Flüge buchen

Travel Management in Russland

Ab Deutschland starten immer mehr Direktflüge nach Russland – nicht nur nach Moskau. Auch das Umsteigen ist einfacher geworden. Dennoch bleiben jede Menge Tücken.

Ryanair träumt davon, Tatarstan Airlines setzt es schon um: Weil bei einem Flug nach Jekaterinburg sechs Passagiere zu viel an Bord waren, mussten diese während des Flugs stehen. Als der Jet in Turbulenzen geriet, setzten sie sich in den Mittelgang – unangeschnallt natürlich. Auch wenn dieser Vorfall, über den die britische „Daily Mail“ jüngst berichtet hat, eine Ausnahme ist, so gilt doch: Fliegen in Russland stellt nach wie vor „eine Herausforderung“ dar, formuliert es der Berater Winfried Barczaitis. Zumindest in der Economy. Denn die Sitze in Iljuschin- oder Tupolew-Jets, die zu Sowjetzeiten gebaut wurden, sind meist eng, die Beinfreiheit ist gering. Und Platz für die Aktentasche findet sich kaum.„Eco in russischem Fluggerät würde ich westlichen Reisenden bis maximal drei Stunden zumuten“, sagt Barczaitis von Trust Management Consultants (TMC). Er beschäftigt sich intensiv mit Business Travel in Russland – ein Thema, über das europäische Unternehmen nach wie vor wenig wissen. Und das, obwohl Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner des östlichen Riesenreiches ist: Mehr als 4600 hiesige Unternehmen sind in dem Land aktiv. Zu keinem anderen Ziel auf der Welt starten ab Russland denn auch so viele Flüge wie nach Deutschland.

Inlandsflug dauert zehn Stunden

Doch vieles ist anders im Osten. Persönliche Beziehungen sind das A und O, und westliche Travel-Management-Strukturen mit strikten Reiserichtlinien oder Reportings sind eher fremd. Holzklasse für Inlandsrouten? Klappt oft nicht: „Ein Inlandsflug kann wegen der enormen Ausdehnung des Landes schon mal zehn Stunden dauern“, warnt Barczaitis. Die Klassenwahl bezeichnet er als „Frage des Leidensdrucks“, dem man den Reisenden aussetzen will: „Das fängt schon beim Check-in an, wo die Schlangen vor dem Economy-Schalter sehr viel länger sind. Zudem herrscht in Russland eine Ellenbogenmentalität.“Dennoch sind die Fortschritte groß, die das Land in den letzten zwei bis drei Jahren gemacht hat. Längst ist Fliegen nicht mehr so unsicher, wie es einmal war, als es schwere Unglücke gab und russische Airlines auf der Schwarzen Liste der EU standen. Zum einen ist der Markt von einst 300 Fluggesellschaften auf weniger als 120 geschrumpft, wobei Experten erwarten, dass am Ende sogar höchstens 15 bis 20 Airlines überleben.Zum anderen investieren die Gesellschaften in moderne Jets. „Die großen Vier – Aeroflot, S7, Transaero und UT-Air – sind sehr bemüht, auf westliche Maschinen zu wechseln“, berichtet Barczaitis. Beim Service haben sie ebenso aufgeholt, in jedem Fall, was die internationalen Strecken nach Russland angeht. Geräumige Business-Klassen finden sich mitunter selbst in kleinen Boeing B-737-Jets.

Schnell in die Metropolen

Russland-Routen gibt es reichlich. Neben Direktverbindungen mit Air Berlin, Lufthansa, Germanwings, Aeroflot, Transaero, S7 oder UT-Air stehen etliche Umsteigerouten zur Auswahl, die man in den Preisvergleich einbeziehen sollte. Austrian Airlines zum Beispiel verkehrt über Wien, Swiss über Zürich, Czech Airlines über Prag und SAS über Kopenhagen oder Stockholm. In die ukrainische Hauptstadt Kiew fliegt Ukraine International (UIA) ab Frankfurt und Berlin und von Kiew weiter nach Dnipropetrowsk, Kharkow, Lugansk, Odessa und Uschgorod. Simferopol ist per UIA direkt an Frankfurt angebunden.

