Fluggastrechte

Wenn der Koffer verschwindet

Leser fragen, BizTravel und Ronald Schmid vom Verbraucherportal Fairplane.de antworten. Heute: Welche Rechte haben Passagiere, wenn der Koffer verloren geht?

Prof. Dr. Ronald Schmid
Advocatur Frankfurt
Prof. Dr. Ronald Schmid

Frage: Was kann ich machen, wenn mein Koffer auf einer Flugreise verschwindet?

Prof. Dr. Ronald Schmid: In der Regel sind die Fluggesellschaften zwar häufig nicht selbst für den Verlust oder die Beschädigung eines Gepäckstücks verantwortlich, sondern die Bodenverkehrsdienstleister an den Flughäfen, die Rechtsprechung ist dennoch im Rahmen des Montrealer Übereinkommens sehr klar formuliert. Und das heißt: Das durchführende Luftfahrtunternehmen haftet verschuldensunabhängig für den Verlust, die Beschädigung oder gar die Zerstörung eines Reisegepäckstücks.

Um die Ansprüche als Passagier bei der Airline entsprechend geltend machen zu können und auch einen Schadenersatzanspruch nicht zu verlieren, ist es wichtig, dass der Geschädigte den Gepäckschaden dem Luftfahrtunternehmen unverzüglich anzeigt. Das muss schriftlich geschehen. Besser ist es aber, wenn der Fluggast den Schaden dem Luftfahrtunternehmen am sogenannten Lost & Found-Schalter der Airline meldet, wo dem Passagier die Schadensanzeige durch ein „Property Irregularity Report (PIR)“ bestätigt und die Suche nach dem Koffer gestartet wird.

Diese Schalter gibt es an jedem Flughafen in jeder Gepäckhalle. Bestenfalls wird der Koffer direkt gefunden und von den meisten Fluggesellschaften dann auch an den Gast entweder nach Hause oder den jeweiligen Aufenthaltsort nachgeliefert. Zu diesem Service ist die Airline nicht verpflichtet, muss jedoch für eine etwaige Abholung des Gepäckstücks am Flughafen die Fahrtkosten erstatten.

Grundsätzlich gelten Fristen, binnen derer der Schaden dem Luftfahrtunternehmen angezeigt werden muss: Bei Gepäckbeschädigungen unverzüglich, jedenfalls aber innerhalb von sieben Tagen, bei Gepäckverspätungen innerhalb von 21 Tagen nachdem das Gepäck dem Empfänger zur Verfügung gestellt worden ist. Geschieht das schriftlich, muss die Beanstandung innerhalb der Frist abgesendet werden.

Schadensminderungspflicht: Zahnbürste und Krawatte für den Aufenthalt

Sollte der Koffer nicht auftauchen, ist die Fluggesellschaft für die Zwischenzeit verpflichtet, die Kosten für den Notbedarf zu ersetzen, das heißt die Kosten, die durch den Gepäckverlust notwendig geworden sind. Typischerweise gehören hierzu Hygieneartikel wie eine Zahnbürste, frische Unterwäsche, aber auch eine Badehose bei einem Badeurlaub oder eine Krawatte, eventuell auch ein Ersatz-Anzug bei einer Geschäftsreise mit Tagung. Dabei muss der Passagier aber seine Schadensminderungspflicht beachten.

Im Übrigen muss die Airline nicht den gesamten Betrag erstatten, wenn die gekauften Gegenstände von den Kunden nach der Reise weiterbenutzt werden können. Die Tagessätze variieren hier, da das Montrealer Übereinkommen lediglich einen Entschädigungshöchstbetrag formuliert, nicht jedoch die individuelle Höhe einer Entschädigungsleistung bei einer Beschädigung oder eines Verlusts des Reisegepäcks festsetzt.

Unter einem Prozent der Koffer bleiben unauffindbar – Schadenersatz als Entschädigung

Dass Ihr Koffer verschollen bleibt, ist nicht sehr wahrscheinlich: Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Koffer verschwindet dauerhaft. Zudem ist die Fluggesellschaft nach Angabe des genauen Inhalts durch den Reisenden verpflichtet, einen entsprechenden Schadenersatz zu leisten. Der Höchstbetrag liegt gemäß des Montrealer Übereinkommens umgerechnet bei rund 1300 Euro. Übrigens: Der Schadenersatz wird pro Passagier und nicht pro Koffer bezahlt!

Den Wert des Kofferinhalts müssen Sie wahrheitsgemäß genau bezeichnen und in der Regel mit Quittungen belegen. Ein erst verschollenes und dann wiedergefundenes Gepäckstück wird oft auch im Beisein von Polizei- oder Zollbeamten geöffnet. Dabei ist schon mancher versuchte Versicherungsbetrug aufgedeckt worden.

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