeitszeiten sein können. Es ist also eine Investition in Geschäftsreisende, die sich lohnt: Arbeitsqualität und Reiseergebnis fallen besser aus, und die Loyalität zum Arbeitgeber steigt.

Auf den Menschen blicken

Ein von Controlling und Care bestimmtes unternehmensinternes Travel Management zahlt sich im wahrsten Sinn des Wortes aus. Zugegeben, ein Teil der Kapitalrentabilität (Return on Investment) liegt in Bereichen, die schwer messbar sind, weil sich vieles im Unterbewusstsein abspielt. Wenn dies allerdings zu einer Erhöhung des Kostenbewusstseins, zu mehr Loyalität, Motivation und Produktivität sowie zur Stärkung des unternehmerischen Handelns führt, dann lautet die Gleichung 1 + 1 = 3. Man kann diese Praxis auch als Company-Value-Strategie bezeichnen.

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