Neue Strecken ab München

Was auffällt: Waren es bislang die Metropolen Moskau und St. Petersburg, die nonstop zu erreichen waren, stehen neuerdings viele weitere Städte auf den Flugplänen der deutschen Airports. Ab Frankfurt bietet Lufthansa ein dichtes Netz an. Ab Hannover lassen sich etwa Omsk und Sotschi nonstop ansteuern, und ab Düsseldorf sind zusätzlich Omsk und Orenburg zu erreichen.Eine Menge tut sich in München: Ab Oktober nimmt dort die Aeroflot-Tochter Donavia Verbindungen nach Rostow auf, während Air Wolga nach Krasnodar startet. Ein Ziel, das auch Kuban Airlines ansteuert – statt Sotschi. Aeroflot selbst fliegt häufiger nach Moskau. Insgesamt 75 Flüge pro Woche starten dann ab München, auch nach St. Petersburg, Jekaterinburg und ins westsibirische Tjumen mit UT-Air. Polet bedient zudem die zentralrussische Stadt Woronesch, eine besonders von Siemens genutzte Route: Der Konzern baut dort ein Transformatorenwerk.Gibt’s keinen Direktflug, steigt man in Moskau um. Mitunter ist dazu ein Wechsel zwischen den drei Flughäfen der russischen Hauptstadt nötig, für den Geschäftsreisende mindestens fünf Stunden einplanen sollten. In jedem Fall sind von Domodedowo, Scheremetjewo und Wnukowo Dutzende inländische Ziele zu erreichen. Zu den modernen Gesellschaften, die zudem in westlichen Reservierungssystem vertreten sind, zählt Russlands erster Billigflieger Sky Express. Die Airline, die ihr erstes Ticket in Deutschland über den Spezialisten Kris verkaufte, fliegt ab Moskau zum Beispiel Ziele wie Jekaterinburg, Tjumen und Tscheliabinsk an. Neu ab 30. Oktober sind Flüge nach Anapa, Südrusslands beliebtester Kurort.

Umsteigen in Moskau

Domodedowo hat sich zum größten und modernsten Flughafen Russlands gemausert. Der 35 km südlich von Moskau gelegene Airport wird von 19 Mill. Passagieren jährlich genutzt. Die private Firma East Line hat ihn für 75 Jahre gepachtet. Nach Moskau gelangt man per Aeroexpress-Zug, der im 30/60-Minuten-Takt ohne Halt zum Pawelezer Bahnhof fährt. Airlines: u. a. Lufthansa, Air Berlin, Austrian, Swiss, S7, Transaero, Moskovia, Region Avia, Ural Airlines, Tatarstan, Air Wolga. www.domodedovo.ruScheremet Jewo: Das moderne Terminal D (Aeroflot) hat das schlechte Image des Flughafens aufpoliert. Etwa 15 Mill. Menschen landen hier jährlich. Nach Moskau geht’s mit dem Aeroexpress, alle 30 Min. zum Weißrussischen Bahnhof (Metro Belorusskaja). Dauer: 35 Minuten, Kosten zehn Euro. Der Aeroexpress hält am Terminal E. Fußweg zum Terminal F; Busse alle 10 Minuten zum Terminal D und alle 15 Minuten zu den Terminals B und C. Airlines: u. a. Aeroflot, Nordavia, Air Baltic, Air France, Czech Airlines, LOT, SAS. svo.aeroWnukowo: Mit dem 30 km südwestlich von Moskau gelegenen Airport Wnukowo will Russlands Regierung den Erfolg des privaten Domodedowo wiederholen. Derzeit ca. 8 Mill. Gäste. Stündlich fährt der Aeroexpress nach Moskau (Kiewer Bahnhof). Dauer 35 Minuten, Preis 10 Euro. Airlines: u. a. Sky Express, Germanwings. www.vnukovo.ruAirport-Wechsel: Am schnellsten (ca. 3 Stunden) mit den 3 Aeroexpress-Zügen. Zwischen den Ziel- bzw. Startbahnhöfen in Moskau nutzt man die Metro: Linie Scheremetjewo (Weißrussischer Bahnhof): Umsteigen mit grüner oder brauner Metro-LinieLinie Domodedowo (Pawelezer Bahnhof): Umsteigen mit grüner oder brauner LinieLinie Wnukowo (Kiewer Bahnhof): Umsteigen mit brauner Metro-LinieDie U-Bahn fährt ca. 30 Minuten. In die 3 Stunden Fahrtzeit nicht einberechnet ist die Zeit für Check-in und Grenz-/Zollkontrollen, für die man gerade in Scheremetjewo mehrere Stunden einplanen sollte. Unter dem Namen „Metro+“ gibt es Aeroexpress-Tickets, die zugleich für die Metro innerhalb Moskaus gelten. www.aeroexpress.ru

Tickets in Russland

Das Preisniveau der Tickets in Russland ist mit dem in Europa vergleichbar. So werden für einen Returnflug von Moskau in die Ural-Metropole Jekaterinburg je nach Datum, Zeit und Klasse etwa 200 bis 1600 Euro fällig.Einziger Wermutstropfen: Nach wie vor sind etliche innerrussische Flüge nicht in den westlichen Reservierungssystemen enthalten – sondern ausschließlich im russischen Sirena-Programm. Firmenkunden, die ein solches Ticket benötigen, müssen entweder über ihre russische Filiale, das besuchte Unternehmen, eine russische Geschäftsreisekette wie ATH, Continent Express und Zelenski Corporate Travel oder über einen Russlandspezialisten in Deutschland buchen.Und wenn es dann für einen Inlandsflug doch mal Economy Class sein muss, weil eine Business Class zum Beispiel gar nicht erst angeboten wird, kann auch dies zum Erlebnis werden – zum positiven natürlich. Winfried Barczaitis jedenfalls weiß davon zu berichten. „Im Mittelsitz einer Fünfer-Reihe in einer Iljuschin-86-Maschine habe ich schon sehr interessante Bekanntschaften mit sibirischen Bauern geschlossen“, erzählt der Berater und fügt lächelnd hinzu: „Während des gesamten Fluges war ich bestens mit Obst und Nüssen versorgt.“

Direkt nach Russland und in die Ukraine

Frankfurt: Moskau-Domodedowo (Lufthansa, S7, Transaero), Moskau-Scheremetjewo (Aeroflot), St. Petersburg (Rossija), Kasan (Lufthansa), Nischni Nowgorod (Lufthansa), Perm (Lufthansa), Rostow am Don (Lufthansa), Samara (Lufthansa), Saratow (Saravia, nur im Sommer).München: Moskau-Domodedowo (Air Berlin, S7, Lufthansa), Moskau-Scheremetjewo (Aeroflot), St. Petersburg (Lufthansa, Rossija), Krasnodar (Air Volga, Kuban Airlines), Rostow am Don (Donavia), Jekaterinburg (Ural Airlines), Tjumen (UT-Air), Woronesch (Polet Airlines). Winter 2010/11.Berlin: Moskau-Domodedowo (Air Berlin, Lufthansa, Transaero), Moskau-Scheremetjewo (Aeroflot), Moskau-Wnukowo (Germanwings), St. Petersburg (Air Berlin, Rossija). Winterflugplan 2010/11.Hannover: Moskau-Domodedowo (S7), Moskau-Scheremetjewo (Aeroflot), Moskau-Wnukowo (Germanwings), Nowosibirsk (S7, nur im Sommer), Omsk (Jakutia; Condor nur bis 27. 10.), Saratow (Saravia, nur im Sommer), Sotschi (Kuban Airlines).Düsseldorf: Moskau-Domodedowo (Air Berlin, S7, LH), Moskau-Scheremetjewo (Aeroflot), St. Petersburg (Air Berlin, LH, Rossija), Omsk (Orenair), Orenburg (Orenair), alles Sommerflugplan bis 30.10.Köln: Krasnodar (Kuban Airlines), Moskau-Wnukowo (Germanwings), St. Petersburg (Germanwings).Stuttgart: Moskau-Wnukowo (Germanwings), St. Petersburg (Austrian, LH)In die Ukraine: ab Frankfurt und Berlin nach Kiew (Ukraine International, UIA), ab Frankfurt nach Simferopol (UIA), ab Berlin nach Dnipropetrowsk (Aerosvit).

Guter Draht nach Russland und in die GUS

Russland-Spezialisten„Unsere Mitarbeiter fliegen zu oft unaussprechlichen Zielen in Russland“, berichtet Bernd Hammermayer, Travel Manager von Hans Hundegger Maschinenbau, auf einer VDR-Tagung in München. „Manche davon sind nicht einmal über die westlichen Reservierungssysteme zu buchen – oder es gibt nur Papiertickets.“ Zwar bieten die meisten russischen Airlines mittlerweile E-Tickets an, doch es gibt Ausnahmen. Wer etwa mit Saravia nach Saratov fliegt, braucht ein Papierticket. Das gilt auch für die Städte Briansk und Tambov (Region Airline) oder Pensa und Lipetsk (Bugulma Avia). Dann bleibt keine Wahl: Man bucht entweder über den Russland-Partner einer westlichen Kette, eine der großen russischen Geschäftsreisekette oder über einen Russland-Spezialisten in Deutschland. Als führender Anbieter bezeichnet sich die Kris Group im fränkischen Fürth, vor 14 Jahren von den Ukrainern Oleg Aronov und Alexander Krivonos gegründet.Sirena Hinzu kommt: „Manche Airlines bieten zwar mittlerweile E-Tickets, sind aber dennoch nicht über westliche Systeme zu haben“, erklärt Kris-Vertriebschefin Jolanta Stettner beim VDR in München: „Buchbar sind sie nur über Sirena.“ In diesem russischen Reservierungssystem sind alle innerrussischen Flüge enthalten. Zu den Strecken, die trotz E-Tickets ausschließlich über das Sirena- System zu bekommen sind, gehören: Moskau– Kogalym, Surgut (Kogalym Avia); Moskau–Saransk (Mordovia Avia); Moskau–Machachkala (Dagestan Avia) sowie die Ziele Belgorod, Novi Urengoj, Nadym, Sowetskij (Gazpromavia) und Nerjungri, Bratsk, Pevek und Blagoweschensk (Jakutia Avia).Bahn„Nicht jede Stadt in Russland oder der GUS ist mit dem Flieger zu erreichen“, sagt Stettner. Zu den Zielen, die stattdessen auf der Schiene erreichbar sind, gehören Tver, Smolensk, Yaroslavl, Kaluga, Ryazan und Wladimir. Die Bahnen starten von einem der zehn Moskauer Hauptbahnhöfe, die per Metro gut miteinander verbunden sind. Die Regel sind zwar noch Papiertickets, „daneben gibt es aber auch E-Vouchers, die am Ticketautomaten spätestens eine Stunde vor Abfahrt gegen einen normalen Fahrschein eingetauscht werden müssen.“ Modern ist der „Wanderfalke“ zwischen Moskau und St. Petersburg: „Hier lässt sich direkt der gewünschte Platz buchen – genau wie beim Flugzeug“, erklärt Jolanta Stettner.Kris GroupMit mehr als 1500 Firmenkunden gehört das Unternehmen zu den umsatzstärksten russischsprachigen Reisevermittlern und hat sich in puncto GUS „zum Marktführer gemacht“, sagt Krivonos: „Als Iata-Büro verfügen wir außer über Amadeus und Galileo über Lizenzen diverser russischer Reservierungssysteme wie Sirena, Gabriel oder Express 3. Über diese lassen sich für alle Airlines und Flughäfen sowie Bahnstrecken der GUS Tickets buchen.“ Stolz ist Jolanta Stettner darauf, dass über 150 deutsche Reisebüros – darunter viele Agenturen von LCC, FCM und CWT – die Dienste ihres Unternehmens nutzen. „Wir machen Ticketing und Rechnungsstellung in Deutschland“, sagt sie: „Zudem ermöglichen wir den Reisebüros indirekt Zugang zu den russischen Reservierungssystemen, da wir die grafischen Oberflächen ins Deutsche übertragen haben.“ Über das Kris-Portal www.russtravel.de können sowohl Firmen als auch Reisebüros direkt Flüge buchen – „natürlich gern mit fachlicher Beratung“, fügt Stettner hinzu.

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